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Lydia Preischl: Wildbiesler. Ein Stoapfalz-Krimi
Regensburg: Spielberg, 2016. Broschiert, 217 Seiten – Lydia LinksLydia Literatur
Das Schema ist sattsam bekannt: die regionale Polizei erhält Ermittler aus der Zentrale vorgesetzt. Georg Herzl und Robert Schatz eilen aus München in die Oberpfalz um den Mord am 78-jährigen Grüninger aufzuklären. Der wurde mit einem Messer im Rücken tot aufgefunden. Das geht bekanntlich nur im Süden der USA als Selbstmord durch, wenn der Tote ein Schwarzer ist.
Auch Schema in nahezu jedem Krimi: es gibt dunkle Ereignisse in der Vergangenheit zu denen die Bewohner im abgelegenen Damling eisern schweigen.
Die etwas gestelzten Dialoge schreckten mich anfangs ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der heimische Kriminalhauptkommissar den fremden Kollegen aus München fragt: „Na, Meister. Was sagt ihre Spürnase zu dem Fall?” (2. Kap.). Manches ist nicht glaubhaft, so wenn Schatz die Pumps im Flur der Grüningers ohne weiteres als Größe 44 taxiert.
Das alles schluckt man als Leser, denn die Autorin
entwickelt einen annehmbaren und amüsant zu lesenden Regionalkrimi. Die Handlung ist vielschichtig, aber nicht verzettelnd und unterm Strich glaubwürdig.
Man verzeiht der Autorin, die selbst aus der Oberpfalz stammt und dort wohnt, dass sie gegen die Oberpfalz viele Klischee bemüht und auswalzt: „bayrisch-Kongo” (Bezirk), Bayrisch-Kisuaheli (Sprache), ... Ich nehme ihr auch die Oberpfälzer Dialekt ab, den sie reichlich verwendet, nicht jedoch einige Ausdrücke, die eigentlich nur ein Nicht-Bayer verwendet. Das Essen ist oft „lecker”. Der Oberpfälzer Rödel sagt zum Münchner Kriminaler: „Wurde ja auch Zeit, dass Sie in die Puschen kommen.”
Dazu drei Anmerkungen:
  1. Es greift wieder das oben Bemängelte: eine merkwürdig anbiedernde Sprechweise zu fremden Kollegen.
  2. Während die Autorin oft Dialekt verwendet traut sie den Münchnern nicht zu, diesen zu verstehen. Zugegeben: im hintersten Wald verstehe ich auch nicht alles, wenn man Gesprächspartner sich nicht bemüht. Doch Münchner verstehen die altbairischen Dialekte annehmbar. Rödel könnte als ruhig mit Dialekteingefärbung reden.
  3. Der stärkste Einwand aber ist, dass kein aufrechter Bayer „in die Puschen kommen” verwendet. Ich habe nachgeschaut: Die Puschen sind in Norddeutschland umgangssprachlich die Hausschuhe. Das Duden schreibt dazu: Gebrauch: norddeutsch.
Das Lektorat hat bei diesem Krimi also mehrmals geschlafen. So auch bei der Bezeichnung für Herrn Grüninger als „Mutter Theresa von Damling” (Kap. 3). Als Lehrerin für katholische Religionslehre hätte die Autorin es selbst wissen müssen, dass die Mutter Teresa gemeint ist.
Doch diese kleineren Einwände beiseite: ich habe den Krimi zunehmend gerne gelesen und werde bei nächster Gelegenheit  wieder einmal einen Stoapfalz-Krimi der Autorin lesen.
Links
PreischlKrimi aus der Feder von Lydia Preischl, Mittelbayerische, 24. November 2017
PreischlChristina Widmann: Lydia Preischl: Wildbiesler, 16.9.2017
Literatur
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Preischl PreischlLydia Preischl: Wildbiesler. Ein Stoapfalz-Krimi Regensburg: Spielberg, 2016. Broschiert, 217 Seiten Preischl
Lydia Preischl: Wildbiesler. Ein Stoapfalz-Krimi. Kindle Edition Preischl
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 2.3.2018