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Gustaf Sobin: Der Trüffelsucher
[The Fly-Truffler]. Berlin: Berliner, 2000. Gebunden, 190 Seiten
Philippe Cabassac, nahe fünfzig Jahre, Universätsprofessor für eine regionale provencalische Sprache in Avignon, verliebt sich in die Studentin Julieta. Nachdem ihr Kind tot geboren wird stirbt auch Julieta selbst. Mit Hilfe der schwer zu findenden Trüffel flieht Philippe in eine Welt der Träume, in der er Julieta wieder begegnet.
Diese oder ähnliche Geschichten – Schema: älterer Professor (warum immer Sprach- oder Kommunikationswissenschaftler? spontan fallen mir ein: Dietrich Schwanitz: Der Campus; sobin J. M. Coetzee: Disgrace; sobin Zeruya Shalev: Liebesleben; sobin Philip Roth: The Human Stain [Putzfrau statt Studentin]) verliebt sich in Studentin und scheitert – haben sich überholt. Allerdings wandelt Sobin das Thema etwas ab: nach dem Tode Julietas taucht seine Cousine Magalie aus den USA auf, tischt eine unglaubliche Story auf und veranlasst Philippe für sie viel Geld zu beschaffen. Leider führt der Autor die echte Magalie erst auf Seite 140 ein, bringt Wind in die flaue Erzählung und verschwindet dann wieder. Das läßt den Leser ratlos zurück; Sobin benutzte diesen Kniff nur (?) damit Philippe sein gesamtes Anwesen verkauft. Erst damit wird das dramatische Finale des Romans möglich. In seiner Negation der Wirklichkeit erinnert Philippe entfernt an Bartleby (sobin Herman Melville: Bartleby, the Scrivener). Dabei stellte sich aber die Frage, warum dies seine Tante Mirèio mitmachte oder hinnahm (S. 166). Nicht ganz überzeugend wird auch dargestellt, wie Philippe seine Geliebte dahinsiechen läßt ohne einen Arzt zu verständigen. Der fiebrige Wunsch der Kranken selbst ist dafür kaum ein Entschuldigungsgrund.
Da sich Juliete und Philippe mit der Erforschung der seltenen Regionalsprache beschäftigen, tauchen unvermeidbar viele fremde Wörter auf. Der Übersetzer Malte Friedrich ließ zusätzlich unnötig einige Anglizmen stehen: "Implikation" (S. 14) ... "kompilierte" (S. 99).
Die gute Idee mit den Trüffeln trägt nicht einen ganzen Roman. Die langen Ausführungen über die Trüffel und ihre Suche langweilten mich. Das letzte Viertel rettet mit einem konsequenten Zieleinlauf das Buch gerade noch.
Gustaf Sobin, * 1935 Boston, lebt und arbeitet in der Provence/Frankreich. Der Trüffelsucher erschien zuerst 1999 The Fly-Truffler
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Sobin   sobinGustaf Sobin: Der Trüffelsucher. Berlin: Berliner, 2001. Broschiert. Übs. Malte Friedrich Sobin
Gustaf Sobin: Der Trüffelsucher. Berlin: Berliner, 2000. Gebunden, 190 Seiten. Übs. Malte Friedrich sobin
Sobin   sobinGustaf Sobin: The Fly-Truffler. Norton, 2001. Taschenbuch, 155 Seiten Sobin
Gustaf Sobin: The Fly-Truffler. Norton, 2000. Gebunden, 160 Seiten sobin

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.12.2004