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Zweig
Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens
Fischer, 1988. Broschiert, 464 Seiten – Stefan LinksStefan Literatur
Man glaubt es kaum, Stefan Zweig hat nur einen Roman geschrieben: Ungeduld des Herzens. Sein Hauptwerk sind Erzählungen, Novellen und Biografien.
Der junge K.u.K-Leutnant Anton Hofmiller lernt Edith von Kekesfalva, siebzehn Jahre und gelähmt, kennen. Es entwickelt sich eine Beziehung: er sonnt sich – eher unbewusst –, dass er beim reichen Kekesfalva ein- und ausgehen darf, sie findet ein Gegenüber aus der „normalen”, kleinbürgerlichen Welt und verliebt sich in Toni.
Allerdings erweist sich Anton Hofmiller als entscheidungsschwach, der durch eigene Fehleinschätzung und Dünkel immer wieder kritische Situationen heráufbeschwört. Am Ende bricht der Erste Weltkrieg aus und alles endet im Fiasko.
Zweig wäre nicht der begnadete Erzähler, wenn er nicht einige Nebenstränge (Aufstieg des Kekesfalva, Leben des Arztes Condor, usw.) eingebaut hätte.
Im Roman ist Anton Hofmiller der Ich-Erzähler. Doch Zweig versteht es geschickt auch andere zu Wort kommen zu lassen.
So sehr Zweigs Stil ein Lobeshymnus an die deutsche Sprache ist, so ausufernd erscheinen mir heute sein Reflexionen. Der Leser hat schon längst kapiert, da denkt Hofmiller immer noch und wir lesen seinen inneren Monolog.
Die überzeugendste Gestalt ist für mich der Arzt Condor (Schachspieler! Kap. 16). Toni ist zu unentschlossen und zu sehr in seinen Vorbehalten gefangen; Edith hat zuviele extreme Gefühslausbrüche, die Zweig aber psychologisch überzeugend herbeiführt und durchzieht.
Schach zwischen den Hauptpersonen
Im Kapitel kommt es, angeregt von Freundin Ilona, zu einer Schachpartie zwischen Edith und Toni.

[Ilona]: »Ich begleite die Damen nur hinaus. Ihr könnt inzwischen eure Schachpartie schon anfangen. Ich hab dann noch ein bißchen mit den Vorbereitungen für die Reise zu tun, aber in einer Stunde bin ich wieder bei euch.«
»Haben Sie Lust auf eine Partie?« konnte ich jetzt Edith unbefangen fragen, und
»Gern«, senkte Edith, indes die drei andern das Zimmer verließen, ihren Blick.
Sie behielt den Blick im Schoß, während ich das Brett hinstellte und umständlich, um Zeit zu gewinnen, die Figuren ordnete. Sonst pflegten wir, nach alter Schachregel, um über Angriff oder Verteidigung zu entscheiden, je eine weiße und eine schwarze Figur in der geschlossenen Faust hinter dem Rücken zu verbergen. Aber die Wahl hätte immerhin schon ein Sichansprechen, das eine Wort »rechts« oder »links« gefordert; selbst ihm wichen wir beide einverständlich aus, und ich stellte ohne weiteres die Figuren auf. Nur nicht sprechen! Nur alle Gedanken in das Karree der vierundsechzig Felder einsperren! Einzig auf die Figuren starren, nicht einmal auf die fremden Finger, die sie bewegen! Und so spielten wir mit jener vorgetäuschten Versunkenheit, wie sie sonst nur ganz verbissenen Schachmeistern eigen ist, die alles um sich herum vergessen und ihre ganze Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Partie konzentrieren.
Bald aber verriet das Spiel schon selbst das Trügerische unseres Tuns. In der dritten Partie versagte Edith vollkommen. Sie machte falsche Züge, am Zucken ihrer Finger merkte ich deutlich, sie ertrug dieses unwahrhafte Schweigen nicht länger. Mitten im Spiel schob sie das Brett weg.
»Genug! Geben Sie mir eine Zigarette!«

Ungeduld des Herzens ist lesenswert, wenn man psychologische Romane honoriert und es versteht etliche langen Passagen quer zu lesen.
Links
ZweigUngeduld des Herzens (Roman) (Wikipedia)
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Zweig ZweigStefan Zweig: Sämtliche Werke von Stefan Zweig: Joseph Fouché + Sternstunden der Menschheit + Schachnovelle + Ungeduld des Herzens + Drei Meister: Balzac - Dickens - ... Maria Stuart + Magellan + Amerigo und mehr. Kindle Edition. Seitenzahl der Print-Ausgabe: 6328

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