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Karl Stieler
Karl Stieler
15.12.1842 München – 12.4.1885 München; Der oane G'schwisterDie schöne Predi'
stieler Der oane G'schwister
Am Alpbach drunt da steht a Bua
Und drob'n steht a Häusl, dort g'hört er zua.
“Wie hoaßt denn (sag i) du Kloaner da?”
““Hansirgl”” (sagt er) — “Hast G'schwister aa?
Wie viele hast denn?” (han i g'fragt.)
““Oan G'schwister han i.”” — (hat er g'sagt.)
“Du Sapprawalt,” hab i' ang'fangt,
“Nit wahr is! Sechse hast, bal's langt, —
Ha, möchst' es ebba wegalaugna?”
““Geh,”” sagt er voller Stolz in Augna,
Und thuat sein Hut ganz wild verdrahdeln,
““Dös ander — dös san lauter Madeln!””
Bergbleamln 1865
Die schöne Predi'
Der alte Pfarrer von Waxelmoos,
Der hat neuli predigt. Ah, der schießt los!
Kreuzhimmelsakra — der hats ihna gsagt,
All' Leut habn gwoant und an jeden hats 'packt,
Nur oaner lahnt so an der Kirchtür dran.
“No,” sag i, “kann dir jetzt gar nix an?”
“Ja,” sagt er und rührt si gar net dabei,
“Ja, wissen S', i bin nit aus dera Pfarrei!”
Weil's mi freut 1876
Stieler greift innerhalb seiner Mundartgedichte oft zum Schriftdeutschen. Völlig unnötig, wie der Reim in den Zeilen 5 und 6 in "Die schöne Predi" zeigt: "dro" und "o" wären stilgerechter.

Karl Stieler
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 12.4.2004