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Zähringer
Norbert Zähringer: Als ich schlief
Reinbek: Rowohlt, 2006. 286 Seiten – Zähringer LinksZähringer Literatur
Der Anstoss zur Lektüre kam durch Hinweis auf das Spiel mit physikalischen Theorien (Schrödingers Katze) und philosophischen Möglichkeiten. Das wurde nur zum Teil eingelöst. Doch was als Verwirrspiel begann (Zähringer macht in den ersten siebzig Seiten etliche zeitlich weit auseinanderliegende Handlungsstränge auf) entpuppte sich als raffinierte Konstruktion, die ich auch am Ende nicht ganz durchschaut hatte; aber das war kein Manko.
Der iranischstämmige Ich-Erzähler Alp tritt erstmals auf S. 25 auf. Da wurde der Leser schon durch etliche Szenarien gejagt. Noch später erfährt man, dass Alp im Wachkoma liegt und wirklich erzählte als er scheinbar schlief.
Die Handlungen nachzuerzählen fällt schwer. Als zuviele offene Enden herumhingen wollte ich schon aufgeben. Da dachte ich mir: Wär's Thomas Pynchon würdest du weiterlesen. Also las ich weiter.
Mit Pynchon teilt Zähringer auch die Vorliebe für Bewachungsdienste, Geheimdienste, undurchsichtige Machenschaften. Dabei kommt – auch hier wie der große US-Amerikaner – der Witz nicht zu kurz. Das Porträt des Onkels Yilmer Trapezunt ist großartig und oft witzig (S. 85!). Er ist religiös und begründet es wie soviele Christen: es ist leichter, wenn man sich an irgendwelche Gebote hält. "Wenn man nicht mehr weiterweiß, schaut man in seine Gebotsliste und peng! Schon ist die Lösung da" (S. 154).
Die vielen zufälligen Zusammentreffen der zahlreichen Personen stören hier nicht: der Ich-Erzähler verweist auf die vielen Möglichkeiten, die nicht passieren. Da sind die tatsächlich realisierten Welten doch verschwindend klein. Nicht ganz zufrieden war ich allerdings mit nicht eingelösten Versprechungen: Handlungsstrangenden, die in der Luft hängenblieben oder die ich nicht verknüpfen konnte.
Raffiniert gestrickt, manchmal den Leser zu sehr fordernd, flickt Zähringer ein Netzwerk über mehrere Jahrzehnte. Der Leser muß jederzeit mitdenken. Darin kann man Als ich schlief mit Nachtzug nach Lissabon vergleichen (Zähringer Vergleichsliteratur). Doch Zähringer macht es um einiges besser. Das Thema der möglichen Welten klang auch bei Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän (Zähringer Vergleichsliteratur) an. Für den fortgeschrittenen Leser empfehlenswert.
Links
NorbertNorbert Zähringer (Wikipedia)
NorbertKolja Mensing: "Eine Geschichte, aus der es kein Entrinnen gibt", dradio
NorbertDieter Wunderlich: Als ich schlief
NorbertFrank Thomas Grub: Norbert Zähringer: Als ich schlief, titel-thema 8.5.2008
NorbertPerlentaucher
Vergleichsliteratur
Zähringer Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän
Zähringer Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon
Literatur
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Zähringer NorbertNorbert Zähringer: Als ich schlief. Reinbek: Rowohlt, 2006. 286 Seiten Zähringer
Norbert Zähringer: Als ich schlief. Reinbek: Rowohlt, 2007. Broschiert: 288 Seiten Norbert
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