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Roentgen
Hans Peter Roentgen: Der Plotter. Ein Freiburg-Krimi
Saarbrücken: Conte, 2012. Broschiert, 232 Seiten – Plotter LinksPlotter Literatur
Der Plotter hat seinen Spitznamen daher, dass er seit Jahren Romane entwirft, aber nie einen fertig zu Papier bringt. Er wird in seiner Wohnung tot aufgefunden: erschlagen vom eigenen Bücherregal. Für die Polizei ist bald klar: Unfall, doch der Wohnungsnachbar Martin ist skeptisch und ermittelt selbst. Da stoßt er bald mit Kriminalbeamtin Juli Faller zusammen, diese wiederum wird von ihrem Chef drangsaliert.
Martin will Plotters zerstörten Laptop reparieren lassen, um mögliche Hinweise zu erhalten. Da wird der PC-Reparaturladen abgefackelt. Das kann wohl kein Zufall sein.
Im Laufe der verwickelten Handlung stimmt Juli Faller der Mordthese von Martin zu, doch ihr Chef will es den "Wagenburglern" zuschieben.
Neben diesen "Wagenburglern" spielen noch viele (zu viele!) politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen eine Rolle: die 68-ern, die RAF, die Inkorrekten,  islamistische Fundamentalisten, Fremdenfeindliche, rot-grüne Landesregierung, ...
Einige Gruppe und Begriffe sind im Anhang erläutern: ich stieß eher zufällig darauf. 
Lange Zeit sind die Zusammenhänge unklar, zu vieles bleibt offen, so ob der Plotter umgebracht wurde. Doch der Autor bringt dann fast alle Fäden zusammen und es ergibt sich ein stimmiger Plot mit Fransen. Am Ende kommt es noch zu einem spannenden Showdown.
Hans Peter Roentgen läßt die Haupthandlung im Freiburg 2011 ablaufen. Dabei bezieht er nicht nur viele politische Strömungen ein, sondern auch die Debatte um Hartz IV, Eva Hermann, Thilo Sarrazin und die Folgen und die Terrorattacke des Massenmörders Anders Breivik in Norwegen 2011. Das macht den Krimi topaktuell und gesellschaftsrelevant. Dass der Autor selbst nur behutsam Stellung bezieht liegt an der Konstruktion, die noch besprochen werden wird.
Vieles trägt aber weder zur Handlung noch zur Atmosphäre oder zu Gesellschaftskritik bei. Genannt seien die Abschweifung zum fiktiven deutschen Grossrechner [*]  (S. 37-38) oder die vielen zeitlichen Rücksprünge zu Jimmys jugendliches Vorleben. Weniger wäre sehr viel besser gewesen.
Aufbau und Struktur
Der Autor setzt konsequent auf den Wechsel der Erzählstimmen von Martin, einem 68-er, und Juli, der Kriminalerin. Das hat den Vorteil, dass man das Geschehen nahezu lückenlos aus den beiden Perspektiven mitbekommt. Allerdings ist das nicht ganz geglückt. Die Perspektiven wechseln zu häufig und oft ohne Grund und ohne zusätzlichem Erkenntnisgewinn. Der nahezu reine Dialog S. 182-183 könnte beispielsweise ebensogut unter "Martin" laufen.
Dieser Aufbau hat zur Folge, dass der Autor zu seinen vielen brisanten Themen kaum Stellung beziehen kann, ihm stehen nur die zwei Sprachrohre Martin und Juli zur Verfügung. Ganz behutsam gelingt es ihm dennoch.
Die Rückblenden auf Jimmy (den die Leser schnell als Haupttäter ausmachen) sind in diesem Ausmass übertrieben. Dass Jimmy eine verkorkste Kindheit und Jugend hatte wird schon bald nach wenigen Episoden klar.
Stil
Die beiden Erzählstimmen unterschieden sich charakterlich. Dialoge, Gedanken und Handlungsbeschreibung laufen dem Autor flüssig aus der Feder. Man liest den Krimi gerne.
Hinweis
Walter Mixa (S. 76) war Bischof von Augsburg, Kinderprügler, Geldveruntreuer und Militärbischof aber nie Kardinal.
[*] Obwohl ich seit 1965 mein gesamtes Berufsleben im Grossrechnerbereich absolvierte und dabei mit den größten EDV-Betrieben der deutschsprachigen Wirtschaft (VW, Datev, Banken, Mannesmann DV, Schering, Quelle, Post, Ciba-Geigy, OeMV, ...) im Kontakt stand, ist mir die geschilderte Episode nicht bekannt. Nixdorf sattelte schon bald auf Terminals um und spätestens nachdem Siemens im EDV-Bereich mit Hitachi zusammenging, träumte niemand mehr von einem deutschen Grossrechner, ausgenommen vielleicht einige VEB Kombinat Robotron Bastler in der DDR. Plotter zurück
Einige Einschübe ausgenommen ist Der Plotter ein kurzweiliger Krimi, der von Freiburg weniger das Lokalkolorit als die politische Atmosphäre mitbekommt. Viele gesellschaftliche Gruppierungen mischen mit, doch Gesellschaftskritik bleibt aufgrund der Romanstruktur weitgehend unterm Tisch. So wirkt die gut ausgedachte Krimihandlung damit aber überfrachtet.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 25.8.2012