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Ludwig Uhland
Ludwig Uhland: "Die drei Lieder"
26.4. 1787 Tübingen – 13.11. 1862 Tübingen; Schriftsteller, Politiker und Germanist;
Ludwig Uhland Ludwig Uhland


Die drei Lieder

In der hohen Hall saß König Sifrid:
"Ihr Hafner! wer weiß mir das schönste Lied?"
Und ein Jüngling trat aus der Schar behende,
Die Harf in der Hand, das Schwert an der Lende.

"Drei Lieder weiß ich; den ersten Sang,
Den hast du ja wohl vergessen schon lang:
Meinen Bruder hast du meuchlings erstochen!
Und aber: hast ihn meuchlings erstochen!

Das andre Lied, das hab ich erdacht
In einer finstern, stürmischen Nacht:
Mußt mit mir fechten auf Leben und Sterben!
Und aber: mußt fechten auf Leben und Sterben!"

Da lehnt' er die Harfe wohl an den Tisch,
Und sie zogen beide die Schwerter frisch,
Und fochten lange mit wildem Schalle,
Bis der König sank in der hohen Halle.

"Nun sing ich das dritte, das schönste Lied,
Das werd ich nimmer zu singen müd:
König Sifrid liegt in seim roten Blute!
Und aber: liegt in seim roten Blute!"

Entstehung: 10. Nov. 1807
Erstdruck: Zeitung für Einsiedler 1808, Nr.14 vom 18. Mai; Gedichte 1815
Carl Loewe Robert Schumann Richard StraussVertonungen u.a von Carl Loewe: "Die drei Lieder (König Sifrid)", op. 3 no. 3 (1825); Robert Schumann: "Ballade", op. 139 no. 7; Richard Strauss: "Die drei Lieder", AV 641 (1879). u.a.
Ludwig Uhland bibliotheca AugustanaLudwig Uhland bibliotheca Augustana
Der noch bekannteren Ballade Ludwig Uhlands "Des Sängers Fluch" von 1814 liegt eine ähnliche Situation zugrunde: Sänger vor einem stolzen König. Dort folgt der Fluch des alten Sängers nach dem Wutausbruch des Königs. In "Die drei Lieder" liegt der Meuchelmord des Königs vor der Handlung im Gedicht. König Sifrid kann man zugute halten, daß er sich der Herausforderung des jungen Sängers stellt und zum Zweikampf antritt. Der Jüngling sann lange auf Rache (Strafe, Genugtuung) für die Willkür des Herrschers und tritt im schließlich mutig entgegen.
Der Reim ist einfach a a b b. In drei Strophen wird der Reim der dritten Verszeile in der vierten wiederholt. Dies erhöht die Entschlossenheit des Sängers und die Eindringlichkeit des Gedichts.

Ludwig Uhland
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.11.2002