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Föhr
Andreas Föhr: Schwarze Piste. Kriminalroman
München: Knaur, 2012. Taschenbuch, 426 Seiten – Andreas LinksAndreas Literatur
Nach einem skurrilen (dieses Attribut taucht bei Besprechungen von Krimis von Andreas Föhr zurecht immer wieder auf) und spannendem Auftakt führt  Andreas Föhr seine Leser auf die Schwarze Piste. Kriminalroman am Wallberg und dann schwingt er mit ihnen eine Piste. Kriminalroman, gespickt mit schwarzem Humor, bis zum überraschenden, aber nachvollziehbaren Finale entlang. Dem schwarzen Humor muß man mögen – und einiges an Groteskem (wie einen korrupten Polizisten) wegstecken – dann kann man sich auf einen gut durchdachten Regionalkrimi aus dem bayerischen Oberland und den angrenzenden Gebieten freuen.
Die 73 Kapitel verlangen den Lesern zunächst einiges an Gedankensprüngen ab, aber der Autor baut genügend Wiederholungen und Zusammenfassungen ein, dass alles gut präsent bleibt, auch wenn man die über 400 Seiten nicht auf einen Satz liest. Ich kann mich an den  Prinzessinnenmörder nicht mehr genau erinnern, aber mir scheint der dramaturgische Aufbau hat gewonnen.
Die Cliffhanger steigern die Spannung, aber man muss sich einiges merken, denn der Autor löst sie keineswegs im nächsten Kapitel auf. Die besonders starken Cliffhanger des zeitlichen Vorlaufs (Kap. 1-5) müssen gar bis Kapitel 64 auf Auflösung warten. Aber sie kommt, wenn sich auch die Kapitelabbrüche manchmal bombastisch aufbauen und dann als bloßer Rauch herausstellen. Der beste Kapitelabbruch war „Die Sennleitner!” (S. 130, Ende Kap. 24). Er bedurfte keiner Aufklärung.
Die beiden Hauptermittler Polizist Leonhardt Kreuthner und Kriminaler Clemens Wallner (er ist nicht Kreuthners Vorgesetzter, wie es in manchen Besprechungen heißt) sind herzhaft zupackend gezeichnet. Kreuthner kennt seinen Wert, er fühlt sich als „das Neuschwanstein unter den Polizisten” (S. 118). Seine Vorgesetzen sehen das anders. Er stolpert immer wieder über Leichen und heißt bei den Kollegen „Leichen–Leo” (S. 127).
Der schwarze (Piste-)Humor durchzieht den ganzen Krimi, hervorzuheben ist die Vorstellung der Soko (S. 135–137). Große Klasse!
Einmal nimmt Föhr Anleihe bei Fjodor Dostojewskij. Der Berufskriminielle Frank überlegt: „Irgendwie mochte er das Mädchen und überlegte, ob es eine Möglichkeit gab, sie am Leben zu lassen. Es fiel ihm keine ein” (S. 119–120). So auch Student Raskolnikow, der in Verbrechen und Strafe (aka Schuld und Sühne) keinen Grund fand die Pfandleiherin zu verschonen.
Wasserburgs Halbwelt
kommt am Rande und in wenigen Szenen vor, erstmals S. 178.
Kleinigkeiten, die nicht passen
Zuvor: der Autor hat allgemein exzellent recheriert. So kann man den Plankenstein (1768m) in den Tegernseer Berge auch Blankenstein schreiben (S. 39).
  • Im Dezember 2011 war Simon Kreuthner verstorben (S. 37). Sein Sohn sollte auftragsgemäß dessen Asche am Wallberg verstreuen (S. 43). Das machte er Anfang Dezember (S. 38).  Wer schon mal eine Urnenbeisetzung erlebte: es dauert nach dem Tod Wochen bis sie die Asche vorliegt.
  • Dem Oberbayer Wallner wäre nie „Wir wissen wahrscheinlich, wo die tote Frau auf den Fotos abgeblieben ist” (S. 358) über die Lippen gekommen.
  • Leonhardt Kreuthner ist ein eigenwilliger Polizist, aber in seinem Beruf gut bis hervorragend. Dass er dem wildfremden Mann auf dem Hof (die Leser wissen: es ist Bösewicht Frank) Ermittlungsergebnisse aus dem Auoto heraus, auf die Nase bindet (S. 367) ist unglaubwürdig.
Schwarze Piste ist ein flott zu lesender Regionalkrimi mit spannenden, skurrillen und lustigen Szenen, die sich in ein durchdachtes Gesamtkonzept einfügen. Leonhardt Kreuthner ist auf der Schwelle der Glaubwürdigkeit gerade noch auf der akzeptablen Seite. Hohes Lob für einen stimmigen Lesespass.
Links
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