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Albrecht Schau: Dichter in Handschellen. Ein Schelmenroman
Pfalzfeld: Kontrast, 2006. Broschiert, 236 Seiten – schau Linksschau Literatur
Dichter in Handschellen hat nichts mit verfolgte Schriftsteller, verbrannte Bücher und Literaturzensur (z.B. schau Literaturzensur weltweit) zu tun. Es ist aber auch kein Kriminalroman, wie uns Verlag und Medien weis machen wollen. Dagegen passt der Untertitel des Autors: "Ein Schelmenroman".
Felix Ascher, ein Sonntagskind, will mit 45 Jahren ein besserer Autor (ich diagnostiziere: vor allem ein berühmterer) werden. Da er mit Geld reichlich gesegnet ist, kann er seinen Brotberuf (Universitätsprofessor, wie der Autor Albrecht Schau) an den Nagel hängen. Er beschließt eine Verbrecherkarriere zu verfolgen um somit authentisch schreiben zu können. Da ich jedoch aus dem Text mehr das Ruhmmotiv heraus las, sehe ich als das eigentliche Ziel von Felix den Medienrummel um seine Person an.
Der Ich-Erzähler Felix geht seine Verbrecherkarriere systematisch an. Es verläuft von Beleidigung über Sachbeschädigung zu Mord. Felix wird geschnappt und der Grossteil des Romans geht um seine Vorbereitung der angemessenen Verteidigung vor Gericht.
Das beschreibt der Romanautor Schau überzeugend und pfiffig, wenn auch etwas zu gelehrig und manchmal zu geschwätzig. Wen interessiert in diesem Zusammenhang schon eine Anekdote von Pythagoras (S. 25)? Viele Seiten verwendet Schau darauf, die Vorgehensweise von Felix zu rechtfertigen. Dazu muß der Leser durch lange Diskussionen mit den Gefängnisgeistlichen und dem Staatsanwalt. Diese gipfelt in einer Interpretation von Franz Kafka: "In der Strafkolonie" (S. 149-50; schau Autor Franz Kafka).
Man sollte Dichter in Handschellen sportlich und mit einem zwinkernden Auge lesen. Ich tue mich hier schwer, zwischen den Autoren Schau und Ascher zu unterscheiden. Felix (und Albrecht) bezieht immer wieder den Leser ein. Er bringt es auch extra zu Papier: der Leser soll ins Romangeschehen einbezogen werden (S. 216). Darin liegt ein Reiz des Romans. Ein anderer mag darin liegen, dass Felix die Doppelmoral der Gesellschaft blosslegt. Dabei benennt er aktuelle Fälle, insbesondere beim zentralen Dialog mit dem Staatsanwalt (S. 139-140).
Leider behandelt der Autor aber einige seiner Romanfiguren recht klischeehaft. Alle Frauen, inklusive der evangelischen Gefängnisgeistlichen legen es auf Sex mit dem Untersuchungshäftling Felix an. Der lebt, aufgrund seines Reichtums, im Gefängnis ohne etwas zu vermissen. Die Juristen haben durchweg Dreck am Stecken: Bordellbesuche, Sex mit Minderjährigen, hohe Schulden usw.
Wenn man sich alle paar Seiten den Untertitel "Ein Schelmenroman" ins Gedächtnis ruft, liest man diese Studie eines gewollten Verbrechers und gleichzeitige Analyse der zeitgenössischen Gesellschaft mit Vergnügen. Vom Prototyp des Schelmenromans, Eichendorffs Taugenichts (schau Rezension) wird man wenig finden, ausser der Unbekümmertheit des Kriminalautors Felix Ascher und der Fabulierfreude des Autors Schau.
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Albrecht Schau: schaudie criminale – Mitglied der schauAutorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.5.2006