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Lilo Beil: Vielleicht auch träumen. Kriminalroman
St. Ingbert: Conte, 2016. Broschiert, 165 Seiten – Lilo LinksLilo Literatur
Eine zunächst unbekannte Ehefrau (später ergibt sich: Cornelia Waltz) sinniert über ihren Freitod, rutscht auf der Treppe aus und stürzt hinunter.
Durch die Todesanzeige wird ihre ehemalige Lehrerin (inzwischen pensioniert) Charlotte Rapp aufmerksam und es tauchen Zweifel am Unfalltod auf. Hauptkommissar Guldner schaltet sich ein. Die Fäden gehen zurück in die Schulzeit und einem mysteriösen Englandbesuch, genauer in Stratford upon Avon.
Wie in jedem ordentlichen Krimi taucht – allerdings erst nach der Mitte des Romans – unvermutet die zweite Leiche auf (es folgt noch eine dritte) und damit wird es straffer. Das den Taten unterliegende Beziehungsgeflecht verlangt Aufmerksamkeit der Leser, ist aber stimmig. Ob es zu Beginn Freitod, Unfall oder Mord war, sei nicht verraten.
Dass die wirkliche Spannung erst nach Seite 100 aufkommt, liegt an mehreren Faktoren.
  • Da der Abgang von Cornelia Waltz als Unfall angedeutet wird, aber offen bleibt, weiß man lange  nicht, ob man wirklich einen Krimi liest. Ist es vielleicht nur ein verwirrender Lokalroman (wie oft bei der Autorin in der Region, wo Hessen, Baden-Württemberg  und Rheinlandpfalz zusammenstoßen)?
  • Beginnend mit John Keats (S. 8) vergeht kaum eine Seite, in der nicht Namedropping betrieben wird: Rilke, Händel, Jimi Hendrix, Lady Di, um nur einige herauszugreifen; darunter auch Janis Choplin [sic!] (S. 31).
  • Zu viele verzögernde Einschübe: Beispielsweise blättert eine Luisa von S. 68 bis 76 in einem Buch mit Anleitung zum Freitod. (Hier versäumte es die Autorin die Namen Georg Büchner und/oder Arthur Schopenhauer fallen zu lassen. Jetzt habe ich mal das Namedropping übernommen.) Der Einschub entpuppt sich als Kurzerzählung der Cornelia, die von Charlotte gelesen wird. Beispielsweise wird fünf Seiten lang durch das Leben der Leichenauffinder Irene und Rainer Kolb geschweift (S. 90–95), zwei unwichtige Personen im Romanteppich.
Innerhalb des langen Einschubs mit Luisa kommt einmal Schmunzeln auf. Eine Freundin argumentiert mit ihrer übervollen Pinnwand gegen den Freitod: „Es gibt immer einen Termin. Da kann ich doch nicht aus dem Fenster springen?” Das erinnert an Henry Kissinger, den ehemaligen Außenminister der USA: „Nächste Woche kann es keine Krise geben. Mein Terminkalender ist bereits voll.“ Man könnte aber auch an Viktor Frankls Prinzip für den Sinn des Lebens denken: „Im Dienst an einer Sache oder in der Liebe zu einer Person erfüllt der Mensch sich selbst.“ Wer ein erfülltes Leben hat (angenommen, ein voller Terminkalender steht sinnbildlich dafür) hat gar keine Zeit an den Freitod zu denken.
Das Gute ist, dass man auch die ersten hundert Seiten in einer Sitzung liest und dann wird‘s ja spannend (abgesehen von der Malszene S. 127–133) und man bleibt dabei. Damit entsteht doch noch ein stimmiger Regionalkrimi.
Wer vorausgegangene Krimis der Autorin (oder auch von Martha Grimes) gerne gelesen hat, kommt auch bei Vielleicht auch träumen voll auf die Kosten.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 2.5.2016