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Ruth Weiss: Der Judenweg
Berlin: Mosse, 2004. Broschiert, 191 Seiten – Weiss LinksWeiss Literatur
Die Geschichte des Daniel Löw setzt Ende 1648 (wenige Tage nach den Friedensverträgen von Münster und Osnabrück; Weiss Westfälischer Frieden) ein). Er verliert seine Eltern und erlebt als Jude eine bewegte Zeit. Zunächst schließt er sich einer Bande an, später leitet er selbst eine und am Ende gliedert er sich doch – soweit dies für Juden möglich ist – ins bürgerliche Leben ein.
Viele Menschen leiden noch unter den Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs und unter dem Feudalsystem. Überall wird man zu Zoll, Gebürhen und Steuern gezwungen, damit die Oberschicht ihren üppigen Lebensstil beibehalten kann (nicht unähnlich zur heutigen Situation weiss). Bei den zahlreichen Grenzübertritten im kleinstaatlichen deutschen Raum müssen Juden Leibzoll zahlen; sie nutzen daher die abseitigen Judenwege. Auch in der Gesellschaft müssen sie eigene Wege (zahlreiche Berufsverbote, Verfolgung durch die Christen) suchen. Das wird in Der Judenweg spannend und lehrreich (manchmal mit Situationsbeschreibungen überfrachtet; wenn auch immer nur kurze Einschübe) erzählt.
Die Bandentätigkeit wird tüchtig entschuldigt. Sie tun es nur für Frauen und Kinder (S. 145) und bleiben fromme und liebe Menschen. Die Erzählerin und ihre Personen sind oft sehr schlau. Beim Abschied Daniels von Isabella wussten beide, "es war für immer" (S. 157). Da schleichen sich dann schon mal Unstimmigkeiten ein. Daniel wird oft nicht als Jude erkannt (S. 134), trotzdem schiebt in kurz darauf einer verächtlichen den jungen Juden beiseite (S. 135). – Daniel hat seinen Sohn nie gesehen, trotzdem erkennt er ihn als Siebenjährigen (S. 176).
Die Personen des Romans sind durchweg gut erfunden; eine Ausnahme ist der historische Sabbatai Zwi (S. 161; siehe Weiss Anmerkungen). Spannender historischer Roman, der die Lebenssituation der Juden vor 350 Jahren verständlich macht.
Anmerkungen
Westfälischer Frieden, die Friedensverträge zur Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs zwischen dem Kaiser und den deutschen Reichsständen einerseits und Frankreich (Friede von Münster) sowie Schweden (Friede von Osnabrück) andererseits, abgeschlossen am 24.10. 1648 nach vierjährigen Verhandlungen von 148 Gesandten.
Sabbatai Zwi, 1626 Smyrna (Izmir) – 17.9.1676 Dulcigno (Ulcinj, Montenegro); trat ab 1648 öffentlich in Smyrna auf und verbreitete messianische Erwartungen: er wollte die Juden ins Heilige Land zurückführen. 1665 ließ er sich in Palästina zum Messias ausrufen und sammelte eine große Anhängerschaft; 1666 trat er, von den osmanischen Behörden erzwungen, zum Islam über; 1672 verhaftet und verbannt.
Links
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Literatur
Hier besprochen:
Zum 30. Krieg: Weiss Wilhelm Jensen: Aus der "vergessenen Zeil'" (Siebzehntes Jahrhundert)
Im Stil und historischen Anspruch vergleichbar:
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Judenweg WeissRuth Weiss: Der Judenweg. Berlin: Mosse, 2004. Broschiert, 191 Seiten
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