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Lilo Beil: Die Reise des Engels
St. Ingbert: Conte, 2015. Broschiert, 194 Seiten – Lilo LinksLilo Literatur
Bei windigem Regenwetter passiert ein Mord auf  dem Friedhof von Schwanweiler in der Pfalz.  Wieder einmal ist der pensonierte Kriminaler Friedrich Gontard zur Stelle und beginnt mit seinem einstigen Mitarbeiter, dem jetzigen Kommissar Manfred Berberich, die Ermittlungen. Die beiden (schwerpunktmäßig aber Gontard) fördern zunächst verzweigte und komplizierte Familienaffären zu Tage. Viele im Ort erinnern sich an Jahrzehnte zurückliegende Ereignisse, aber auch an Namen oder Merkmale – die Leser merken es längst – die kurz zuvor erwähnt wurden.
Ungeklärte Mordfälle aus der Vergangenheit stehen im Mittelpunkt und erschweren durch ihre zeitliche Ferne, dass in der Erzählgegenwart wirklich Spannung aufkommt. Doch die Vergangenheit greift auch in das Leben der befragten Dorfbewohner ein. Allmählich rundet sich das Bild und Gontard liegt wieder einmal mit seinen Vermutungen richtig.
Wie bei allen Gontard-Krimis erhält das Umfeld der Kriminaler breiten Raum. Es werden aber auch interessante Themen angesprochen, wie die Rivalität zwischen Protestanten und Katholiken. Da liest man, wie Anna Gontard ihren Ehemann aufklärt: „Nein, Protestanten beichten nicht. Die kriegen nicht so leicht vergeben wie Katholen” und weiter: „Die tragen schwerer an ihrer Schuld. Nichts mit absolve te und alles ist vergessen” (S. 72-73). Just am selben Tag als ich das las begann Lilo Wanders (ein deutscher Schauspieler und Travestiekünstler) sein „Glaubensbekenntnis” in der Süddeutschen Zeitung mit derselben Überlegung: „Katholiken haben es im Leben ein bisschen leichter: Die stellen etwas an, gehen zur Beichte und dann ist alles wieder gut”. Protestanten tragen ihre Schuld ihr Leben lang herum und irgendwann kommt die Strafe. (SZ 4.4.2015, S. 53). In der Pfalz kommt Gontard, holt die Leichen aus dem Keller und führt die Mörder der Strafe zu.
Damit sich die gezogenen Strippen zusammenfügen muss die Autorin gelegentlich stark nachhelfen.
Manchmal hackt Gontard solange nach, bis sich die Leute endlich an das erinnern, was er schon längst vermutet hatte. Nach Jahrzehnten kann sich der Befragte nicht erinnern, welche Person er in einer diffusen Szene gesehen hat. Doch Gontard befragt ihn nochmals und plötzlich flutscht es: „Die Person war, glaube ich, eine Frau.” „Sie sind sich sicher?” (Ist er nicht, er sagte doch: „glaube ich”). „Ja, jetzt, wo sie [sic]  mich so direkt fragen, muss ich sagen: ja.” (S. 162–163) Das müssen die Leser schlucken.
Ganz dick wird es bei der Interpretation eines uralten kolorierten Gruppenfotos. Dreimal erkennt Gontard Fallentscheidendes aus den Blicken und Augen der Fotografierten. Man spürte beim Blick aufs Foto, dass Johannes die vor ihm stehende Agnes gerne umarmt hätte. Gontard liest weiter aus dem Ausdruck um Richards Mund Begierde und Hass. Und Hedda verrät durch ihren Blick, dass sie ebenfalls Agnes begehrte. Mit so hoch auflösenden Fotos, die sogar die geheimen Befindlichkeiten und sexuellen Vorlieben der Fotografierten festhalten, wird die Lösung einfach: „Fotos lügen nicht” (S. 174). Das scheint mir doch etwas weit herbeigeholt.
Die Reise des Engels besticht – wie alle Krimi um Friedrich Gontard – durch ein klug ausgedachtes Netz an Beziehungen und Antipathien des Romanpersonals und durch das Regionalkolorit. So erwartet die Leser ein anregende, kurzweilige Lektüre. Mitfiebern werden wohl nur die Wenigsten.
Links
BeilConte-Verlag
BeilBeil - Die Reise des Engels, Conte Verlag
BeilDie Reise des Engels – KRIMI-Spannung in und um Schwanweiler in der Pfalz , 4. 2. 2015
Lilo Lilo Beil
Literatur
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Beil BeilLilo Beil: Die Reise des Engels. St. Ingbert: Conte, 2015. Broschiert, 194 Seiten
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.4.2015