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Höcke
Holger Höcke: Der Mönch von Eberbach
Saarbrücken: Conte, 2011. Broschiert, 401 Seiten – Holger LinksHolger Literatur
Der junge Mönch Clemens Korn findet sich in einem Kerker wieder. Portionsweise erzählt er seinem Mitgefangenen Peter seine Geschichte.
Als Zisteriensermönch im Kloster Eberbach im Rheingau gerät er zwischen die aufständischen Bauern und der Oberschicht des Landes, zu der damals – man schreibt 1525 – auch und gerade der Klerus gehört. Durch die bürgerliche Marie lernt er, dass es außerhalb mönchischer Keuschheit noch Schöneres gibt. Er verläßt das Kloster und gerät in Pfeddersheim erst recht zwischen die Räder (symbolisch).
Autor Holger Höcke hat sich ganz bewusst an den Welterfolg Umberto Eco: Der Name der Rose (siehe Historische Romane, unter Holger Links) angelehnt. Es gibt auch kleine kriminalistische Nebenstränge der Handlung.
Höcke läßt ein Panoptikum an Personal auffahren, erleichtert dem Leser aber den Überblick durch ein Personenverzeichnis (S. 383-384), eine Übersetzung der fremdsprachigen Textstellen (S. 385-389), ein Glossar (390-397) und eine Landkarte (Buchumschlag-Innenseite). Das alles ist recht hilfreich, bis auf die Karte, die nur einen Teil der Handlungsorte abdeckt.
Die turbulenten Jahre nach den Thesen Martin Luthers fängt der Roman glaubhaft ein. Höcke ergreift keine Partei und schildert wie die Bauernaufstände niedergeschlagen werden und allmählich verebben. Die frühe Formulierung von Menschenrechte in den Artikeln der Bauern verhallte ungehört.
Die reichen Klöster und der Adel werden weiterhin das Volk beherrschen und ausbeuten. In manchen Forderungen (Auflösung der Klöster) waren die Aufständischen weiter als wir es im Jahre 2011 sind. In anderen Gepflogenheiten, da beispielsweise die Heilige Schrift dem Bierkutscher und Schweinehirten noch nicht zugänglich war (S. 239), sind wir allerdings über die adelige und klerikale Bevormundung hinaus.
In bester Manier und angepasstem Stil packt der Autor so ziemlich alles hinein, was man von einem historischen Schauer- und Klosterroman erwartet: Querelen zwischen den Brüdern, aber auch geschlechtliche "Verfehlungen", zu entziffernde Handschaften, sagenhafte Geheimgänge (dort wird es mal richtig dramatisch) und regionale Konflikte. Das ist gut lesbar, manches auch stimmungsvoll (Marktbeschreibung S. 34).
Es ist zwar nie aufgesetzt oder kolportagehaft, läßt aber doch manches Mal die spätere Auflösung vermissen. Clemens hat zahlreiche Vorahnungen, die den Leser bei der Stange halten sollen. Ein altes Weib (was sonst?) prophezeit (S. 37), doch wird dies – wenn ich nichts überlesen habe – nie eingelöst. Das machte Shakespeare in Macbeth besser.
Romeo & Julia
Das Romeo und Julia Motiv betrifft hier einen Mönch und eine Bürgerliche, die zudem zu den Aufständischen gehört, also auch den Thesen des Reformators Martin Luther zugeneigt ist.
Zunächst ähnelt die Beziehung zwischen Clemens und seiner Marie derjenigen in Wilhelm Jensen: Aus der "vergessenen Zeil'" (Siebzehntes Jahrhundert), Historische Romane, Holger Links.
Dann gehen die beiden lange Zeit verschiedene Wege, das Ende bleibt offen. Siehe dazu auch eine ähnliche Romeo & Julia Beziehung in Gertrud von Le Fort: Die Magdeburgische Hochzeit, wieder in Historische Romane, unter Holger Links, und natürlich die unzähligen Romane und Erzählungen, die ebenfalls das Romeo und Julia Motiv zur Grundlage haben.
Kloster Eberbach, zwischen Wiesbaden und Rüdesheim am Rhein, diente als Filmkulisse für die Verfilmung von Umberto Eco: Der Name der Rose (siehe Historische Romane, unter Holger Links)
Etwas zu detailgerecht und ausufernd liest man mit Der Mönch von Eberbach einen halbwegs spannenden, farbenreichen, historischen Roman aus der Zeit der Bauernkriege.
Links
HoeckeHolger Höcke - Der Mönch von Eberbach, Verlag Conte
HoeckeVerlag Conte, Saarbrücken
HoeckeDer Mönch von Eberbach von Holger Höcke, Histo-Couch
HoeckeKloster Eberbach
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.8.2011