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Lesen – Literatur: Warum lese ich? Was erwarte ich von Literatur?
Warum lesen? Was ist – für mich – gute Literatur? – lesen Linkslesen Literatur
Fragen der Art: "Was ist – für mich – gute Literatur?" "Warum überhaupt lesen?" tauchen in Internet-Newsgroups oder Literaturdiskussionen immer wieder auf; darauf folgt meist eine Art Gewissenserforschung der mitdiskutierenden Leseratten.
In Diskussionen über einzelne Bücher in den Wasserburger Literaturrunden (lesen Wasserburger Literaturtreffen) geht es darum: warum gefällt mir dieses Buch (und jenes weniger)?
Deshalb hier eine stichpunktartige Antwort auf  Warum lese ich? Was ist – für mich – gute Literatur?
Abgrenzung
Es geht hier einzig um fiktionale Texte und dabei wiederum um die sogenannte Belletristik.
Es ist eine persönliche Bestandsaufnahme; beansprucht daher keine Allgemeingültigkeit und läßt alle allgemeinen Argumente für das Lesen (Antworten auf: Warum sollten Kinder, Jugendliche und Erwachsene viel lesen?) außer Acht.
Oberste Regel: eigentlich gibt es keinen Rechtfertigungszwang fürs Lesen lesen.
Lesespaß
Unterhaltung; Zerstreuung = Distanz zur persönlichen Welt; Spannung – Entspannung
Dazu gehört auch: Wer liest, ist nie alleinlesen Links
Inhalt
• regt an sich Gedanken über andere Lebenssituationen zu machen: die Lebenserfahrung wird erweitert. Dazu ist es oft hilfreich, wenn man sich mit einer Person im literarischen Werk (teil)identifizieren kann oder mit dem eigenen Lebensumfeld vergleichen kann. So können Schriftsteller beispielsweise Fälle von Selbsttäuschung bis zur Lebenslüge zeigen (Henry James, Marcel Proust, W.S. Maugham, u.v.a.), die anregen, die eigene Situation zu bedenken.
• dient um andere Meinungen und fremde Kulturen kennenzulernen: als zweifacher Dialog: mit dem Autor und mit dessen Figuren
• regt an sich mit Bereichen zu beschäftigen, die man sonst nur streift oder überhaupt nicht kennt; oder bekannte Bereiche zu vertiefen: Erkenntnisgewinn. Lektüre kann also lehrreich sein, muß es aber nicht.
• glaubwürdiger Handlungsablauf; das schließt phantastische und surrealistische Geschehnisse nicht aus
• sollte emotional anregend sein, ohne in den Kitsch abzugleiten
• dagegen nicht (durchgängig; zu sehr): moralisierend (Zeigefinger); belehrend (Oberlehrer); räsonierend.
Sprache und Stil
• kann wohlige Empfindung auslösen: Satzmelodie, Rhythmik
• Wortwahl, passende oder unpassende Vergleiche, Metaphern, ... : Schärfung des Sprachbe­wusstseins
• kann auch bewußt gegen den Leser gerichtet sein
• (psychologisch) glaubwürdige Personendarstellung
• dagegen nicht (durchgängig; zu sehr) eingängig; schlakenfrei;
keine (zu häufigen) Klischees
Form: dem Inhalt und der Sprache angemessen
Sucht: siehe Bibliomanie unter lesen Links
These
anstrengende Literatur bringt zu den genannten Punkten mehr als leichte (keine echte Pro­blematik im Inhalt; Denken des Lesers ist kaum oder nicht erforderlich). Oft wird dem Leser die Erfüllung einiger Punkte erst nach der Lektüre oder im Gespräch mit anderen oder beim mehrma­ligen Lesen bewusst.
Lesen erfüllt die obigen Erwartungen ziemlich rasch und ohne großen Aufwand: das „richtige“ Buch, eine passende Umgebung und schon kann's losgehen. Die Umgebung ist oft egal: man in der U-Bahn lesen und im Schwimmbad; abends auf der Hütte oder zuhause mit einem Getränk und mit Musik. Für anderes Vergnügen braucht's mehr Aufwand: Anreise, hohe Kosten, Gesellschaft, bestimmte Zeiten oder Wetter ...
Was ist – für mich – gute Literatur?
Ganz einfach: Literatur, die die obigen Punkte zumindest teilweise erfüllt. Dabei sollten möglichst mehr als einer der Punkte erfüllt sein; andrerseits auch nicht zuviele, dann wird's wohl gekünstelt. Ideal ist es, wenn die Form und Sprache dem Inhalt angemessen sind. Gute Literatur erkennt man auch daran: man kann den Inhalt kennen: sie bleibt lesenswert. Mehrmaliges Lesen lohnt sich. (Das schließt nicht aus, dass Hochspannungsliteratur, die man nur einmal liest, gut sein kann.)
