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Eich
Günter Eich: Fünfzehn Hörspiele
Frankfurt: Suhrkamp, 1984. Broschiert, 588 Seiten – Günter LinksGünter Literatur
Der Sammelband Fünfzehn Hörspiele enthält genau das, was der Titel sagt. Es sind diese:
  • Geh nicht nach El Kuwehd!
  • Träume
  • Sabeth
  • Die Andere und ich
  • Blick auf Venedig
  • Der Tiger Jussuf
  • Meine sieben jungen Freunde
  • Die Mädchen aus Viterbo
  • Das Jahr Lazertis
  • Zinngeschrei
  • Die Stunde des Huflattichs
  • Die Brandung vor Setúbal
  • Allah hat hundert Namen
  • Festianus, Märtyrer
  • Man bittet zu läuten
Einige der Hörspiele zähle ich zum Besten, das die deutsche Literatur hergibt. Andere sind es vielleicht auch, aber ich kann mit ihnen nichts anfangen.
Mit Günter Eichs Sammelband verbinde ich ein persönliches Erlebnis. Die beiden Hörspiele daraus „Träume” und „Das Jahr Lazertis” waren die beiden ersten Lektüren bei denen ich zum Wasserburger Literaturstammtisch (Ende der 90-er Jahre) stieß. Und ich war perplex. Obwohl sehr belesen, kannte ich keines der Hörspiele und war hoch erstaunt: Wau, die lesen aber super Texte! Nun, es erwies sich, dass ich zufällig bei einem Höhepunkt der deutschen Nachkriegsliteratur zum  Literaturstammtisch kam: die Texte waren auch in den Jahren danach kaum zu übertreffen.

Träume
Das Hörspiel „Träume” wurde erstmals am 19. April 1951 vom NWDR gesendet und löste Widerspruch aus. Während und nach dem Hörspiel gingen Tausende Protestanrufe und -briefe an den NWDR.

Das Hörspiel agiert auf mehreren Ebenen. Im Kern hört man fünf verstörende Sequenzen.
1)
Menschen fahren schon seit 40 Jahren und scheinbar noch weiter in einem dunklen Zugwaggon. Mir stellten sich zwei Assoziationen ein:
  • Menschen auf dem Weg in das Vernichtungslager. Allerdings kommen die Menschen im Hörspiel nie an.
  • Höhlengleichnis von Platon. Die Menschen erhaschen ein Blick in die Wirklichkeit außerhalb des Waggons, wollen auch lieber doch in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.
Vergleiche die Erzählung von Eich Friedrich Dürrenmatt: Der Tunnel.
2)
Ein Elternpaar in China verkauft ihr Kind einem reichen Mann, der auf Kinderblut angewiesen ist.
Auch hier stellen sich verschiedene Assoziationen ein.
  • Kinder und Organe werden verkauft, weil es Menschen gibt, die so im Elend stecken, dass sie selbst zu diesen ungeheuren Methoden greifen (müssen). Und weil es andere Menschen gibt, die es sich leisten können.
  • Für Geld kann man alles kaufen.
  • Manche Menschen sind skrupellos bis zum Äußersten.
3)
Im dritten Traum wird eine Familie vertrieben und findet bei den Nachbarn keine Zuflucht. In der Erstehungszeit hatte Eich vermutlich die Juden im Blick, heute gilt es für alle Vertriebenen auf dieser Welt. Sie werden nur selten willkommen geheißen.
4)
Zwie Forscher verlieren ihr Gedächtnis.
5)
Termiten zerfressen hier Häuser., Man muss mit dem baldigen Einstüruz rechnen. Es kommt noch schlimmer: die Termiten zerfressen auch die Menschen von innen und höhlen sie aus. Aller Luxus nutzt wenig, wenn die Gesellschaft und ihre Umgebung zerstört wird.
„Träume” überzeugt auch heute noch (oder heute vielleicht noch mehr), weil die Szenen vielfach interpretierbar sind. Es zeigt sich: die Träume waren keine Erscheinung der Nachkriegszeit, sondern sind heute aktueller als damals.



Links
EichTräume (Günter Eich)
EichAlpträume der Nachriegszeit – Günter Eichs Hörspiel "Träume" wiederveröffentlicht
EichGünter Eich
EichLinksammlung der Universitätsbibliothek der FU Berlin
Eich Verwandtes zu Joseph Conrads Heart of Darkness [Herz der Finsternis] Günter Eich
"Das Jahr Lazertis" – Hörspiel
    
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Eich Eich Günter Eich: Fünfzehn Hörspiele. Frankfurt: Suhrkamp, 1984. Broschiert, 588 Seiten Eich
Günter Eich: Träume. Vier Spiele. Frankfurt: Suhrkamp, 1953.  Gebunden, 189 Seiten Eich
Eich EichGünter Eich: Träume. Hörverlag, Audio-CD, 2007.

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