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Marx
Andreas Blödorn, Friedhelm Marx: Thomas Mann Handbuch: Leben - Werk - Wirkung
Stuttgart: Metzler, 2015. Gebunden, 425 Seiten – Andreas Blödorn, LinksAndreas Blödorn, Literatur
Das Thomas Mann-Handbuch der Herausgeber Andreas Blödorn und Friedhelm Marx folgt dem erfolgreichen Konzept der Reihe im Metzler Verlag über bedeutende Persönlichkeiten aus Literatur, Musik und Philosophie. Der Untertitel lautet „Leben – Werk – Wirkung”. Bei diesem Band liegt der Schwerpunkt auf Werk und Wirkung. Die Nutzer des Handbuchs sollen mit der neuesten Forschung vertraut gemacht werden. Damit wollen die Herausgeber „Grundlagen für die Auseinandersetzung mit Manns Werk im 21. Jahrhundert legen” (S. IX). Allerdings geht diesem Werk das in der 3. Auflage erschienene Handbuch von Helmut Koopmann voraus. Dieses wollen die Herausgeber nicht ersetzen, sondern mit den teilweise widersprüchlichen neuen Positionen ergänzen.
Der Hauptteil ist wie folgt gegliedert:
I. Leben und Autorschaft
II. Werke
III. Kontexte, Bezüge und Einflüsse
IV. Konzeptionen, Denkfiguren, Schreibweisen
V. Neuere Forschungsansätze
VI. Rezeption und Wirkung
VII. Anhang (Zeittafel, Siglen, Autorinnen und Autoren, Werkregister, Personenregister)
Zahlreiche namhafte Autoren (ich wollte einige hier nennen, aber das wäre unfair gegenüber den anderen) sind für die profunden Beiträge verantwortlich.
Die biografische Skizze von Hermann Kurzke fesselt vom ersten Satz weg. Sie beginnt mit: „Thomas Mann war Raucher, das ist bekannt. Ein Trinker war er jedoch nicht, obgleich er ein Likörchen zum Nachtisch nicht verschmähte“ (S. 1). Der lockere Stil überraschte mich (positiv). Ich schaute auf den Umschlag: Ja, ich hatte das richtige Buch.
Die Werksbesprechungen sind ausführlich und – wie im Vorwort angekündigt – forschungsbezogen. Zu allen Werken werden die Quellen, Hintergründe und Grundpositionen der Forschung erläutert. Den Erzählungen – die wegen der Übergrösse der Romane oft zu kurz kommen – wird gebührender Raum gegeben.
In den Abschnitten III., IV. und V. werden Hintergründe und Kontexte erläutert: Judentum, Musik, Philosophie und Weimarer Klassik, um nur ein paar zu nennen. Das Werk wird nach Motiven wie Dekadenz, Ironie, Schuld und Rechtfertigung aufgeschlüsselt.
Thomas Manns Musikauswahl
Musik spielte in Thomas Manns Leben und Werk eine überragende Rolle. Neugierig las ich daher seine Musikauswahl anläßlich der Sendung "Wer wünscht was?" im Süddeutschen Rundfunk 1954 (S. 251):
  • Richard Wagner: Lohengrin, Vorspiel zum 1. Akt
  • Claude Debussy: Prélude à l'après-midi d'un faune (Vorspiel zum Nachmittag eines Faunes)
  • Franz Schubert: "Im Dorfe" aus Winterreise (Autor Rüdiger Görne schiebt ihr den Artikel "Die" voran)
  • Robert Schumann: "Zwielicht"
  • Ludwig van Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. 3
Trotz des breit gefächerten Programms vermisste ich einen Beitrag zur Thomas Mann-Gesellschaft, vielleicht aus zu großer Bescheidenheit der beiden Herausgeber, die Vizepräsidenten dieser Gesellschaft sind.
Ich vermisste auch einen eigenen Beitrag zur Thomas Mann Rezeption in der Schule. Und ich vermisste – dies vielleicht ungerechtfertigt, da sich das Thomas Mann Handbuch weniger ans breite Publikum richtet oder weil diese beim Vorgängerhandbuch berücksichtigt wurde – einen Beitrag zum Lektürezugang für den interessierten Leser.
In der Werksfülle Manns finden sich auch Merkwürdigkeiten. Hoch anrechnen muss man ihm sein Lob für Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter, das 1940 zuerst englisch in den USA erschien: „Sein Blick liegt auf Menschen und Dingen, volkhaft stumpf, wie es scheint, scharfsichtig in Wahrheit, verschmitzt, in verstellter Blödheit und lässt sich nichts vormachen, von keiner Seite“. Thomas Mann zur englischsprachigen Ausgabe The Life of Mother, in: Aufbau 6.47 (1940), S. 7
Thomas Mann und sein Werk sind mit Geschichte, Politik und Kultur der ersten Hälfte des 20. Jhdts. eng verwoben. Es macht viele seiner Texte auch heute noch nahezu uneingeschränkt lesenswert. Thomas Mann ist einer der am meisten erforschten Schriftsteller des 20. Jhdts. (S. 400; das kann man ohne zeitliche Einschränkung verallgemeinern). Das vorliegende Thomas Mann-Handbuch bietet dazu reichlich Material und Denkanstöße.
Allerdings wendet es sich hauptsächlich an Leute, die mit Thomas Mann schon vertraut sind und sich einen Überblick über den neuesten Forschungsstand verschaffen wollen. Für sie ist dieses Handbuch unerläßlich.
Für Thomas Mann Einsteiger ist es weniger geeignet. Denen empfehle ich Hermann Kurzke: Thomas Mann: Epoche - Werk - Wirkung, derzeit in der 4. Auflage erschienen.
Links
MarxThomas Mann Handbuch, Metzler Verlag
BloedornProf. Dr. Andreas Blödorn, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
MarxProf. Dr. Friedhelm Marx, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
MannThomas Mann
MannDeutsche Thomas Mann-Gesellschaft
MannHeribert Hoven: Großmeister und Kleinmeister. In zwei Handbüchern erfahren Thomas Mann und Robert Walser eine aktuelle Würdigung , Rezension in literaturkritik.de 11/2015
Blödorn Buddenbrooks. Verfall einer Familie
Blödorn Der Tod in Venedig. Novelle
Blödorn Mario und der Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis
Blödorn Siegfried von Vegesack und Thomas Mann
Blödorn Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter
Literatur
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Blödorn MarxAndreas Blödorn, Friedhelm Marx, Hg.: Thomas Mann Handbuch: Leben - Werk - Wirkung. Stuttgart: Metzler, 2015. Gebunden, 425 Seiten

Koopmann MarxHelmut Koopmann, Hg.: Thomas Mann-Handbuch. Kröner, 2001. 3., aktualisierte Auflage. Gebunden, 1036 Seiten
Kurzke KurzkeHermann Kurzke, Hg.: Thomas Mann: Epoche - Werk - Wirkung. 4., überarbeitete und aktualisierte Auflage Karsten Stefan Lorek (Bearbeitung). München: C.H. Beck, 2010. Taschenbuch, 366 Seiten Kurzke
Hermann Kurzke: Thomas Mann: Das Leben als Kunstwerk. Frankfurt: Fischer, 2001. 5. Auflage. Taschenbuch, 672 Seiten Kurzke
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 6.11.2015