Beispiele für gute Übereinstimmung von Form, Stil und Inhalt:
Georg Büchner: Woyzeck – John Steinbeck: Of Mice and Men (lesen Rezension) – Joseph Heller: Catch-22 (lesen Rezension) – Uwe Johnson: Mutmassungen über Jakob (lesen Rezension) – Joseph von Eichendorff: "Mondnacht" (lesen Rezension)
Lesen führt aus dem Alltag in neue und manchmal ganz andere Welten. Das gibt für Aufgeschlossene immer neue Anrei­ze in Bücher einzutauchen.
Was antworten andere auf diese oder ähnliche Fragen?
»aut prodesse volunt aut delectare poetae
 Aut simul et jucunda et idonea dicere vitae.«

HorazDe arte poetica II,3 333-334 – lesen Zitate Horaz
"Nützen oder erfreuen wollen die Dichter,
oder zugleich, was erfreut und nützlich fürs Leben ist, sagen."
„Ich glaube, daß das Buch eine der Möglichkeiten des Glücks ist, die die Menschen haben.“
Jorge Luis Borgeslesen Zitate Jorge Luis Borges
„Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern sich aus dem eigenen Geist erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte.“
Hermann Hesselesen Zitate Hermann Hesse
„Dichtung ist, wenn immer noch ein Rest bleibt, der sich dem Verstehen verweigert.“
Michael Lentzlesen Zitate Michael Lentz
„Wer liest, um glücklich zu werden, sollte es lieber lassen.“ Ulrich Greiner: "Macht Literatur glücklich? Über einen verbreiteten Irrtum". Die Zeit 25. Oktober 2007. Dem scheint Stefan Bollmann zu widersprechen, siehe lesen Literatur.
Herbert Huber: Lesen ist Kino im Kopf
„Ich mochte schon immer Bücher, die mich radikal überfordern, bei denen ich aber rieche, die Schande des mangelnden Verstehens liege allein bei mir. “
Sibylle Lewitscharoff: "Mein Vampirismus", Die Zeit 4, 20. Januar 2011, S. 42
Dieser Ansicht stimme ich nur sehr begrenzt zu. Ich will nicht radikal überfordert werden und die Schuld sehe ich bei belletristischen Werken selten bei mir.
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Links
lesenBibliomania: Free Online Literature &Study Guides
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FadimanVom Lesen
lesen Wer liest, ist nie allein
lesenVorträge auf dem Kongress "Gutenbergs Folgen", Mainz 2000 von Peter Wapnewski, Joseph Weizenbaum, Erich Schön, Johannes Rau, Georg Ruppelt, Rudolf Freiburg – video
Literatur
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bollmann lesenStefan Bollmann: Warum Lesen glücklich macht. München: Sandmann, 2007. Gebunden, 160 Seiten gelfert
Hans-Dieter Gelfert: Was ist gute Literatur? Wie man gute Bücher von schlechten unterscheidet. München: Beck, 2004. Taschenbuch: 224 Seiten. 2., überarb. Aufl. lesen
Gelfert Rezension
bayard lesenPierre Bayard: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat. Kunstmann 2007. Gebunden, 224 Seiten
fadiman FadimanAnne Fadiman: Ex Libris: Confessions of a Common Reader. New York: Farrar Straus Giroux, 2000. Taschenbuch, 162 Seiten – lesen Rezension fadiman
Anne Fadiman: Ex Libris: Confessions of a Common Reader. Taschenbuch, 144 Seiten Fadiman
fadiman lesen Anne Fadiman: Ex Libris. Bekenntnisse einer Bibliomanin. München: SchirmerGraf, 2005. Melanie Walz, Übs. Gebunden, 208 Seiten – lesen Rezension greiner
Ulrich Greiner: Leseverführer.
Eine Gebrauchsanweisung zum Lesen schöner Literatur. München: Beck, 2005. Gebunden, 214 Seiten lesen
greiner Greiner Ulrich Greiner: Ulrich Greiners Leseverführer: Eine Gebrauchsanweisung zum Lesen schöner Literatur. München: Dtv, 2007. Broschiert, 214 Seiten kanon
Renate von Heydebrand, Simone Winko: Einführung in die Wertung von Literatur. Stuttgart: UTB, 1996. Taschenbuch lesen
manguel lesenAlberto Manguel: Die Bibliothek bei Nacht. Frankfurt: S. Fischer, 2007. Manfred Allié, Gabriele Kempf-Allié, Übs. Gebunden, 400 Seiten manguel
Alberto Manguel: Eine Geschichte des Lesens. Rowohlt 2000.Taschenbuch. 428 Seiten lesen
moritz MoritzRainer Moritz: Die Überlebensbibliothek. Bücher für alle Lebenslagen. München: Piper, 2006. Gebunden, 308 Seiten – lesen Rezension Morsbach
 Petra Morsbach: Warum Fräulein Laura freundlich war: Über die Wahrheit des Erzählens. München: Piper, 2006. Gebunden, 184 Seiten lesen
Gabriel Zaid: So viele Bücher. Erstaunliches, Kurioses und Nachdenkliches rund ums Lesen. [Los Demasiados Libros]. Frankfurt am Main: Campus, 2005. Gebunden, 140 Seiten. Jürgen Neubauer, Übs. lesen
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 10.2.2011