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Chirbes
Rafael Chirbes: Alte Freunde
[Viejos Amigos] Dagmar Ploetz, Übs. München: Kunstmann, 2004. Gebunden, 236 Seiten
Rafael LinksRafael LiteraturRafael Vergleichsliteratur

Alte Freunde treffen sich nach Jahrzehnten wieder in Madrid. Manche folgen der Einleitung, andere alte Kampfgefährten einer kommunistischen Zelle aus der Francozeit in Spanien ziehen es vor zuhause zu bleiben.
Das Treffen gibt einigen aus der Clique Gelegenheit über die vergangene Zeit zu sinnieren. Die Abschnitte des Romans werden aus der Sicht unterschiedlicher Leute erzählt.
Die Höhepunkte sind – so traurig es klingen mag – wenn von Jorge, dem AIDS-Kranken erzählt wird oder von Pau, einem Sohn von Rita und Carlos (zwei alte Mitglieder der kommunistischen Zelle), einem Junkie.
In der Mitte des Romans plötzlich rasende Abwechslung: ein Abschnitt ist kursiv gesetzt; warum entging mir. Immerhin geht es hier um die dritte aufregende Person: Elisa, die Brustkrebs im Endstadium hat und sich darum sorgt, ob es wichtiger sei vorm Tod Neapel zu sehen oder den deutschen Weißwein "Schloss Johannisberg" zu trinken (S. 110; siehe Rafael Links).
Der Rest (und der ist beträchtlich) ist Aufrollung sexueller Beziehungen und Berufsneid.
Keine der Personen wurde mir nahe gebracht. Dazu trägt sicher der fahrige Stil Chirbes bei. Er huldigt hier erschwerend der Mode ohne Absatz (und ich meine ohne jeglichen Absatz, ausgenommen am Ende der Abschnitte) zu schreiben. Einer Mode, deren Sinn mir unbegreiflich ist. Betonung des inneren Monologs der Stimmen?
Manche Plattheit kann man wohlwollend aufs Konto der jeweiligen erzählenden Person schreiben, so beispielsweise: "Das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert des Überflusses gewesen, das Jahrhundert der Reichen; das 21. wird das Jahrhundert des Elends, das Jahrhundert der Armen sein. New York und Mexiko." (S. 80). War das 20. Jahrhundert nicht eher das Jahrhundert des Elends, der Genozide, des Hungers und der Armen? Geistige Anregungen zieht der Leser daraus kaum.
Das Motiv des Treffens alter Bekannten mit Rückblick auf erstaunliche Lebensläufe wurde schon bedeutend besser dargestellt, siehe Rafael Vergleichsliteratur.
Nachdem mir Die schöne Schrift vom selben Autor gut gefallen hatte, war Alte Freunde eine Enttäuschung. Einige gelungene, aufwühlende Passagen machen noch keinen guten Roman.
Links
ChirbesRafael Chirbes (Wikipedia)
ChirbesSchloss Johannisberg, Geisenheim
Rafael Rafael Chirbes: Die schöne Schrift
Vergleichsliteratur
Rafael Frank Bresching: Das verlorene Leben
Rafael Sándor Márai: Die Glut
Rafael Robert Menasse: Die Vertreibung aus der Hölle
Rafael Franz Werfel: Der Abituriententag
Rafael Markus Werner: Am Hang
Literatur
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Chirbes Chirbes Rafael Chirbes: Alte Freunde. München: Heyne, 2006. Taschenbuch, 238 Seiten [Viejos amigos] Dagmar Plötz, Übs. chirbes
Rafael Chirbes: Alte Freunde. München: Kunstmann, 2004. Gebunden, 236 Seiten [Viejos amigos] Dagmar Plötz, Übs. Chirbes
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 9.10.2009