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Raittila
Hannu Raittila: Canal Grande
[Canal Grande] Stefan Moster, Übs. München: btb 2009. Taschenbuch, 473 Seiten – Hannu LinksHannu Literatur
"»Urkomisch!« Brigitte" prangt auf dem Titel: ich konnte das nie bestätigen. Ich war froh, dass ich mehrmals beim Lesen schmunzelte und dass ich – neben den lobenden Profi-Besprechungen – zahlreiche Leser(innen)urteile las, die mir bestätigten, dass nicht nur ich mich beim Lesen langweilte.
Heikkila, Saraspää, Marrasjärvi, Snell und Tuuli stoßen aus Finnland nach Venedig vor. Ihr UNESCO Auftrag ist es Venedig vorm Versinken zu retten. Das Aufeinandertreffen der nüchtnernen Finnen mit den legeren und trotzdem selbstbewussten Venezianern führt zum Aufeinanderprallen verschiedener Lebenseinstellungen und vor allem Einstellungen zum Auftrag.
Eingewoben sind zwei Begleiter Carlo und Ettore, deren Funktion mir nicht klar wurde und ein paar Amis, die im benachbarten Ex-Jugoslawien Einsätze fliegen.
Alles mündet in den venezianischen Karneval und – auch das wurde mir nicht klar – Drogenpaketen, die irgendwo transportiert wurden.
Das skurrilste sind die finnischen Namen und die italienischen Behörden, die den Auftrag nicht so ernst nehmen. Als am 13. Februar im Roman endlich Fahrt aufkommt (S. 202) hatte sich meine Aufmerksamkeit schon im anhaltenden venezianischen Nebel verflüchtigt.
Zwei finnische Ich-Erzähler wechseln sich ab. Man liest schon mal dieselbe Episode aus zwei Blinkwinkeln (Marrasjärvi – Saraspää). Leider versäumt es der Autor daraus was zu machen. Der Leser hat etwas Mühe die beiden Stimmen auseinander zu halten, bis ich merkte, dass einer unter Kapitelnummern schreibt, der andere als Tagebucheintrag (wenn's denn so stimmt).
Mit dem Karnevalstreiben will Raittila die Komik steigern und er läßt – unter anderem – einen Lulatsch von der Brücke pinkeln (S. 260). Wer das komisch findet möge lachen. Ich gönn's ihm.
Im Abspann unter "Frühling" (ab S. 347) kommt noch eine dritte Ich-Erzählerin, eine Schwangere. Oh, wären wir Leser wenigstens dabei gewesen! Wer die Schwangere war enthüllte sich mir nicht.
Ich denke mir, es ist wie meine Fragen, als ich vor dreißig Jahren noch US-TV-Serien schaute. Die Mitzuschauer konnten sie nicht beantworten, es war ihnen aber auch egal, Hauptsache Action oder Klamauk mit eingespielten Lachern, damit man den Witz nicht versäumt.
Jetzt könnte die Sprache den Roman noch rausreißen, tut sie aber nicht. Zum Teil mag es an der Übersetzung liegen, wenn hintereinander zwei "nach" stehen (S. 131) und das syntaktisch korrekt ist. Doch wenn jemand (ich vermute: Marrasjärvi) am Kai "mit seinem Handy telefoniert hatte" (S. 130) klingt das reichlich doof. Er hat mit irgendjemand telefoniert und benützte dazu das Handy, was auch sonst am Kai?
Am "21. Februar, am Abend" gibt es zumindest eine gute Stadtbeschreibung.
Marrasjärvi täuscht sich einmal, wenn er mutmasst, dass "man hierzulande eventuell eine größere Sympathie für die Unehrlichkeit empfand als im Norden" (S. 337). Nein, auch hierzulande wird Unehrlichkeit honoriert.
2001 Finlandia-Preis für Canal Grande
Beim Lesen ging es mir wie dem finnischen Ich-Erzähler: "Ich schlief ein und wachte zwischendurch halb auf" (S. 192). Deshalb fehlte mir, als weit nach der Hälfte Tumult aufkam, der Durchblick. Keine Leseempfehlung.
Links
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Besprechungen
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RaittilaDirk Schümer: Wahre Schönheit kommt von Finnen - Fidel ins Verderben: Hannu Raittilas so weiser wie skurriler Venedigroman "Canal Grande" – Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.03.2005
RaittilaAlexandra Bader: Hannu Raittila "Canal Grande"
RaittilaPieke Biermann: "Klischee as Klischee can – Hannu Raittila: »Canal Grande«", DLF 
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Vergleichsliteratur
Raittila Joseph Heller: Catch-22 – groteske Aufträge im Zweiten Weltkrieg: US-Airforce in Italien; trotz gewisser Längen umwerfend und fast schon unfair besser als Canal Grande
Raittila Carlo Lucarelli: Laura di Rimini – tumultartige Krimigroteske mit Drogeneinsatz. Super!
Raittila Mikael Niemi: Populärmusik aus Vittula – ebenfalls hochgelobter finnischer humorvoller Roman und jedenfalls witziger als Canal Grande
Raittila Jan Weiler: Maria, ihm schmeckt's nicht! Geschichten von meiner italienischen Sippe – Unterschiede D – I; witzig bis urkomisch (siehe ganz oben)

Literatur
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Raittila Raittila Hannu Raittila: Canal Grande. [Canal Grande] Stefan Moster, Übs. München: btb 2009. Taschenbuch, 473 Seiten Raittila
Hannu Raittila: Canal Grande. [Canal Grande] Stefan Moster, Übs. München: btb 2006. Taschenbuch, 365 SeitenRaittila
Raittila RaittilaHannu Raittila: Canal Grande. [Canal Grande] Stefan Moster, Übs. München: Knaus, 2005. Gebunden, 365 Seiten

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