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Glauche
Lisa Glauche, Matthias Löwe: Tod an der Sparrenburg
Bielefeld: Pendragon, 2011. Taschenbuch, 278 Seiten – Sparrenburg LinksSparrenburg Literatur

Auf den Krimi Tod an der Sparrenburg von Matthias Löwe und Lisa Glauche kam ich durch einen Eintrag in einem Schachforum. Das Schachspiel eine gewisse Rolle.
Tod an der Sparrenburg folgt zahlreichen Mustern (man könnte sagen Klischees):
  • Seltsamer Mord (der tote Schwackmeier liegt mit dem Kopf in der Tomatensuppe) am Bankier Schwackmeier, den der Arzt und die Polizei (zunächst) als natürlichen Tod klassifiziert
  • Protagonist Bröker als Laie schöpft Verdacht und ermittelt, die Polizei (zunächst) nicht
  • Bröker ist ein Sonderling
  • ihm beigesellt ist ein skurriles Paar: Gregor, ein Computerhacker, und Anna, eine Kleptomanin
Allerdings überzieht das Autorenteam dabei nicht, nahezu alle bleiben in den Sympathiegrenzen.

Der Plot entwickelt sich Schritt für Schritt, folgerichtig und zumeist glaubwürdig. Brökers Bekannter, der Richter Palshöfer, wandert aufgrund Brökers Ermittlungen in Untersuchungshaft. Da muss Bröker am Ball bleiben. Er verfolgt jetzt mit Gregor als Unterstützer Spur für Spur.

Protagonist Bröker

ist 41 Jahre und aufgrund einer Erbschaft finanziell unabhängig.  Er ist Privatier und lebt in den Tag hinein. Somit könnte er aus einem Roman von Wilhelm Genazino stammen.
Seine Leidenschaft ist die Arminia Bielefeld (ein Fussballclub). Besser wäre es, wenn er dem Schachverein Rochade Bielefeld treu geblieben wäre, der sich 1990 dem Bielefelder Schachklub von 1883 angeschlossen hat und jahrelang in der Bundesliga (ich meine, es war die 2. BL) spielte.

Schach

nimmt keine bedeutende Rolle im Roman ein. Immerhin wird der Mordverdacht gegenüber Palshöfer dadurch motiviert, dass er jahrelang in der Bielefelder Stadtmeisterschaft zweiter hinter dem Ermordeten wurde. Am Tag des Mordes besuchte er Schwackmeier um die letzte Partie zu analysieren. Vor vielen Jahren war Bröker selbst im Schachverein und dadurch mit dem Ermordeten als auch dem Verdächtigen gut bekannt.
Reuben Fine, der große Berufspsychoanalytiker unter den Schachspielern der ersten Hälfte des 20. Jhdt., dient dazu das Motiv für den Mord zu untermauern (S. 130).

Atmosphäre
Der Hintergrund des Romans wird durch Bielefeld und Umgebung und Brökers Vorliebe fürs Essen, eine gute Flasche Wein und die Arminia Bielefeld bestimmt.
Allerdings wird das Atmosphärische für meinen Geschmack überzogen. Seitenlang wird beispielsweise beschrieben, wie Bröker ein Geburtstagsgeschenk für Gregor aussucht (S. 105-110).
Andrerseits wird das Lokalkolorit von berufeneren Lesern (ich war nur einmal in meinem Leben in Bielefeld) gelobt.

Stil und Komposition
Der Roman ist gut lesbar und hat einige bemerkenswerte Tupfer durch den beruflichen Hintergrund der beiden Autor*innen.
In einem Absatz erfolgt der Seitenhieb auf das „In Mathe war ich immer schlecht”-Phänomen (S. 66). Wer das äußert kann mit wohlwollener Zustimmung rechnen.
Fjodor Dostojewskij kommt mal kurz ins Gespräch und Leo Tolstoi wird als Vorlage genommen für:
„Alle wachen Tage waren für Bröker unterschiedlich, aber an allen müden Tagen war er auf dieselbe Art müde” (S. 194).
Das erinnerte mich an den Eingangssatz:
„Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche aber ist auf ihre Art unglücklich.“ (Leo Tolstoi: Anna Karenina).

Diese Augenzwinkerstellen belebten, so auch, wenn vermutet wird, dass für Bröker die schönste Seite Bielefelds die Imbissbude neben dem Bahnhof  ist (Gibt es die noch?).
Die dritten Zähne der verstorbenen Mutter Brökers dienten als Running Gag.
Bröker hört auch gerne Jazz, was eine Klammer um den Roman ergibt. Zu Beginn hört er gerne Miles Davis, Stan Getz und Louis Armstrong (S. 5), ganz am Ende eine Jazzversion der Goldbergvariationen von J. S. Bach (S. 277).
Was dem Krimi an Spannung fehlt, kompensiert (um einen Fachausdruck aus dem Schachspiel zu verwenden) er mehr als genug durch die lockere Schreibeweise.
Kleine Ungereimtheiten sollen da nicht stören.
  • Kurz nach dem Tod ihres zweiten Ehemanns und damit ganz kurz vor Handlungszeit mietet Linda Bollmann ein Landhaus und Bröker findet sie damit im Online-Telefonbuch (S. 156).
  • Bröker bestellt ein Pils und erhält Bier und Kaffee (S. 168f).
Der Krimi „Tod an der Sparrenburg” ist nur stellenweise spannend, entwickelt aber eine Sogwirkung. Durch Straffung wäre er noch prickelnder geworden. Wenn man ihn zuklappt hat man unterhaltsame Stunden verbracht.
Es gibt Folgebände und ich werde mindestens einen davon noch lesen, da es mich interessiert, ob und wie sich Bröker entwickelt. Es gilt also: Gerne wieder!
Links
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