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Jose L. Sampedro: Das etruskische Lächeln
[La sonrisa etrusca, 1985]. München: Goldmann, 2004. Broschiert, 347 Seiten. Roberto de Hollanda, Übs.sampedro Literatur
Der Kalabrese Salvatore Roncone, aus dem kleinen Ort Roccasera, wird vom Sohn nach Mailand gebracht. Er leidet an Krebs und soll im Norden Italiens von Kapazitäten der Medizin behandelt werden. Dabei hat er, der bäuerliche Ex-Partisan, eine tiefe Abneigung gegen alles Moderne, gegen Mailand und gegen seine Schwiegertochter Andrea, die für ihn beides verkörpert. Salvatore blüht erst auf, als er Maddalena und ihren Kramerladen findet und im Enkel Brunettino (anfangs 3 Monate) sich selbst zu erkennen meint.
Das erzählt Sampedro einfühlsam, unaufgeregt, manchmal pfiffig, aber insgesamt zu breit. Nach einem Drittel der Lektüre treten aber mit dem Studenten Valerio, den Salvatore fachkundig beim Bäumeschneiden berät und Hortensia, in die sich Salvatore glatt noch verschaut, neue Komplikationen ins durchstylte Leben der Mailänder. Andrea lehrt an der Uni und ist sehr auf gutes Benehmen und exzellente Beziehung aus: sie will akademische Karriere machen. Da baut Sampedro den witzigen Dreh ein, dass der Bauer Salvatore an der Uni Mailand zur gefragten Person wird. Der Dreh wird noch zweimal gewendet: Salvatore flunkert und Professor Buonconti durchschaut es angeblich.
Zum Vergleich: Giuseppe Verdi wird 1813 in Le Roncole geboren und stirbt 1901 in Mailand. Salvatore Roncone singt Brunettino das "Ritorna vincitor" aus Verdis Aida vor (S. 58). Verdi stammte aus bäuerlicher Umgebung, war voller Humanität und Grosszügigkeit; hatte zeitlebens einen starken Unabhängigkeitsdrang, war allem Äusserlichen abhold und ein leidenschaftlicher Patriot.
Obwohl sich Salvatore und Andrea anfangs mit Misstrauen begegnen, stachelt der Alte seinen Sohn Renato nicht gegen sie auf. Am Ende des Romans haben beide mehr Verständnis füreinander. Manchmal gerät Salvatores Bauernschläue etwas zu glatt und voraussehbar. Dafür baut Sampedros zu viele Selbstgespräche und verbalisierte Gedanken ein. Manche Verdeutlichungen von Weisheiten gelingen aber wie jene, dass der Glaube Berge versetzen kann (S. 190). Bruno und Hortensia werden etwas zu verklärt dargestellt, der Partisanenkampf und die Kriegszeit zu geschönt.
Trotz der Einwände ein nettes, lesenswertes Buch, das zeigt, dass ein Bauer aus Kalabrien für sich die Lebenssinnfrage wunderbar beantwortet hat.
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Auch Jan Weiler erzählt in Maria, ihm schmeckt's nicht! Geschichten von meiner italienischen Sippe (sampedro Rezension) von einem italienischen Familienoberhaupt und störrischen Dickkopf, der trotz allem sehr sympathisch wirkt. Weiler erzählt leichter, lustiger, aus deutscher Sicht und mit weniger Tiefgang; am besten: beide Romane lesen!
Literatur
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sampedro ChristJose L. Sampedro: Das etruskische Lächeln. München: Goldmann, 2004. Broschiert, 347 Seiten. Roberto de Hollanda, Übs. sampedro
Jose L. Sampedro: Das etruskische Lächeln. Freiburg: Herder, 2000. Broschiert, 334 Seiten. 26. Aufl. Sampedro
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 12.6.2006