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Stephan Valentin
Stephan Valentin: Der Ameisenfeind
Heidelberg: Pfefferkorn, 2000. 144 Seiten – valentin Linksvalentin Literatur
In etwas über zwei Stunden verschlang ich diesen Erstlingsroman. Der grob-ordinär-kindliche Monolog des kleinen Jonas flutscht in einem Guß hinunter.
Übers Internet wurde ich auf den Roman aufmerksam. Sowohl der Autor als auch sein Verlag Pefferkorn in Heidelberg (ist auch Valentins Geburtsstadt und für mich immer durch maugham William S. Maughams Studienzeit literarisch veredelt) kümmern sich rege um die Vermarktung. Im unübersehbaren Online-Ozean und in der allseits beklagten Informationsflut muß man etwas tun, zumal wenn man noch keinen großen Schriftstellernamen hat. 
Der kleine Jonas, dessen Alter jeder Leser selbst festsetzen muß, kommt widerwillig in ein Dreckskaff. Doch er hat einige Konstanten (Mutter, Supermarkt, Eis, kindliche Neugier, Rührei, ...), die ihn im sterbenslangweiligen Kackdorf überleben lassen. Vor allem aber seine Vorliebe zur Tierquälerei. Rasant wird Jonas zwischen behüteter Kindheit (war er je behütet?) und drohender Entsozialisierung geschildert. Jonas ist Holden Caulfield (The Catcher in the Rye; siehe valentin Links) als Kind und fünfzig Jahre Literaturgeschichte später. Holden fand einiges zum Kotzen, so auch Jonas. Trotzdem übertreibt der Autor nicht, immer gelingt es ihm, die Abscheu vor der Verlogenheit der Erwachsenen mit einem kindlichen Staunen und Hinterfragen zu verbinden: alles ist trotz aufwühlender, oft abstoßender Formulierung glaubwürdig. Ich bin wohl schon fünfzig Jahre zu alt, denn einige Sätze schienen mir grob daneben oder ich verstand sie nicht. Was bedeutet "Krieg mich kaum ein" (S.11) oder "der Gremlin pienst" (S.110)? Vielleicht sind es für mich unverständliche Preußizismen.
Neben dem kindlichen Ich-Erzähler gibt Valentin auch weiteren Figuren kräftige Farbe. Da ist seine Freundin Sarah mit der Dose (nachlesen!), seine Mutter, über die vieles zu sagen wäre, deren Bekannter und die bizarre Großmutter.
Das Romangeschehen läßt einige Handlungsstellen offen, die sich jeder Leser selbst zurechtzimmern kann. Das regt an und katapultiert das Buch aus der Kinderecke raus. Übrigens: wer wissen will, was aus Jonas in Los Angeles werden könnte, der lese Walter Mosleys Socrates in Watts (siehe valentin Links). Das Thema des gewalttätigen Aussenseiters regt die Literaturszene derzeit an.
Der junge Autor Stephan Valentin lebt in Paris und hat bereits den Bettina-von Arnim Literaturpreis für Kurzgeschichten – den die Zeitschrift "Brigitte" zweijährlich vergibt – erhalten (siehe valentin Links). 
Es sollte mich nicht wundern, wenn Stephan Valentin mit diesem Debüt bald ins Fliegen kommt.
Links
Valentin Stephan Valentin
ValentinVerlag Pefferkorn
Bettina-von-Arnim-Preis: Valentin SuchmappeValentin Uschtrin; wird alle zwei Jahre von der Valentin Zeitschrift "Brigitte" vergeben.
valentin Stephan Valentin: Weiße Eichen
valentin Walter Mosley: Socrates in Watts
valentin Jerome D. Salinger: The Catcher in the Rye
Literatur
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ValentinvalentinStephan Valentin. Der Ameisenfeind. Heidelberg: Pfefferkorn, 2000. Gebunden - 144 Seiten Valentin

Stephan Valentin
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.3.2007