Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Arjouni
Jakob Arjouni: Happy Birthday, Türke. Ein Kayankaya-Roman
Zürich: Diogenes, 1987. Taschenbuch, 169 Seiten – arjouni Linksarjouni Literatur
Wie ich beim zuletzt gelesenen Krimi (arjouni Leo Malet: Bambule am Boul' Mich') schon anmerkte, beginnt auch Happy Birthday, Türke (nach einer Einstimmungsphase von über sechs Seiten) mit der schablonenhaften Beauftragung des Privatdetektivs durch eine junge Frau. Sie will den Mord an ihrem Mann geklärt wissen. Kemal Kayankaya hat gerade Geburtstag, doch nicht nur an diesem Tag säuft er unheimlich viel, wie der Leser bald merken wird.
Im zwielichtigen Milieu des Bahnhofsviertels in Frankfurt bewegt sich Kayankaya souverän. Er dringt in eine verzwickte Drogenszene ein. Der pensionierte Kriminaler, der so nebenher weiter ermittelt, ist hier eine Nebenfigur. Nach brutaler Ermittlungsarbeit wird binnen weniger Tagen alles geklärt.
Die Stärke des bereits 1985 erschienenen Romans, der inzwischen verfilmt wurde (arjouni Links), liegt in der Schilderung des Unterweltmilieus einer deutschen Grossstadt und dem saloppen Sound. Wenn man will, auch in der Schilderung der skrupellosen Umgangsformen, die manche Besprechungen Arjouni mit Raymond Chandler oder gar Dashiell Hammett vergleichen lassen. Nun, mir war Hammett immer schon lieber als der oft zu verworrene und schlägerische Chandler. Insofern ist das für mich kein Qualitätsmerkmal von Happy Birthday, Türke. Zudem habe ich ein psychologisches Problem, das vielleicht naiv ist: brutale Szenen, die ich Autoren für Los Angeles, New York oder Marseille abkaufe, stören mich am Main (wie hier) oder an der Isar.
Den trockenen Humor der US-amerikanischen Autoren kann man Arjouni nicht absprechen.
Gut bringt der Autor in kleinen Dialogen den Rassismus zutage: »Na, Mustaffa, was gibt's?« (S. 13). Der Roman ist flott erzählt. Manchmal zu flott, im Sinne von: zu dick aufgetragen. Mit einem Schmunzeln muss man es schlucken, wenn sich Kemal bei der Polizei als Botschaftsangehöriger ausgibt und durchkommt. Ähnliche Fälle gibt es zuhauf. Manchmal schießt der Autor eindeutig übers Ziel hinaus, so wenn Kemal in äußerst angespannter Lage der Klärung "nach einer bestimmten Melodie von Louis Armstrong" sucht (S. 151).
Locker zu lesender Roman aus der Frankfurter Unterwelt. Arjouni übernimmt – zugegeben: gekonnt – zahlreiche US-amerikanische Klischees. Es bleibt ein Vorbehalt: die persönliche Note des ermittelnden Türken ist zuwenig um Happy Birthday, Türke zu mehr als übliches Krimifutter zu machen.
Links
ArjouniJakob Arjouni
Verfilmung: Doris Dörrie: Happy Birthday, Türke! 1992
ArjouniBr-onlineArjouniFilmtipp Dieter Wunderlich
Literatur
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
arjouni arjouniJakob Arjouni: Happy Birthday, Türke. Ein Kayankaya-Roman. Zürich: Diogenes, 1987. Taschenbuch, 169 Seiten wicke
Rainer-Ernst Wicke, Jakob Arjouni: Literatur-Kartei: Happy Birthday, Türke! Literatur-Kartei zum Kriminalroman von Jakob Arjouni. Verlag An der Ruhr 2004. Ringeinband, 72 Seiten Arjouni
arjouniAnfang

Arjouni
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 28.3.2008