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Viktoria Schwenger: So viel Liebe. Geschichte einer Pflegemutter
Rosenheim: Rosenheimer, 2004. Gebunden, 206 Seiten – schwenger Viktoria Schwengerschwenger Linksschwenger Literatur
Johanna Schüssler ist mit 92 Jahren in einem Altersheim bei Glonn und sofort denkt man an Lena Christ (schwenger Lena Christ). Nur ganz kurz, aber treffend geht die Autorin auf die Verhältnisse unter Alten im Heim ein. Dann erzählt sie die Lebensgeschichte der Seniorin.
Johanna Schüssler wird 1900 in eine ärmliche und ländliche Umgebung geboren. Zu den lebensbestimmenden Kräften der Armut und des Landes kommt die Frömmigkeit und deren Zwilling, die gnadenlose Diskriminierung aufgrund katholischer Lebensregeln. Sexualaufklärung kannte man noch nicht (S. 48), Empfängnisverhütung ist strengstens untersagt (S. 20) und uneheliche Kinder werden mit der Mutter als Schande "aussortiert". Oft werden diese Bankert an Pflegeeltern abgegeben, so auch in Johannes Leben. Wenn gar der katholische Pfarrer der Vater ist, wird es besonders hart: die Affäre muss geheim bleiben. Die Kirche zahlte zwar, aber das Kind wurde nicht anerkannt (S. 141).
Dann noch die gängige Prügelstrafe, die gleich zu Beginn das Familienleben der Schüsslers auf immer zerstört. Doch auch später saust der Ochsenziemer auf die Kinder (z.B. S. 99) hernieder. Dazu kommen noch die für uns heute unvorstellbaren Traditionseinstellungen: damit ist das Leben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts charakterisiert.
Christlich waren diese Lebensumstände nicht, wenn der Pfarrer Johanna mit ihrem Kind zur Taufe in Bruckhausen den Kircheneintritt verweigert (S. 66). Doch irgendwie schafft es Johanna, die bei ihr zu kurz gekommene Liebe an Pflegekinder (26 sollten es im Laufe der Zeit werden) weiterzugeben.
Das erzählt die Autorin in der ersten Hälfte recht genau, packend und einfühlsam. Ab der Mitte wird es etwas kursorischer, doch es bleibt spannend; der Leser wird immer ins Lokalkolorit und die Lebensumstände der kleinen Leute hineingezogen. Ein Höhepunkt war für mich die Rückkehr der Jugendbekanntschaft Servaz (S. 171-174).
Wer Lena Christ Romane kennt, wird an die große oberbayrische Autorin erinnert. Nicht nur die Umgebung, auch die Lebensumstände der Johanna und der Stil der Viktoria zwingen diesen Bezug auf. Die Erzählerin verklärt die alte Zeit nicht und läßt zuguterletzt erkennen, dass es nach zwei Generationen allen Widrigkeiten zum Trotz doch Fortschritte gibt.
Sehr empfehlenswert, wenn man über diese rustikale Zeit in Oberbayern etwas erfahren will.
Viktoria Schwenger
schreibt geschichtliche, kunsthistorische und naturheilkundliche Artikel; Krimikurzgeschichten; Mitglied der „Sisters in crime“, siehe schwenger Links.
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