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Poeta doctus
Poeta doctus - Poeta faber - Poeta ingeniosissimus - Poeta laureatus - Poeta vates
Der gelehrte Dichter und andere – LiteraturLinks
Der Poeta doctus (später auch gelegentlich Poeta eruditus) ist seit der Antike das Ideal eines gebildeten Dichters, hat also wenig mit der erstaunlichen Tatsache zu tun, daß viele Schriftsteller zunächst Arzt waren oder Medizin studierten (W. S. Maugham, Alfred Döblin, Gottfried Benn, um nur wenige zu nennen). Diese Entwicklung geht zurück bis zu den Ptolemäerkönigen in Ägypten. Dort entstand am Hofe zu Alexandria nicht nur die riesige Bibliothek, sondern auch die hellenistische Literatur. Der Dichter wurde zum poeta doctus, der gelehrte und gesuchte Anspielungen in seine Werke webte, damit sie der Leser auffinden kann. Der griechische Komödiendichter Aristophanes (um 445 v.Chr. Athen – um 385 v.Chr Athen) kritisierte Euripides (485/484 oder um 480 – Anfang 406 v.Chr. in Makedonien) als »poeta doctus«. Die weitere Entwicklung entnehme man der Literatur und den Links. Walter Jens (selbst ein paradigmatischer Poeta doctus) faßte den Begriff etwas enger:
"Der poeta doctus, Essayist und Dichter in einer Person, Erbe der Aufklärung, Nachfolger Lichtenbergs und Nietzsches, ein Freund der taciteischen Prägnanz, ist Analytiker und Forscher, sachkundiger Interpret ..."
Walter Jens: Statt einer Literaturgeschichte. Pfullingen: Neske, 1957. S. 16, jens Literatur
Typische Vertreter des Poeta doctus der Antike
Claudius Claudianus aus Alexandria (um 400); Catull (Gaius Valerius Catullus) (um 84 v.Chr. Verona – ca. 54 v.Chr.): mit gelehrten mythologischen Anspielungen in seinen Gedichten; Euripides; Lucan; Ovid; Seneca, der sich selbst »poeta doctus« verstand; Vergil
Weitere bemerkenswerte Poeta doctus (es gibt sehr viel mehr):
August von Platen, Thomas Mann, Robert Musil, Gottfried Benn, Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Hermann Broch, Walter Jens, Peter Rühmkorf, Durs Grünbein
Verwandte Begriffe
Poeta faber: der Dichter als kompetenter Anwender von technischem Fachwissen, Traditionsbindung, wissenschaftsorientiert.
Prototyp: Aristoteles; der Typ des Poeta faber wird in Platons Dialog "Ion" behandelt.
Poeta ingeniosissimus: der innovative und originelle Dichter;
Ovid (43 vor Chr. – 18 n.Chr.): Seneca nennt ihn so; poeta Zitate von Ovid
Poeta laureatus: der gekrönte Dichter; geht auf den antiken Brauch der Dichterkrönung durch feierliche Bekränzung mit Lorbeer zurück; die Bezeichnung wurde im Mittelalter wieder aufgenommen als allgemeine Auszeichnung eines Dichters; 1616 King James I, England, gewährte Ben Jonson eine Pension, die nach seinem Tod auf William Davenant überging; 1668 wurde der Poet Laureate offiziell institutionalisiert. 1937 würde etas ähnliches in den USA begonnen: der Poet Laureate Consultant. 1985 beaufstragte der US Kongreß offiziell die Library of Congress mit der Vergabe des Poet Laureate Consultant.
Vergil, der Poeta laureatus Roms,
Horaz, (65-8 v. Chr. – 27.11.8 v. Chr. Rom) wurde Vergils Nachfolger als Poeta laureatus in Rom:
Francesco Petrarca; Konrad Celtis; Ulrich von Hutten, Johann von Rist
Poeta theologus
Poeta vates: der sehende Dichter, der aus höherer Inspiration schöpfende Dichter; im Gegensatz zum Poeta doctus; der Typ des Poeta vates wird in Platons Dialog "Ion" behandelt.
