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Mann
Thomas Mann: Der Zauberberg

Frankfurt: Fischer, 1982. Broschiert, 768 Seiten – Thomas LinksThomas Literatur

Die Kernhandlung in „Der Zauberberg” ist schnell erzählt: Der aus einer gut situierten Hamburger Familie stammende Hans Castorp besucht seinen TBC-kranken Vetter Joachim Ziemßen in einem Sanatorium in Davos. Vor seiner geplanten Abreise entdeckt man auch bei Hans einen Schatten auf der Lunge. Er bleibt sieben Jahre im Sanatorium, dann bricht der Weltkrieg aus. Er wird eingezogen: sein weiteres Schicksal ist nicht mehr Teil des Romans.

Man sagt – und wer aufmerksam liest merkt es – „Der Zauberberg” ist ein Roman ein Zeitroman. Er thematisiert die Zeit in vielen Aspekten. Er ist es aber auch, weil das Lesen Zeit kostet: es strengt an, „Der Zauberberg” ist kein Schmöker.
Faszinierend ist wie der Besucher Hans in das Geschehen in der abgeschlossenen Welt des Sanatoriums hineinschliddert. Im zweiten Satz wird sein Besch für drei Wochen angekündigt, es werden sieben Jahre sein.
Hans Castorp, aber auch  Joachim Ziemßen wirkten auf mich erwachsen, sie sind aber in den frühen Zwanziger: Hans steht im 23. Lebensjahr.

Thematik
Die zahlreichen Diskussionen und Gespräche im Roman kreisen um vielfältige Themen, die zur Zeit der Romanentstehung virulent waren: Psychologie und Psychoanalye, Biologie, Entstehung des Lebens, Sozialdarwinismus, Erkenntnislehre, Wissenschaft versus Glauben, Folter, ethische und religiöse Fragen.
Oft werden die (Geheim)Gesellschaften angesprochen: Freimaurer, Jesuiten, Rosenkreuzler. Und es geht um Gewalt durch die Religionen, insbesondere die Folter der Katholischen Kirche.  Konrad von Marburg wird öfters bemüht, ein christlicher Priester, erfolgreicher Kreuzzugseinpeitscher, Inquisitor und Beichtvater der heiligen Elisabeth von Thüringen.

Es überraschte mich, wie abfällig Hans Castorp über den Fahneneid urteilt: „Nanu? Ernstlich? Der Stange? Dem Fetzen Tuch?” (S. 446).

Ein durchgehendes Thema ist neben der Zeit die Krankheit. Zugrunde liegt die Ansicht, dass es keine gesunden Menschen gibt: nur ungenügend untersuchte. Dr. Krokowski stellt fest: „Mir ist nämlich ein ganz gesunder Mensch noch nicht vorgekommen” (S. 21).

Sprache
„Der Zauberberg” bedient sich einer bildungsbürgerlichen Sprache. Manche Passagen stehen in Französisch (sind am Ende der Fischer-Taschenbuchausgabe übersetzt). Einige Wörter sind heute nicht mehr gebräuchlich, aber verständlich („süperb”, S. 395).
Manche Stellen empfand ich als kafkaesk. So weiht Joachim seinen Besucher in die Kunst ein, zwei Decken „mit drei sicheren Bewegungen um sich [zu] schleudern”, eine Fertigkeit für die man auch eine natürliche Begabung benötigt (S. 109).

Die beiden ersten Sätze

„Ein einfacher junger Mensch reiste im Hochsommer von Hamburg, seiner Vaterstadt, nach Davos-Platz im Graubündischen. Er fuhr auf Besuch für drei Wochen.”

Die Lektüre des Zauberbergs kann man nur dem empfehlen, der genügend Zeit mit bringt und sich für die angesprochenen Problematiken (Stand: Anfang 20. Jhdt.) interessiert.

Links
MannInhaltangabe
MannChristian Linder: Thomas Manns „Der Zauberberg“„Menschheitsbuch“ und „Wort-Symphonie“, DLF 28.11.2019
MannDieter Wunderlich: Der Zauberberg
MannErster Satz in der Belletristik - Anfänge von Romanen, Erzählungen, ...
MannKonrad von Marburg
Thomas Mann: Der Zauberberg erscheint in zahlreichen Bestenlisten, so z.B. in:
Mann Jahrhundertedition im Club Bertelsmann
Mann Erich Loest: Die zwanzig besten deutschsprachigen Romane
Mann Unsere Besten - Das große Lesen: Das Lieblingsbuch der Deutschen

Vergleiche: John von Düffel: Hotel Angst
Literatur
Berman, Russell A. (2004): „Modernism and the Bildungsroman: Thomas Mann’s Magic Mountain”. In: Graham Bartram & Philip Payne: The Cambridge Companion to the Modern German Novel. Cambridge: Cambridge UP, 2004. S. 77-91
Detering, Heinrich: Thomas Mann: Der Zauberberg. Ringvorlesung im Wintersemester 2003/2004
Lämmert, Eberhard. (1993): „Der Autor und sein Held im Roman des 19. und 20. Jahrhunderts”. The German Quarterly 66:4, S. 415-430.
Macauley, J. A. (2015). Der Zauberberg in philosophical, psychological, and sociological contexts: an intertextual reading of Thomas Mann. Doctor of Philosophy. Victoria University of Wellington, Wellington.
Seidlin, Oskar. (1971): „The Lofty Game of Numbers: The Mynheer Peeperkorn Episode in Thomas Mann’s Der Zauberberg”. PMLA 86:5, S. 924-939.
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Mann MannThomas Mann: Der Zauberberg. Frankfurt: Fischer, 1991. Taschenbuch, 1008 Seiten Mann
Thomas Mann: Der Zauberberg. Frankfurt: Fischer, 2003. Gebunden Mann
Mann MannThomas Mann: Der Zauberberg. Der komplette 3-Teiler (Langfassung) (Fernsehjuwelen) 4 DVDs, 198. 329 Minuten

Mann MannDaniela Langer: Erläuterungen und Dokumente zu Thomas Mann: Der Zauberberg. Stuttgart: Reclam, 2006. Broschiert, 478 Seiten Mann
Königs Erläuterungen: Textanalyse und Interpretation zu Thomas Mann. Der Zauberberg. Bange, 2014. Taschenbuch, 120 Seiten Mann
Mann Anfang

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