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Streiter
Volker Streiter: Blutzeug: Kölner Kirchenkrimi
Meinerzhagen: Autoren-Feder Verlag. Taschenbuch, 268 Seiten – Volker LinksVolker Literatur
Durch die Medienberichte über die Verbrechen der römisch-katholischen Kirche an Kindern in ihrer Obhut erhielt dieser "Kirchenkrimi" besondere Brisanz.
In einem erzbischöflichen Priesterseminar ist Sebastian Nettelsheim der Beauftragte für die Priesteranwärter. Der Kardinal gibt ihm obendrein Sonderaufträge: er soll Affären innerhalb des Klerus der Diözese schnell und verschwiegen bereinigen. Diese Methode kennt man inzwischen  zur Genüge als innerkirchlich typisch wenn es um Verfehlungen oder gar Verbrechen geht.
Sebastian Nettesheim ist ein Erzkatholik. Die Bestrafung am Jüngsten Tag genügt ihm nicht. Daher veranlassen ihn seine Sonderfahrten selbst den Gerechtigkeitsgott zu spielen: eine üble Mordserie im Namen des Herrn beginnt.
Hierin folgt Blutzeug lange bekannten Strickmustern: ein Mord grausamer wie der andere. Trotzdem Nettesheim oft sehr dilettantisch vorgeht tappen die Ermittler lange im Dunkeln.
Doch da tritt der Seminarist Alexander Overstubb als Mitglied einer sektiererischen Marienverehrerorganisation auf den Plan, kurz darauf gibt es eine Tote innerhalb der Mauern des Seminars und der Krimi gewinnt enorm an Fahrt.
Der Autor und damit der Leser bleibt hart am Täter selbst. Man weiß nie genau, was Ermittler Herbert Osterkamp schon herausgefunden hat, wie nahe er und seine Mordkommission am Täter sind. Das ist reizvoll, zumal es noch einige Morde außerhalb des göttlich Beauftragten Nettesheim gibt. Obwohl also ziemlich viel an Toten, Motiven und Verbrechensarten hineingepackt ist, wirkt der "Kirchenkrimi" nicht überfrachtet. 
Überbordung gibt es aber aufgrund ausufernder Wiederholungen durch den Autor. Da wird beispielsweise zum x-ten Mal die Befindlichkeit und Motivation des Nettesheims ausgebreitet. Da in diesen Absätzen einige religionsbezogene Stichworte in Grossbuchstaben gesetzt sind erhält der Leser Leser ein Signal und damit den Vorteil, dass er darüber – optisch leicht unterscheidbar – hinwegspringen kann.
Einiges an der Handlung ist sonderlich oder schlecht gestrickt. Nur zwei Beispiele:
• Nettesheim schleicht ins Zimmer des Priesteranwärters Overstubb und entwendet dort einen aufgerissenen Briefumschlag. Er geht auf sein Zimmer, liest in der Bibel !), vergießt die Zeit und versinkt im Nichts (S. 154-155). Und der Brief?
• Die Entledigung der Leiche (S. 174-179) ist extrem stümperhaft; übrigens werden auch einige Morde recht amateurhaft durchgeführt. Warum die Ermittler nicht schneller auf die richtige Person kommen bleibt rätselhaft.
Einige Druck- und Schreibfehler ("Standart") weisen auf ein oberflächliches Lektorat hin.
Das Leben im erzbischöflichen Priesterseminar wird gut geschildert und man nimmt die jeweiligen Straftaten dem Autor durchaus ab. Durch die Verflechtung mehrerer Personen und Motive wird's nach dem Auffinden der Toten innerhalb der Mauern des Seminars ein spannender und runder Krimi. Erhebliche Straffung hätte dem Text gedient.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 11.10.2011