Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Albert Vigoleis	Thelen
Albert Vigoleis Thelen. Die Insel des zweiten Gesichts Frankfurt am Main, Wien: Büchergilde Gutenberg, o.J., 915 Seiten – Thelen-Website – Thelen, Albert Vigoleis 28.09.1903-09.04.1989
Über 900 Seiten schrecken ab. Doch verstreute, schwärmerische Hinweise auf Die Insel des zweiten Gesichts liessen mich zu diesem Schmöker greifen.
Und hier ist nun der nächste begeisterte Aufschrei: Lesen, Leute!
Thelen erzählt seine Erlebnisse auf Mallorca vor dem zweiten Weltkrieg. Sie sind haarsträubend. Der Autor schildert in vielen Episoden von Schelmen und Schmuggler, von Huren, verkrachten Existenzen, Exilanten, Schriftstellern, Philosophen. Die Abscheu vor seinen Nazi-Widersacher nimmt man ihm voll ab. Auch auf die Kirche und den Krieg ist er nicht gut zu sprechen. Dies faßt er selbst prägnant zusammen: "Die Zehn Gebote Gottes gelten nicht in Gottes eigenen Kriegen" (S.898). Erstaunlich, die CSU-Forderung nach der deutschen Sprache für alle Ausländer ist eine alte Vorkriegsparole: "Man sei eine deutsche Gruppe, da brauche man kein fremdes Sprachgut um sich zu dulden, die Welt solle allmählich lernen, sich der deutschen Zunge zu bedienen, und wer schon auf deutschen Schiffen Gastrecht beanspruche, solle deutsch reden und nicht das, was die da parliere" (S.823). Über den Philosophen Max Scheler weiß Thelen zu berichten: "Ein Kommilitone tröstete mich. Er war eben bei Scheler im Staatsexamen durchgefallen, der ihn seinerseits mit dem phänomenologischen Ausspruch getröstet hätte: um ihn zu begreifen, müsse man Analphabet sein" (S.681).
Zurecht wird Thelens Erzählkraft mit Jean Paul verglichen. Auch mit Lawrence Sterne, was mich veranlaßt, den Tristram Shandy auf der Zu-Lesen-Liste weiter nach oben zu schieben.
Taschenbuchausgabe
bei Amazon nachschauen
München: DTV, 1999. Tb, 915 S.

Vigoleis Thelen

Albert Vigoleis	Thelen
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 6.3.2003