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Balzac
Honoré de Balzac: Die Verlassene
in: Albert Savarus. btb, 1998. Broschiert. 1177 Seiten

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Zum Frühlingsbeginn 1822 wird Baron Gaston de Nueil von seinen Ärzten in die Nieder-Normandie geschickt. Er hatte eine Fiebererkrankung, hervorgerufen „durch übertriebene geistige Arbeit oder durch ausschweifende Lebensweise” (S. 655).
Mit dem späteren Handlungsverlauf wird klar, dass es nur die ausschweifende Lebensweise gewesen sein konnte. Der Baron ist so gut eingesäumt, dass er keine Arbeit verrichten muss.
Die Hautevolee der Kleinstadt Bayeux, in die Gaston zu seiner Cousine kommt, wird ausführlich geschildert. Sie kann als pars pro toto gelten, denn „abgesehen von einigen Gebräuchen sind alle Kleinstädte einander ähnlich” (S. 656). Das erinnert an Leo Tolstois ersten Satz in Anna Karenina: „Alle glücklichen Familien ähneln einander“. Die Hautevolee von Bayeux ist allerdings nur oberflächlich gesehen eine glückliche Familie.
Der Baron erhält zur Elitegesellschaft Zutritt. Sie trifft sich in den Salons und redet Quark.
„Die Summe der in diesen Köpfen angesammelten Intelligenz besteht aus einem gewissen Quantum alter Ideen, in die sich einige neue Gedanken mischen; das wird dann allabendlich durcheinandergerührt.” (S. 659)
Auf diesen allabendlichen Soireen hört der Baron von Madame Claire de Bourgogne Beauseant. Sie lebt nach einer geplatzen Affäre zurückgezogen auf ihrem Landgut, fernab von ihrem Gatten Marquis de Beauseant. Das weckt die Neugier des Barons und er will zu ihr vordringen.
Durch eine List gelingt es ihm. Doch die erhoffte Affäre ergibt sich nicht. Sie entzieht sich seinen Annäherungsversuchen und flieht in die Schweiz. Er ihr nach.
Mehr möchte ich nicht verraten.
Nur so viel: nach dramatischen Verlauf kündigt der Autor an, dass die Geschichte nicht erzählenswert sei, wenn sie jetzt enden würde (S. 698). Das eigentliche Drama folgt noch.

Der kurze Roman Die Verlassene passt hervorragend in die „Sittenstudien” innerhalb der Menschlichen Komödie von Honoré de Balzac. Er beschreibt die Zustände in der Provinz (und nicht nur dort) hervorragend und streut sarkastische Bonmots ein, wie das vom nicht sterben wollenden Ehemann: „Nichts hilft uns besser, am Leben zu bleiben, als die Gewißheit, durch unseren Tod das Glück anderer anzubahnen” (S. 690).
Bei einem meiner Lieblingsautoren, William Somerset Maugham, finde ich ähnliche Sujets in der englischen Gesellschaft des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Die Verlassene finden die Leserinnen im Band 1 der zwölfteiligen btb-Reihe »Die Menschliche Komödie«, S. 655 – 705 (siehe unten unter Literatur).

Links
balzacHonoré de Balzac: Werksübersicht »Comédie humaine« (»Menschliche Komödie«)
balzac Honore de Balzac
balzacDie Verlassene. Hörspiel nach „Honoré de Balzac”. Deutschlandfunk Kultur 2020
und dasselbe auf Youtube: balzacHörspiel: Die Verlassene nach Honoré de Balzac, 31.7.2020
balzacWilliam Somerset Maugham

Literatur
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Balzac BalzacHonore de Balzac: Albert Savarus. »Die Menschliche Komödie« II. btb, 1998. Broschiert. 1177 Seiten

Titelbild: Camille Pissaro: Die Postkutsche

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 7. Dezember 2020