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Lilo Beil: In kindlicher Liebe
St. Ingbert: Conte, 2018. Broschiert, 160 Seiten – Lilo LinksLilo Literatur
Sophie Dahm, Nichte von Charlotte Rapp, der Miss Marple von der Bergstraße, wird durch Telefonanrufe belästigt. Hinweise lassen vermuten, dass der Anrufer mit einer Serie von Morden an Frauen in der Region zusammenhängt. Charlotte schaltet ihren Lebensgefährten Ferdinand Guldner, pensionierter Kriminaler, ein. Beide ermitteln routiniert. Einige Fährten, die die Autorin legt, erweisen sich als falsch. Ziemlich am Ende zieht sie den Joker.
Die Stärken der Krimis von Lilo Beil liegen in den sympathischen Ermittlern (wenn man die Trinker oder aus anderen Gründen vom Dienst suspendierten Kriminaler aus anderen Krimis satt hat), dem Regionalkolorit und dem Thema unter dem viele ihrer Krimis stehen. Im vorliegenden Krimi In kindlicher Liebe ist es Mobbing und die zu große Vertraulichkeit, die Zeitgenossen in Schwierigkeiten bringt. Hier ist es die naive Sophie, die ständig auf Männer  hereinfällt, weil sie zu arglos auf jene zugeht.
Die Ermittlungen durch die Amateurin Charlotte und immerhin Ex-Profi Ferdinand halten die Leser immer wach, setzen sie aber nicht auf Hochspannung. Anflüge dazu kommen auf, wenn Spohie in kindlicher Unbefangenheit (obwohl sie um die vierzig Jahre alt ist) ihren neuen Auftraggeber, den ominösen, ihr völlig fremden Architekten  Gabriel Vonderheid in ihre Mobbingaffäre einweihen will (S. 57). Der Leser glaubt es kaum.
Die Verknüpfung einiger mysteriöser Telefonanrufe mit der Serie von Morden an Frauen (S. 64) mutet zunächst weit hergeholt an. Erst später (S. 67) erfahren die Leser von Charlotte oder Ferdinand, dass der Telefonstalker gegenüber Sopie auch von den Morden von Auerbach und Darmstadt gesprochen habe. Die beiden konnten dieses wichtige Detail nur von Sopie selbst erfahren haben. Ich blätterte zurück. Sophie hatte es im Text nie gesagt, also wohl „offline”, ohne dass dieses wichtige Indiz dem Leser mitgeteilt wurde. Seltsam.
Zum ersten Mal hielt ich den Atem an, als ein Treffen von Sophie in der Höhle des vermeintlichen Löwen Vonderheid arrangiert wird  (S. 112).
  • Eine lange Reihe prominenter Künstlerkollegen werden im Text genannt: William Shakespeare, Johann Heinrich Füssli alias Henry Fuseli, John Milton, Heinrich Heine, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Petrarca, Goethe, Hölderlin, Liszt, Eisler, Schubert, Ravel, Wolf, Jane Austen, Edgar Allan Poe, Monty Python, Martin Helmchen, Marcel Proust, ... Aber keine Angst, wenn die Liste bis Seite 46 abgearbeitet ist, bleibt es einige Seiten ruhig.
  • Es folgt noch die seitenlange Besprechung der Gemäldegalerie Vonderheids (S. 50-55). Ähnlich wie in Aquis Submersus von Theodor Storm hat ein Gemälde dieser Galerie einige Bedeutung für den Roman.
    Der Schrei der Mutter aus dem oberen Stockwerk rettet die Leser von den Bildbeschreibungen.
  • Und nochmals ein paar Prominente: "Das Lied vom Meer", gesungen von Dietrich Fischer-Dieskau nach Heinrich Heine (S. 62-64). Wenn ich es nicht überlesen habe, wird hier Franz Schubert nicht genannt, ist aber wohl gemeint. (Das Heine-Gedicht wurde auch von anderen Komponisten vertont.)
    Sofort sauste ich zum CD Regal mit der Schubert-Box mit 21 CDs mit 389 Liedern interpretiert von Dietrich Fischer-Dieskau. Ein Blick in den Index: „Das Lied vom .,..” ist da, aber nicht „Das Lied vom Meer”. Auch unter „Vom Meer” oder „Meer” nichts. Den Autorenindex hat sich die Deutsche Grammophon gespart. Dann halt nicht von Fischer-Dieskau, irgendwo in meinen CDs mit Schubert-Liedern wird es doch sein. Die Box mit Siefried Lorenz hat 9 CDs, davon eine mit den sechs Schubert-Liedern nach Heine. Doch wieder Fehlanzeige. Dann Suche im Web und siehe da: das Lied heißt „Am Meer” und ist im „Schwanengesang” eingereiht und ich kann es von vielen verschiedenen Interpreten anhören, darunter selbstverständlich auch von Dietrich Fischer-Dieskau. Bei den Heine-Gedichten wird es mit der Anfangszeile „Das Meer erglänzte weit hinaus” geführt. „Das Lied vom Meer” gibt es in diesem Zusammenhang nicht.
  • Doch nicht genug mit Heine und Fischer-Dieskau, bei dieser Gelegenheit wird noch Eduard von Keyserling draufgesetzt und darauf noch die Krone „Fontane des Baltikums” (S. 62) gesetzt. Jetzt ist auch noch der Theodor – nicht im Fussballtor – aber im Krimi untergebracht.
Manche Szenen kamen mir nicht recht glaubwürdig vor. Akzeptierbar noch die kunstbeflissenen Protagonisten. Sie kennen also die Rolle der Platée in Philippe Rameaus (jetzt ist der auch noch untergebracht!) gleichnamiger Oper (S. 87-88). Einverstanden.
Doch dass Charlotte Rapp und der versierte Ex-Kriminaler Ferdinand Guldner völlig ahnungslos keinen Zusammenhang sehen, als Sophie, die von einem Unbekannten – möglicherweise einem verflossenen Verehrer – drangsaliert wird, bei den gesungenen Zeilen „So hat sich Amor immer gerächt. Wie grausam ist Amor, wenn er gekränkt wird” bleich wird (S. 89), nehme ich nicht ab.
Nett und ganz in meinem Sinne geißelt die Autorin an etlichen Stellen die „läppische Beschörungsfomrmel” „Alles gut” (z.B. S. 80-81). Witzig nimmt sich die Autorin damit am Ende von Kapitel 16 selbst auf den Arm: „Und alles würde gut”.
Im insgesamt angenehm zu lesenden Krimi aus Südhessen wird am Ende natürlich auch alles gut.
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BeilLilo Beil - In kindlicher Liebe, @Conte
BeilDas Meer erglänzte weit hinaus. Text by Heinrich Heine (1797-1856)
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Beil Heinrich Heine: "Das Meer erglänzte weit hinaus"
Beil Eduard von Keyserling: Dumala
BeilTheodor Storm: Aquis Submersus

Dieser Artikel ist Teil einer Blog-Tour. morgen geht es weiter auf dem Blog der Vorleser unter http://dievorleser.blogspot.de,

weitere Termine entnehmen Sie der Infografik. Am Freitag gibt es ein Buchpaket mit allen drei Bänden der Charlotte-Rapp-Reihe zu gewinnen.
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