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Wallner
Wolfgang Wallner F.: Elihu. Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit
St. Pankraz: JBL, 2004. 243 Seiten – Wallner LinksWallner Literatur
Elihu überraschte mich mehrfach. Ich begann die Lektüre zurückhaltend: "menschliche Bewusstseinsebenen", "Aufzeichnungen aus der Ewigkeit" bei der Buchankündigung klingen für ein fiktives Werk nicht gerade ermunternd. Das Vorwort ließ noch Schlimmeres ahnen: wenn Schriftsteller die Quantenmechanik interpretieren, klappt man das Buch besser zu. Doch Wallners mögliche Erklärung für die Nicht-Lokalität (eines der aufregendsten Phänomene der Quantenphysik) im Vorwort (S. 7) zeigte Kenntnis und versprach einfallsreiche Lektüre.
Einen erster Dämpfer erhielt meine Vorfreude durch ein Zitat Kants aus der Kritik der reinen Vernunft, dass ich auf meiner CD (mit fast dem gesamten Werk Kants) trotz wechselnder Suchbegriffe nicht fand. Immanuel mag es so ähnlich gemeint haben: geschrieben hat er das nicht.
Der Einstieg in den Roman mit den Disketten auf der Abfallhalde, deren Inhalte der Autor mühsam zusammen setzt, gefiel mir; der Verweis auf Hermann Hesse (S. 14) machte mich stutzig. Ich bin wohl einer der wenigen, denen Der Steppenwolf ausgesprochen nicht gefallen hat (Wallner Rezension).
Trotz monistischer Denkausrichtung folgte ich dem Autor bei der Abtrennung des Bewusstseins vom Körper Martins. (Daniel Clement Dennett hat dazu eine gut durchdachte Geschichte am Ende von Brainstorms Wallner Literatur). Doch dann setzten die esoterischen Hammerschläge ein. Ein Absatz wie dieser passt in ein mittelalterliches Buch der Mystik, nicht aber in ein Werk des 21. Jahrhunderts:
"Absichtslos. Ohne jegliche Ausdehnung, alles ist um mich und ich bin in Allem. Nach keiner Richtung geht mein Wille" (S. 39).
Das abgelöste Bewusstsein wird zu Elihu und hat im Jenseits oder Andernland allerlei Erlebnisse, Begegnungen und Träume. Warum dort so explizit das Dezimalsystem verwendet wird (S. 101), weiß ich nicht. Leider geht es seitenweise so ähnlich wie im zitierten Absatz weiter. Für mich ergaben die Beschreibungen wenig Sinn und kaum irgendeinen Zusammenhang. Was soll man auch von einem angeblich weisen Mann halten, der seine Katze an einem Pfahl festbindet (S. 118)? Elihu tritt mehrfach in verschiedener Gestalt auf und trifft namenslose Alte, Wesen oder Menschen (!?). Er stirbt (S. 131), was für ein körperloses Bewusstsein schon schwierig sein dürfte, taucht aber in späteren Kapiteln wieder auf. Ab dem Kapitel Lähmung (S. 183) werden dann frühere Kapitel wortwörtlich wiederholt. Ein netter Gag, der Seiten füllt; mich als Leser ärgerte es. Die Begründung (S. 194) mit multiplen Universen klang gut, wurde im Roman aber nicht ausgeführt.
Durch das Nachwort des Verfassers (S. 239) lernte ich, dass ich anscheinend Gedanken im Text übersehen habe. Das diese Gedanken für den Verfasser wichtig sind, sei ihm zugestanden. Muss er aber diese so niederschreiben, dass sie mir entgehen? Und muss man zu jedem Gedanken überhaupt ein Buch schreiben?
Stil
Nun hätte eine schöne Sprache, ungewöhnliche Vergleiche oder anregende Wortwahl den Roman noch retten können. Fehlgriff: stattdessen rumpelt mir auf einer Seite (S. 15) sieben Mal das Wort "auch" entgegen; kein Einzelfall.
Ich rate niemand zur Lektüre des Buches Elihu.
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Wallner WallnerWolfgang Wallner F.: Elihu. Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit. St. Pankraz: JBL, 2004. 243 Seiten Dennett
Daniel Clement Dennett: Brainstorms: Philosophical Essays on Mind and Psychology. Bradford 1981. Taschenbuch, 353 Seiten wallner
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 5.11.2005