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Schacherreiter
Christian Schacherreiter:
Diese ernsten Spiele. Eine Kindheit im Innviertel. Ein autobiografischer Essay

Salzburg: Müller, 2011. Gebunden, 207 Seiten – Innviertel LinksInnviertel Literatur
Diese Biografie ist in zweierlei Hinsicht außergewöhnlich.
  1. Der Autor ist nicht prominent und kann auch keine Suchtvergangenheit oder Ganovenkarriere aufweisen. Er wurde in seiner Kindheit nicht drangsaliert oder gar geschändet. Christian Schacherreiter thematisiert dieses Manko einer unauffälligen Kinheit: „Ich meine, dass eine unauffällig Kindheit wie meine, die unter gewöhnlichen Menschen abläuft, den Zustand einer Generation besser dokumentieren kann, als eine Kindheit unter extremen Bedingungen.” „Die treibende Kraft meines Schreibens ist die Dankbarkeit dafür, dass die meisten meiner Geschichten gut ausgegangen sind oder unerheblich waren.” (S. 16–17)
  2. Aus dem Untertitel „Eine Kindheit im Innviertel” könnte man eine Wald– und Wiesen-Heimatbiografie erwarten. Diese Erwartung würde gleich mit dem ersten 15-zeiligen (!) Satz zerstört. Man liest den zweiten Untertitel „Ein autobiografischer Essay” und liegt richtig.
Christian Schacherreiter verweigert den Lesern jegliche Plastische Erlebnisszene, man liest keinen Dialog. Der  autobiografische Essay ist eine Reflexion über ein abwechslungsreiches Leben, das aber – abgesehen von marxistischen Studentenzirkel – immer in der Normalspur blieb.
Trotzdem hat  Schacherreiter seine Lesern viel zu berichten und die 200 Seiten fesseln durchwegs. Er berichtet nicht chronologisch, sondern mäandert durch Kindheit, Beruf, Studium und Jugend. In unauffälligen Blöclen schiebt er Abhandlungen über Gott und die Welt, über die 68-er, die Bildungspolitik und vieles mehr ein. Das ist immer anregend.
Mich freute, dass der Autorin mit Erika Weinzierl (S. 181) bekannt ist, die mir selbst durch ihren Einsatz für Franz Jägerstätter, bekannt ist. Wenn ich mich nicht täusche hielt sie auch einen Vortrag auf einem der Gedenktage für Jägerstätter in St. Radegund, die ich im letzten Jahrtausend besuchte.
Schacherreiters Einstellung
„Mir ist noch keine überzeugendere Menschheitsutopie begegnet als die vom mündigen Menschen, der Kraft seiner natürlichen Befähigung zur Vernunft und zur Willensentscheidung auf der Grundlage seiner ethischen, künstlerischen und intellektuellen Bildung ein geglücktes Leben für sich und die Mitmenschen gestalten will.” (S. 101)
Schach
Trotz seines Nachnamens kam Schacherreiter anscheinend nur als Vorschulkind kurz mit dem Schachspiel in Berührung (S. 13). Schade. Aber Lesen und Musizieren ist ja auch erfüllend.

Auch die Autobiografie eines Unauffälligen ist es wert gelesen zu werden, wenn sie so nachdenklich und ehrlich dargeboten wird, wie es dem Autor hier gelungen ist.
Links
SchacherreiterChristian Schacherreiter
SchacherreiterChristian Schacherreiter: Selbstporträt eines ernsten Mannes, nachrichten.at
SchacherreiterDavid Axmann: Schacherreiter, Christian: Diese ernsten Spiele, Wiener Zeitung, 6.05.2011
SchacherreiterErika Weinzierl
Schacherreiter Franz Jägerstätter
Literatur
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Schacherreiter SchacherreiterChristian Schacherreiter: Diese ernsten Spiele. Eine Kindheit im Innviertel. Ein autobiografischer Essay. Salzburg: Müller, 2011. Gebunden, 207 Seiten
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