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Friedrich Schiller: An einen Weltverbesserer
Entstehungsjahr: 1795 – schiller Interpretationschiller Linksschiller Literatur
»Alles opfert' ich hin,« sprichst du, »der Menschheit zu helfen;
    Eitel war der Erfolg, Haß und Verfolgung der Lohn.« -
Soll ich dir sagen, Freund, wie ich mit Menschen es halte?
    Traue dem Spruche! Noch nie hat mich der Führer getäuscht.
Von der Menschheit – du kannst von ihr nie groß genug denken;
    Wie du im Busen sie trägst, prägst du in Thaten sie aus.
Auch dem Menschen, der dir im engen Leben begegnet,
    Reich' ihm, wenn er sie mag, freundlich die helfende Hand.
Nur für Regen und Thau und fürs Wohl der Menschengeschlechter
    Laß du den Himmel, Freund, sorgen, wie gestern, so heut.
Die Horen – Tübingen: In der J. G. Cottaischen Buchhandlung 1795, 9. Stück
Interpretation
Das Gedicht “An einen Weltverbesserer” richtet sich offensichtlich gegen die Heilsverkünder, diejenigen, die die Welt umkrempeln wollen, Schiller nennt sie freundlich Weltverbesserer. Sie beklagen, dass sie dafür keinen Lohn ernten. Der Gedichterzähler gibt ihm prinzipiell recht: die Menschheit ist der Mühe wert, doch man wird ihr nur gerecht, wenn man es am Exempel des einzelnen Nächsten durchzieht. Wichtig ist, was man am Menschen neben sich praktiziert. Das große Menschheitswohl wird sich dann von allein (hier freilich: Laß den Himmel dafür sorgen!) einstellen.
Der Rat des Vortragenden erinnert an den profanen Rat zum Rucksack packen: "If you look for the ounces, the pounds look for themselves", siehe schiller Zitate Colin Fletcher.
Ich meine, ähnliches vertreten auch zwei berühmte Österreicher: Wer dieses Gedicht liest, begreift und beherzigt, kann sich die Lektüre von Paul Coelho (schiller Rezension: Veronika beschließt zu sterben) sparen. Halt, es ist noch einfacher: die Lektüre von Paul Coelho kann sich jeder sparen. schiller
Allerdings darf man diese Ermahnung in Gedichtform an die Weltverbesserer nicht so interpretieren, dass man nichts unternehmen soll, die enthusiastischen Idealisten verachten darf oder gar darin einen Freibrief sieht, ins Gegenteil umzuschlagen. “Mir ist es lieber, es sind lauter Gutmenschen und Weltverbesserer beim Kirchentag als nur Weltverschlechterer und Raushalter.” Bischöfin Margot Käßmann zum Evangelischen Kirchentag, 25.-29. Mai 2005 in Hannover Hamburger Abendblatt, Extra-Journal 24. Mai 2005
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„Was du dem geringsten meiner Brüder tust, das hast du mir getan”, Mt 25, 40
„du schreist: der himmel ist nicht für die vögel da, die weltgeschichte nicht für die abkömmlinge von schimpansen.
Ich aber sage dir: kein Himmel, der nicht für die vögel da ist, war und ist je für dich da; und ferner: was du dem geringsten
Meiner schimpansen, deiner brüder, antust, das hast du dir selbst getan; und abermals: wenn du nicht wirst wie der geringste dieser schimpansen, wirst du nicht in das Reich eingehen.”
Aus: Carl Amery: schiller"Wort des Abwesenden Gottes"; Carl Amery: eigentlich Christian Mayer (1922 – 2005)
Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) schrieb 1844 ein Gedicht gleichen Namens: "An die Weltverbesserer", online bei schillerGutenbergschillerLiteraturwelt. Rezension: schiller Die Judenbuche
Thomas Bernhard (1931-1989): Der Weltverbesserer (Uraufführung 1979).
Rezensionen: schiller Ein Kindschiller Der Untergeher
Links
An einen Weltverbesserer: online bei schillerGutenbergschillerwissen-im-netz
schiller Friedrich von Schiller
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Literatur
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schiller schillerFriedrich von Schiller: Sämtliche Gedichte und Balladen, Jubiläumsausgabe. Georg Kurscheidt, Hg. Frankfurt: Insel, 2004. Gebunden schiller
Friedrich von Schiller: Gedichte. Norbert Oellers, Hg. Ditzingen: Reclam, 2005. Broschiert schiller
schiller schillerFriedrich von Schiller: Die schönsten Gedichte und Balladen. Marlene Mügschl, Hg. München: Piper, 2005 schiller
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