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Lenz
Siegfried Lenz: „Der Verzicht”
In: Siegfried Lenz: Erzählungen. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2006. S. 717–725
Siegfried LinksLenz Literatur

Siegfried Lenz schrieb die Erzählung „Der Verzicht” im Jahre 1960. Sie wurde zum ersten Mal 1962 im Almanach der Gruppe 47 1947–1960 als „Gelegenheit zum Verzicht” veröffentlicht. Ein Junge beschreibt wie ein Dorfpolizist im Nachbarort den letzten Juden „unserer hoffnungslosen Ecke Masurens“ holen läßt und ihn zum Arbeitsdienst am Massengrab begleitet.
Die Geschichte spielt im kalten Winter und im Winter der deutschen Geschichte. Als kranker Mann stellt sich der Polizist Heinrich Bielek heraus. Er wird von Magenkrämpfen gequält. Der Eisenwarenhändler Wilhelm Heilmann ergibt sich in sein Los, verzichtet sich dem Gefasstwerden zu entziehen und dann auch auf jegliche Flucht. Ja, er erleichtert dem gequälten Arier den Gang zum Massengrab, an dem er von einem anderen Schergen übernommen wird und Maschinengewehrsalven und Revolverschüsse die Vernichtung ankündigen.
Damit stellt der Autor zahlreiche Fragen zur Judenverfolgung der Nazizeit.
Hätte Wilhelm Heilmann wirklich sein Heil in der Flucht finden können? Steht er exemplarisch für die Juden, von denen einige behaupten, sie hätten sich ihrem Schicksal zu willig ergeben? Der  Eisenwarenhändler Heilmann wird oft betrogen: vom Alteisenhaufen holen die Leute unbeobachtet Teile und bringen sie vorne wieder zum Ankauf in den Laden. Sisyphus läßt grüßen oder ist es als Metapher für den ewigen Juden zu verstehen?
Der Polizist radelt am Beginn der Erzählung auf das Schulhaus zu. Er muss sich in der Spur halten, sonst stellt sich das Rad quer. Kann er also seinem Auftrag, den letzten Juden abzuholen, nicht entkommen? Sind seine Magenkrämpfe die Folge seines schlechten Gewissens?
Siegfried Lenz ist „ein Moralist, der sich stets hütet, in seinen Geschichten den Zeigefinger zu heben” (Marcel Reich-Ranicki: „Geleitwort”. Erzählungen, 2006. S. 12). Auch in dieser Erzählung verzichtet Lenz auf jede Moralisierung. er beschreibt in nüchterner Sprache.
Lenz macht die Geschichte zeitlos indem er einen Schüler als Erzähler andeutet. Damit sind drei Generatioen einbezogen: Heilmann und Bielek, den Heilmann schon als Kind kannte, und der Schüler, der sich dann aber zurückzieht und einem anonymen Erzähler Raum gibt. Der Schüler weiß aber genügend um den Sachverhalt 1960 in einer Geschichte zu überliefern.
Marcel Reich-Ranicki zählte die Erzählung „Der Verzicht” im oben genannten Geleitwort zu den herausragenden Erzählungen der Sammlung. Er nahm sie auch in seinen Kanonband Erzählungen auf, siehe Lenz Literatur.
Links
Lenz„Gelegenheit zum Verzicht” - Erzählung von Siegfried Lenz, Zeit Online, 11. November 1960
LenzDer verläßliche Erzähler Siegfried Lenz, Zeit Online, 15. Oktober 1965
LenzMartin Ahrends: "Lenz und die Freiheit. Am Sonntag erhält der Schriftsteller Siegfried Lenz den Friedenspreis des deutschen Buchhandels". Zeit Online, 7. Oktober 1988
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Reich-Ranicki Lenz Marcel Reich-Ranicki, Hg.: Der Kanon: Die deutsche Literatur. Erzählungen. 10 Bände und ein Begleitband. Frankfurt: Insel, 2003. Taschenbuch, 5700 Seiten
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