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Toibin
Colm Toibin: Broooklyn. A Novel
New York: Scribner, 2010. Broschiert, 262 Seiten – Colm LinksColm Literatur
Wer Henry James' unaufgeregte, psychologische Schreibweise mag, wird auch Brooklyn gerne lesen. Wenige Höhepunkte sind gezielt in eine breite Lebensbeschreibung der passiven Eilis (laut angloamerikanischen Seiten: Eilisch gesprochen) hineingesetzt. Erst zum Schluss wird Eilis eine schwierige Entscheidung abverlangt.
In Enniscorthy, dem irischen Ort, in dem der Autor geboren wurde, lebt die Familie Lacey, deren Vater bereits gestorben ist. Es sind die 50er des vorigen Jahrhunderts.
Die sonderbare Diskrepanz zwischen der Golfspielerin Rose und ihrer jüngeren Schwester Eilis, die ihren Lebensweg noch finden muss, bleibt unerklärt. Es gibt halt unterschiedliche Schwestern. Die beiden Brüder arbeiten in England.
Für Eilis wird eine Sonntagsstelle in einem Laden frei. Father Flood kommt aus New York zu Besuch und organisiert für Eilis eine Stelle im Land der Verheißung. Eilis nimmt an.
Hier wie noch öfters in Brooklyn muss man mitdenken, wird aber von Toibin sanft erinnert.
Eilis wird mehrfach in ihre Lebensbahn gedrängt, so auch beim Trip nach New York: „Even when she woke in the night and thought about it, she did not allow herself to conclude that she did not want to go“ (S. 30). Eigentlich müßte die weltgewandte Rose auswandern, doch sie und Mutter schicken Elilis auf die weite Reise: „She wondered if her mother too believed that the wrong sister was leaving“ (S. 32). Mehr noch: es wird Eilis klar, was es für Rose bedeutet. Sie wird mit Mutter allein gelassen und kann deshalb nicht mal heiraten (S. 32).
Eilis fühlt sich in der neuen Welt recht einsam. Im Schmelztiegel New York bleiben die ethnischen Gruppen oft unter sich oder haben gegenseitige Abneigungen bis zum Rassismus: Italiener, Juden, Iren, Schwarze, ... In den Gesprächen der Bewohnerinnen bei Mrs Kehoe oder beim Tanz am Wochenende wird das mehr oberflächlich diskutiert. Alle Mädchen dort haben noch die Eierschalen hinter den Ohren.
Eilis freundet sich mit Tony, einem Italo-Amerikaner an ....
Das Porträt der Auswanderin Eilis gelingt Toibin ausgezeichnet. Dass sie recht fremdbestimmt durchs Leben trottet liegt wohl an den familären Verhältnissen: Rose ist ihr Vorbild, da der Vater fehlt. In New York findet sie nur zögerlich Anschluss, über die Pfarrgemeinde gelingt es dann.
Brooklyn ist auch eine coming-of-age novel ("Bildungsroman").
Ihre strikte Erziehung in Irland wird in New York relativiert. Ihre Vermieterin Mrs. Kehoe legt ihr nahe, dass man nicht immer stockehrlich sein kann: „that only works some of the time“ (S. 104). Eilis beherzigt es mehrfach und gerät jedes Mal ins Schlamassel.
Der Text ist nahe bei der Protagonistin, aber nicht in Ich-Form. Immer wenn man meint, die Handlung versandet kommt ein Wellenkamm: Ankündigung und Vorbereitung der Auswanderung; auf dem Schiff; Heimwehanfall; ...
Eilis erinnert an Ellis Island. Ihr Schicksal ist Toibins Hommage an Henry James, ebenfalls ein Wanderer zwischen den USA und Europa.
„She sat at the window watching the evening invade the avenue. Her head was leaned against the window curtains and in her nostrils was the odour of dusty cretonne. She was tired.“ So beginnt
James Joyce seine Kurzgeschichte "Eveline" aus Dubliners.
„Eilis Lacey, sitting at the window of the upstairs living room in the house on Friary Street, noticed her sister walking briskly from work“ (S. 3). So beginnt Colm Toibin.
2009 nominiert für den Booker Prize. Costa Book Award 2009 in der Kategorie Bester Roman.
Auswandererschicksal zwischen Irland und den New York in den 50-ern des letzten Jahrhunderts. und Bildungsroman einer jungen Irin. Ruhig, mit Eilis im Mittelpunkt. Einige Höhepunkte. Sehr zur Lektüre denjenigen empfohlen, die mehr Wert aus Psychologie legen (Jane Austen, Henry James, ...) denn auf Action.
Links
Colm Toibin: ToibinAutor * 1955 in Enniscorthy, Co. Wexford – ToibinBritish CouncilToibinWikipedia
ToibinMichael Antman: "Brooklyn by Colm Toibin", 19 August 2009
ToibinClaire Bracken: "Brooklyn (2009) by Colm Tóibín", Irish Studies Round the World, June 2009
ToibinHelen Caldwell: Book Review: Brooklyn by Colm Tóibín, Oct 19, 2010
ToibinAnton Philipp Knittel: „Und versuchte, sich nichts weiter vorzustellen.“ Über Colm Tóibíns meisterhaften Roman „Brooklyn“
ToibinHeller McAlpin: 'Brooklyn,' by Colm Tóibín, SFGate June 14, 2009
ToibinPerlentaucher
ToibinRuth Scurr: Colm Tóibín’s beautiful Brooklyn, The Times Literary Supplement April 29, 2009 
Vergleichsliteratur
Henry James: The Portrait of a Lady
James Joyce: "Eveline". In: Dubliners
Colm Frank McCourt: Angela's Ashes
Colm W. G. Sebald: Die Ausgewanderten. Vier lange Erzählungen
Anne Tyler: An Amateur Marriage

Literatur
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Toibin ToibinColm Toibin: Brooklyn. A Novel. New York: Scribner, 2010. Broschiert, 262 Seiten Toibin
Colm Toibin: Broooklyn London: Penguin, 2010. Broschiert, 256 Seiten Toibin
Toibin ToibinColm Toibin: Brooklyn. München: Hanser, 2010. Giovanni & Ditte Bandini, Übs. Gebunden, 302 Seiten
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 5.11.2010