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Grill
Harald Grill: Hochzeit im Dunkeln
München: Sankt Michaelsbund, 2008. 175 Seiten Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe [1995]
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Mit bewundernswert feiner Beobachtungsgabe erzählt Harald Grill eine Nachkriegsgeschichte aus einem Ort an der Donau, etwa um 1947-48. Sie hätte sich so ähnlich auch an jedem anderen Ort in Bayern abgespielen können. Und hat es auch. Davon gleich mehr.
Michael kommt aus dem Krieg um den halben Unterschenkel kürzer nach Hause. Er ist der jüngste Sohn des Multererbauern und es ist Brauch, dass der Jüngste (sonst ist es doch der Älteste!?) den Hof übernimmt. Doch der wortkarge Vater will davon nichts wissen. Die Behinderung läßt eine ordentliche Bewirtschaftung des Hofs kaum zu. Dazu kommen wohl auch noch NS-Voreinstellungen gegenüber Behinderten. Ich war als Jugendlicher behindert (das gesamte rechte Bein war geschient) und in den 50-er Jahren wurde viel fotografiert. Es gibt aber keine einzige Fotografie von mir mit der Schiene. Dafür sorgte meine Mutter.
Die Lage im Roman spitzt sich zu, als sich Michael in ein Flüchtlingsmädchen verliebt und wenig später nochmals amputiert wird.
Dass Verbandelungen mit Flüchtlingen in Bayern zur Enterbung führten ist belegt; gerade im ländlichen Raum kam dies öfter vor.
Mit diesem kargen Grundriß formt Grill einen guten, glaubwürdigen Heimkehrer- und Heimatroman. Wer über die stilistischen Mittel verfügt und ein zupackendes Erzähltalent hat (beides trifft auf Harald Grill zu), der kann auch heute noch mit solchem Stoff punkten.
Kraftvoll ist vielleicht die treffendste Beschreibung des Stils. Auf Kritik der Verhältnisse oder Urteile über seine Figuren läßt sich der Autor nicht ein, zumindest nicht direkt. Das schließt unterschwellige Hiebe nicht aus. So wenn eine schmerzentstellte Christusfigur an der Wand darunter noch die Schmutzränder des Hitlerbilds erkennen läßt (S. 34). Wie manche Dialoge im Dialekt auf Außenstehende wirken, kann ich schlecht beurteilen.
Zum gesamten Roman passt eine kurze Bemerkung über Michael. Seine bisherige Lebensreise glich einem Sturzflug. Er fing die Maschine gerade noch ab. Empfehlenswert!
Vergleichsliteratur: Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür
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Grill GrillHarald Grill: Hochzeit im Dunkeln. München: Sankt Michaelsbund, 2008. 175 Seiten Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe [1995]
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.4.2008