Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Graf
Oskar Maria Graf: Einer gegen alle
Text der Erstausgabe von 1932. Nachwort von Ulrich Dittmann. München: Allitera, 2014. Broschiert, 172 Seiten
Oskar Maria LinksOskar Maria Literatur

Als ich zum Lesen begann war das Geschehen großenteils sofort wieder präsent: ich hatte in 2005 das ausgezeichnete Hörspiel mit Jörg Hube als Sprecher gehört.
Der Ex-Soldat Georg „Girgl” Löffler weiß beim Kriegsende Mai 1919 nicht wohin. Aus irgendeinem Grund will er nicht nach Hause nach Oberwillenbach bei Wasserburg am Inn. Dort hat der jüngere Bruder Alois den Bauernhof übernommen: der Älteste war gefallen, Girgl galt als vermisst.
Der Krieg hatte dem Girgl die Augen geöffnet:
„Seit vierzehn haben sie uns auf Räuberei und Umbringen dressiert, jetzt sollen wir wieder ordentlich sein und für ndie anderen rackern. Ich hab rausgebracht, der Dumme bin immer bloß ich gewesen.” (S. 12) Hatte er früher dem Motto „Einer für alle – alle für einen” nahe gestanden, so gilt jetzt für ihn das Faustrecht. Bar jeglicher Illusion und Hoffnung denkt er nur an den nächsten Tag. „Mit der Eintragung deines Namens in ein Geburtsregister beginnt deine Abhängigkeit vom Ganzen, und erst mit der Konstatierung deines Todes endet diese Gefangenschaft” (S. 105).
Die teilweise unsinnig ausgeübte Gewalt schockiert die Leser. Girgl irrt als „treibendes Wrack” (S. 89) in Bayern und Sachsen umher. Dann kommt Girgl über Kolbing und Griesstätt nach Sendling. Dort wird er nicht weit von Oberwillenbach (fiktiv; irgendwo hiner Wasserburg am Inn) als Knecht aufgenommen. Seine Blutspur holt ihn ein. Ganz im Geiste des Romans endet Girgl tragisch.
Wasserburg am Inn
Bekanntlich war Graf mit der Umgebung von Wasserburg am Inn gut vertraut. Bis auf Oberwillenbach sind alle genannten Orte und Weiler rund um die Innstadt zu finden. Auch der Fletzinger-Bräu (S. 134) braute noch Jahrzehnte und ging dann ins Hotel Fletzinger Bräu (ohne Brauerei) über.
Wer skeptisch ist, wenn in diesen Jahren traumatisierte Kriegsflüchtlinge zu uns nach Deutschland kommen, der kann sich in Einer gegen alle ein Bild davon machen, was mit Leuten passiert, wenn zwar der Krieg aus ist, sie aber den Frieden nicht annehmen und seiner überdrüssig sind (S. 158).
Einer gegen alle ist nicht das bekannteste Buch Grafs aber eins seiner besten und allemal lesenswert. In der Trostlosigkeit kann es sich mit Cormac McCarthy: The Road messen.
Hörspiel
Bayerischer Rundfunk 2005
Erzähler: Jörg Hube; Regie: Bernadette Sonnenbichler; Komposition: Martina Eisenreich; Bearbeitung: Mira Alexandra Schnoor
Vergleichsliteratur
Graf Hans Klinger: Gestorben wird erst später ... Ein deutscher Lebenslauf
Graf Uwe Timm: Die Entdeckung der Currywurst
Graf Cormac McCarthy: The Road
Links
Hörspiel: GrafARD Hörspiel DBGrafHörspieltipps
Graf Oskar Maria Graf
Graf Cormac McCarthy: The Road
GrafWasserburg am Inn in der Literatur
Literatur
Bei Amazon nachschauen  
Graf GrafOskar Maria Graf: Einer gegen alle. Text der Erstausgabe von 1932. Nachwort von Ulrich Dittmann. München: Allitera, 2014. Broschiert, 172 Seiten
Graf Anfang

Graf
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 4.8.2017