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Albert Sigl
Albert Sigl: die gute haut
München: Brehm, 1985. 150 Seiten – John Steinbeck BiografieJohn Steinbeck Literatur
Egon Eisenhardt ist der Dorflapp bei der Hopfenernte und auch sonst. Er hat einen Traum als Landfahrer und winkt den durchfahrenden Lastwagen und Bussen nach, bis eine Umgangsstrasse diese kleine Freude vereitelt. So bleibt ihm nur der alljährliche Ausflug mit der Landjugend und ganz schüchternen Begegnungen mit dem anderen Geschlecht. Doch dann kommt es zu Sodom und Gomorra in Altbayern und Egon lernt die Stripperin Meta kennen: wie er eine Aussenseiterin. Als Egons Mutter stirbt erbt er das verwahrloste Haus in Niederbayern. Er hebt seine Ersparnisse ab, holt Meta und will seine Träume verwirklichen. Doch die Zuhälter haben anderes vor.
Albert Sigl beschreibt in eigentümlichen Stil das Leben des guten Tors und läßt es fast biblisch enden. Er lernt schon als Kind, dass er zurückgeblieben und heruntergekommen ist. Seine Mutter mag ihn nicht. "Einmal hab ich mir einen Spiegel vor den Suppenteller gestellt. Hats mir gegraust" (S. 22). Rau geht es auch später in den Jagdszenen in Wirtshäusern und Nachtclubs zu. Egon lernt, daß Liebe "das ist, wenn mir eine nicht mehr aus kann" (S. 66).
Egon erinnerte mich nicht nur in der folgenden Szene an Lennie aus Steinbecks großartigem Of Mice and Men (John Steinbeck John Steinbeck: Of Mice and Men).
Wild und ohne Besinnung drückt der Egon dem Sepp die Gurgel zu. Der kann gar nichts mehr sagen, er giert bloß noch nach Luft, er bekommt die Hände nicht frei, weil sie im dicken Regenzeug stecken. Der Egon hört nicht auf. Jetzt merkt auch der Fremde, daß es ernst wird, springt vom Wagen und reißt den Egon weg. Jetzt liegt der Egon im Dreck. Der Sepp reißt ihn hoch und knallt ihm eine. Der Egon schüttelt sich, dreht sich um, macht patschend einige langsame Schritte durch den Matsch, seine Schritte werden schneller und er rennt los, den Hopfengarten entlang auf den Wald zu. (S. 43)
Krachen läßt es der Autor gerne, so wenn der Vater eine solche Wut auf die Politiker hat, "daß er schon seit drei Wochen keine Tagesschau mehr anschaut" (S. 142). Manchmal übertreibt es Sigl für meine Vorstellung von Altbayern: "Wer damit gar nichts im Sinn hatte vor lauter Angst, der schüttete dem anderen wenigstens Bier ins Gesicht und drosch ihn zärtlich zusammen" (S. 65).
Sehr zu empfehlen. Warum hat der Autor solange keinen Roman mehr geschrieben?

Biografie
Albert Sigl, * 8. April 1953 Landshut, aufgewachsen in Mirkshofen, Niederbayern
Studierte Elektrotechnik, dann Germanistik und Philosophie. Mitherausgeber einer Literaturzeitschrift, Offsetdruckerei, Kraftfahrer.
Nach den beiden Romanen Kopfham (1982) und die gute haut (1985) wirkte Sigl an Anthologien mit und verfasste Texte fürs Radio. Mitarbeiter an mehreren Literaturzeitschriften; lebt in Erding.
1979 Hungertchpreis der Galerie unter den Arkaden, Regensburg
1987 Stipendium Münchner Literaturjahr
2002 Stadtschreiber Erding
Weitere Veröffentlichung:
Kopfham. Feldafing: Brehm, 1982. 104 Seiten. Fotos: Axel Schlesinger, Angelika Klarl
Sonnham. Viechtach: Lichtung, 2005. Elfi Hartenstein Rezension
Über den Autor:
Hans Kratzer: "Reise nach Kopfham", Süddeutsche Zeitung 13.12.2003, S.56
Elfi Hartenstein Robert Roßmann, Hans Kratzer, Hg.: Stadt, Land, Wort. Bayerns Literaten: 22 Porträts
Albert SiglFoto des Autors
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derzeit (12/2003)
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sigl Albert SiglAlbert Sigl: Die gute Haut. München: Brehm, 1985. 150 Seiten Brigitta Rambeck
Beitrag von Albert Sigl in
Brigitta Rambeck. Weihnachtsüberraschungen. München: DTV, 2003. Broschiert - 223 Seiten Albert Sigl
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