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Silone
Ignazio Silone: Fontamara
[Fontamara]. Übs.: Hanna Dehio. München: DTV, 1978. 155 Seiten – AutorLinksLiteraturZitate
Fontamara war der erste Roman Silones, 1930 im Schweizer Exil geschrieben. Er erschien erstmal 1933 (1934 ?) in deutsch. 1961 wurde er vom Autor stark überarbeitet und von Hanna Dehio neu übersetzt. Diese Ausgabe liegt der Besprechung zugrunde.
Fontamara ist ein erdachtes Bauerndorf . In ihm schlagen sich die Kleinbauern und Tagelöhner mehr schlecht als gut durch. Insofern ist Fontamara ein Schelmenroman, ähnlich Torilla Flat und Cannery Row von John Steinbeck. Aber bei Silone stehen die sozialen und politischen Aspekte im Rampenlicht. Die Dörfler, die Cafoni, sind eingebettet in ein politisches Machtgeflecht, das ihnen kaum eine Chance läßt. Durch Schuldscheine und Zinsen wurden sie in Verarmung und Verelendung getrieben. Das erinnert an den anderen, sozial engagierten Roman John Steinbecks: The Grapes of Wrath. Es erstaunt wie gelassen die zahlreichen Romanfiguren die ständigen Schläge der Obrigkeit, sei es Staat, Stadt oder Unternehmer, hinnehmen. Andrerseits ist Fontamara ein trauriger Roman. Neben der Ohnmacht gegenüber Kapital, Kirche und Gesetz steht die Unentschlossenheit der Cafoni. Einige Versuche, ihre Lage zu bessern, enden im Fiasko.
Das Weideland, das der Unternehmer sich angeeignet hatte, war mit einem Holzzaun umgeben worden.
Der Zaun sollte dem Gerede der Cafoni ein Ende machen, die es einfach nicht glauben wollten, daß jemand sich ohne weiteres das Land aneignen könnte, das seit Jahrtausenden allen gemeinsam gehört hatte. Aber es wurde trotzdem weitergeredet.
Eines Nachts ging der Zaun in Flammen auf.
»Das Holz war zu trocken«, erklärte Berardo. »Die Sonne hat es in Brand gesetzt.«
»Sag lieber der Mond«, verbesserte ich. »Es ist doch in der Nacht verbrannt.«
Der Unternehmer ließ auf Kosten der Gemeinde einen neuen Zaun errichten und stellte einen bewaffneten Straßenkehrer als Wache hin. (S. 85)
Die Fänge der Reichen haben alles im Griff. Selbst der vage Silberstreif der Auswanderung nach Amerika wird vom Unternehmer in seinem Sinne erklärt: "Amerika ist überall [...] Man muß es nur zu finden wissen" (S. 34). Er findet es überall. Einzig Berardo Viola versucht sich aufzulehnen. Er wird so charakterisiert: "Da Berardo sich nicht durch Reichtum hervortun konnte, war es nach Maria Rosas Meinung unvermeidlich und wohlverdient, daß er wenigstens im Unglück alle übertraf" (S. 61). Auf wilden Wegen gelangt er in die Stadt. Seine Erlebnisse dort lassen den kurzen Roman hochdramatisch und insgesamt melancholisch ausklingen.
Silones Sprache ist realistisch ohne Schnörkel. Dem Leser wird keine Beschreibung des schönen Italiens geboten. Der Roman wird aus drei Perspektiven von den Mitgliedern einer verarmeten Familie erzählt. Sehr empfehlenswerter Roman der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: Kindlers Literatur Lexikon S. 3604
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Ignazio Silone (eigentlich Second Tranquilli, ab 1946 nennt er sich Ignazio Tranquilli, ab 1947 Ignazio Silone). 1. Mai 1900 Pescina dei Marsi, einem Abruzzendorf – 22. August 1978 Genf; Sohn eines Kleinbauern; von 1921 bis 1930 Mitbegründer und Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens (PCI); 1930-44 Exil in der Schweiz.
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Ignazio Silone: Fontamara. 4 Audio-CDs, Sprecher Reinhold Joppich. Kunstmann, 2004 silone
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