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Ben Bova
Ben Bova: Gefangen in New York
[City of Darkness] München: DTV, 1995. Broschiert, 138 Seiten. Irmela Brender, Übs. dtv junior 7817
Aus nicht genau genannten Gründen (Hygenie, Rassentrennung, ?) sind in den USA Millionenstädte (genannt werden New York und San Francisco) seit Jahren evakuiert, mit einer Kuppel hermetisch abgeschlossen und nur für zwei Monate im Sommer für Touristen geöffnet. Der Andrang ist zu dieser Zeit so stark, daß in der City ein ganz normales Geschäfts- und Touristikleben abläuft. Ausserhalb lebt man in streng konditionierten Gartenstädte.
Ron Morgan hat gerade ein exzellentes Abitur hingelegt, will aber vorm Berufsantritt den Trubel und die Freizügigkeit in New York erleben. Das läuft allerdings nicht so glatt, wie er sich vrostellte. Bei der Evakuierung wurden viele Leute "vergessen". Jugendbanden beherrschen New York, auch nach den offiziell freigegebenen zwei Monaten. Ron gerät über Sylvia zwischen die Bandenrivalen Al und Dino. Seiner Kreditkarte und Ausweis beraubt muß er in New York bleiben.
Die Charaktere sind etwas schablonenhaft.
Ron Morgan: der kluge Durchblicker; will Sylvia samt Davy retten.
Sylvia Meyer: sie überzeugte mich besten, da sie vielfältiger dargestellt wird: Prostituierte (?), Gangsterliebchen, Freundin, mit etwa 20 Jahren Mutter des sechsjährigen Davy.
Al ist der "brave" Bandenchef, Dino ist der böse Gegenspieler.
Dewey fristet als einer der wenigen Erwachsenen ein erträgliches Leben in Manhattan.
Timmy Jim ist der Boss der schwarzen Muslime, die den weißen Gangs das Leben schwer machen. Als Ron in seine Fänge gerät, wird Ron zum Sklaven der Muslime. Ich befürchtete holzschnittartige Gegenüberstellung, doch da überraschte der Autor mit einem Kunstgriff, den schon Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart in Die Zauberflöte anwandten. Ron merkt, daß es auch bei den Muslimen nur ums Überleben geht. Mit dem Wechsel der Fronten (dort: Königin der Nacht versus Sarastro) von Als Bande zu den Muslimen erkennt man dieselben Ziele bei den Kontrahenten: es geht ums Überleben.
Wie das Leben in der rational durchdachten und überwachten "schönen neuen" Welt vor sich geht, wird nur eingangs etwas angedeutet. Für Ron genügte die Erfahrung beider Welten zum Vergleich: "Und was lag jenseits der Kuppel – Freiheit? Nein, erkannte Ron. Nicht Freiheit. Nur eine andere Welt mit ihrer eigenen Art von Sklaverei." (S. 134). Immerhin will Ron wieder hinaus aus dem Moloch New York. Es ist auch ein Widerstreit zwischen Regellosigkeit in New York (obwohl es auch während der 10 Monate ohne Touristen Polizei gibt; wer steuert die?) und dem völligen Reglement außerhalb New Yorks, wo anhand der Abiturnote die Berufswahl sehr eingeschränkt wird. Für den Leser ist der Vergleich zwischen den System unter der Kuppel und außerhalb auf der kurzen Strecke des Romans nicht möglich.
Unklar blieb mir auch, warum in New York überwiegend Jugendliche vagabundieren. Wurden bei der Evakuierung nur Kleinkinder zurückgelassen? Der Schwarzmarkt in New York hat trotz Abschirmung und Kuppel auch außerhalb der zweimonatigen Ferienzeit Zugang zur intakten Aussenwelt. Wenn das so ist, bleibt unklar, warum das keine der Banden für sich nutzen kann. Immerhin beherrschen sie die City. Völlig unklar blieb mir, warum man die Sommerzeit für Ferien in New York nutzt. Wer schon mal im Juli die Strassenschluchten New Yorks durchwanderte würde mit mir wohl April oder Mai bevorzugen.
Der kurze Science-Fiction-Roman Gefangen in New York ist spannend und aktionsstark. Aufgrund der Kürze werden die Probleme (Fortschrittssicherung, Ausgrenzung, Rassimus, Kriminalität) und die Charaktere nur ungenügend gestaltet.
Bezüglich zukünftige Lebensgestaltung ist Aldous Huxley: Brave New World von 1932 (deutsch: Schöne neue Welt) zu bevorzugen. Zum Thema "Gefangen in New York" empfehle ich das leider vergriffene Nova Hank Lopez: Afro-6.
Benjamin William Bova, * 1932, studierte Journalismus an der Temple University, Philadelphia.
1959 Star Conqueror (SF-Jugendbuch)
1971-78 Redakteur, später Herausgeber der SF-Zeitschrift Analog
Herausgeber der SF-Zeitschrift Omni.
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Ben Bova: City of Darkness. Tor Books, 2004. Taschenbuch, 160 Seiten Ben Bova

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 21.6.2004