Johann Georg Hamann; Friedrich Hölderlin; Artur Rimbaud; Friedrich Gottlieb Klopstock. In seinen Gedichten stilisiert Walt Whitman sich selbst als Poeta vates und Nationaldichter; Wilhelm Raabe und Vladimir Nabokov werden als Synthese von Poeta doctus und Poeta vates bezeichnet; Bertolt Brecht, Carl Améry; "Poeta vates", Gedicht von Georg Kaiser von 1944
Literatur
Barner, Wilfried: "Poeta doctus. Über die Renaissance eines Dichterideals in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts". In: Jürgen Brummack, Gerhart von Graevenitz, Fritz Hackert, Hg.: Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. Festschrift für Richard Brinkmann. Tübingen: Niemeyer 1981
Bezzel, Irmgard: Kaspar Brusch (1518-1557), Poeta laureatus. Seine Bibliothek, seine Schriften. 1983. Broschiert, 46 Seiten
Blume, Herbert, Hg.: Von Wilhelm Raabe und anderen. Vorträge aus dem Braunschweiger Raabe-Haus. Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte, 2001.
Celtis, Konrad, Kurt Adel: Poeta laureatus. Stiasny, 1960. Broschiert, 128 Seiten
Eicheldinger, Martina: Friedrich Spee - Seelsorger und poeta doctus. Tübingen: Niemeyer
Goebel, Gerhard: Poeta faber. Erdichtete Architektur in der italienischen, spanischen und französischen Literatur der Renaissance und des Barock. 1971. 256 Seiten
Harant, Patricia: Poeta Faber. Der Handwerks-Dichter bei Frauenlob : Texte, Übersetzungen, Textkritik, Kommentar und Metapherninterpretation. Palm & Enke.
Klein, Jürgen, Hg.: T. S. Eliot, poeta doctus, Tradition und die Konstituierung der klassischen Moderne. Mit einem Beitrag von Wolfgang Iser. Peter Lang. 273 Seiten
Marciniak, Dariusz: Die Diktion des poeta doctus.Zur Essayistik und Rhetorik von Walter Jens. Münster: Lit, 2000
Nettesheim, Josefine: Poeta doctus oder die Poetisierung der Wissenschaft von Musäus bis Benn. Berlin: Duncker, 1975. 184 Seiten
Oppitz, Ulrich D.: Petrus Paganus Poeta Laureatus aus Wanfried. Ein Dichter des 16. Jahrhunderts. 1974. Broschüre, 93 Seiten 2.Aufl.
Paratore, Ettore: Catullo "poeta doctus". Catania 1942
Späth, Eberhard: Dryden als Poeta laureatus. Carl, 1969. Broschiert, 210 Seiten
Strelka, Joseph P.: Poeta Doctus Hermann Broch. Francke 2001.
Weber, Stefan: Ekkehardus poeta qui et doctus. Ekkehart IV. von St. Gallen und sein gelehrt poetisches Wirken. Nordhausen: Traugott Bautz, 2004. 103 S. Ekkehart IV. von St. Gallen († um 1060)
Wegner, Wolfgang: Albrecht, ein poeta doctus rerum naturae?. Zu Umfang und Funktionalisierung naturkundlicher Realien im "Jüngeren Titurel". 1996. 308 Seiten
Wiegand, Hermann: "Poeta doctus. Zu Johann Christian Günthers lateinischer Dichtung". In: Jens Stüben, Hg.: Johann Christian Günther (1695-1723). Oldenburger Symposium zum 300. Geburtstag des Dichters. Oldenbourg 1997. Schriften des Bundesinstituts für ostdeutsche Kultur und Geschichte. Band 10. 436 Seiten
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Links
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