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Martin Bettinger: Ein Galgen für meinen Vater. Eine Zumutung
Saarbrücken: Conte, 2014. Gebunden, 122 Seiten – Martin LinksMartin Literatur
 Eine neue Vater-Sohn Geschichte. Tom, einer der beiden Söhne des hochbetagten Vaters, erzählt vom schnellen Verfall seines einst sehr rüstigen Vaters. Aufgrund eines  Sturzes im Bad muss er ins Krankenhaus. David und Tom sehen ihn im Krankenhaus mit Schläuchen, Kabeln und Fesseln und mit schwindendem Verstand. Doch er kommt nach Hause. Sein Zustand verschlechtert sich. Die herbeigeholte Pflegekraft Nijole aus Litauen ist eine besondere Marke. Wie die Brandstifter bei Biedermann zwängt sie sich mit ihrem Mann in den Haushalt. Tom erträgt den Verfall des Vaters nicht mehr. Er empfindet es als letzte Zumutung seines Vaters, dass er nicht im Krankenhaus gestorben ist (S. 100) und will  und will ihn sterben lassen (S. 102). Doch bevor ihm dies gelingt passiert eine unvorhergesehene Attacke (mehr sei nicht verraten) und der Vater kommt erneut ins Krankenhaus. Noch einmal kommt er nach Hause. Zwei Wochen später stirbt er.
Titel und Untertitel sind mehrdeutig. Das unmenschliche Siechtum läßt den Sohn ein schnelles Ende ersehnen. Doch der Galgen ist eine Aufrichthilfe. Die Zumutung des Vaters nicht zu sterben überträgt der Autor auf den Leser.
Das traurige und ethisch brisante Thema wird in aller Kürze angemessen dargestellt. Das stimmungstötende Sujet lockert der Autor mit dem litauischen Ehepaar auf.
In den letzten Jahren kamen zu den drei Themenkreisen: Vater-Sohn-Beziehung, Demenz des Vaters und osteuropäische Zuwanderin schon zahlreiche Romane auf den Markt. Unter „Vater-Sohn-Beziehung” unter findet man eine kleine Stoffsammlung dazu, unter „Alter belletristisch” eine zum Alter (Martin Links). Den Initialroman schrieb vielleicht Philip Roth mit Mein Leben als Sohn [1991] und legte die Latte für Nachfolger hoch. Arno Geiger gelang mit dem ähnlichen Thema in Der alte König in seinem Exil ein großer Erfolg, wohl mit geschuldet seinem zuvorigen Deutschen Buchpreis.
Mit Nijole bringt Martin Bettinger den nötigen Witz (sonst wäre der Roman niederschmetternd) in den kurzen Roman hinein. Doch das wieder erinnerte mich an Marina Lewycka: Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch.
Auf wenig mehr als hundert Seiten entfaltet sich das Ende eines langen Vater-Sohn Lebens. Trotzdem geht das Leben der nächsten und übernächsten Generation weiter. Nicht jeder macht sich die entstehende Belastung zur Aufgabe des restlichen Lebens. Tom blieb die Entscheidung erspart. Die Leser werden darüber nachdenken. Wer allerdings einen oder mehrere der zahlreichen Vorgängerromane über den dementen, siechenden Vater gelesen hat, wird nicht viel Neues erlesen können.
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BettingerMartin Bettinger: Ein Galgen für meinen Vater @ Conte
BettingerMartin Bettinger: Ein Galgen für meinen Vater @ aus.gelesen
BettingerMartin Bettinger
Bettinger Alter belletristisch
Bettinger Martin Bettinger: Wo der Tag beginnt: Storys aus Neuseeland
Bettinger Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil
Bettinger Marina Lewycka: Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch [A Short History of Tractors in Ukrainian]
Bettinger Philip Roth: Mein Leben als Sohn [Patrimony]
Bettinger Vater-Sohn-Beziehung und Vater-Sohn-Konflikt
Literatur
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Bettinger BettingerMartin Bettinger: Ein Galgen für meinen Vater. Eine Zumutung. Saarbrücken: Conte, 2014. Gebunden, 122 Seiten
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