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Wagener
Nora Wagener: E. Galaxien
Saarbrücken: Conte, 2015. Gebunden, 146 Seiten – Nora LinksNora Literatur
Die E. Galaxien sind drei Erzählungen, drei Zustandsbeschreibungen von Erwin, Edgar und Eleonore.
In der ersten Erzählung „Erwins Galaxy” lesen wir den Gedankenstrom des Ich-Erzählers Erwin. Er beschäftigt sich mit dem Kaufhaus Galaxy und der Vermarktung des Erbes der Eltern, die vor kurzem verstorben sind. Wie langweilig er dabei vorgeht zeigt sich daran, dass die Eltern schon zwei Jahre tot sind, in denen sich nichts getan hat.
Alles Belanglose wurde in „Erwins Galaxy” gesagt, zuversichtlich beginne ich daher die zweite Erzählung „Edgar Adieu”: es konnte nur aufwärts gehen. Das dachte ich und wurde eines anderen belehrt. Edgar übertrifft Erwin an Erwartungslosigkeit noch. Nur einmal flammt Edgars Rebellentum auf: er überlegt, ob er im Hotel die Seifenspender leerpumpen soll. Er macht es nicht (S. 56). Das ist so ziemlich die Handlung. Edgars Selbstbeschreibung mündet in der Anweisung: „atmen, Edgar, atmen” (S. 62). Das erinnert an den Blondinenwitz, in der die Blondine über Kopfhörer in Endlosschleige die Anweisung „Einatmen, ausatmen!” erhält.
Gegenüber Erwin und Edgar sind Wilhelm Genazinos Phlegmatiker, dessen in den Tag hineinlebende Protagonisten, hyperaktiv.
Die dritte Erzählung „Eleonores Fuchsbau” lese ich nur noch, damit mir niemand vorwerfen kann: „Ja, die beiden ersten Erzählungen sind matt, aber die dritte! Die hättest Du lesen müssen!” Hätte ich nicht. Eleonore reiht sich gut an Erwin und Edgar an. Sie beschreibt ebenso gewissenhaft ihren langweiligen Alltag. Einem Blick in den Himmel schließt sie ab mit: „Der Herbst wird passieren” (S. 106). Wen juckt die holprige Voraussicht Eleonores? Nur ganz wörtlich gelesen passt die Feststellung: auch der Herbst wird in Eleonores Leben ereignislos vorüberziehen.
Leider benutzt die Autorin öfters schiefe Bilder (in einer Besprechung las ich verharmlosend: „verspielte Sätze”), wie: „Nur manchmal ist es möglich, minimal an nichts zu denken” (S. 63). Das ist nicht verspielt sondern Unfug. Ob man an nichts denken kann, ist zu bezweifeln. Man kann an das Nichts denken, aber wenn man nichts denkt, dann denkt man eben nicht. Wie das „an nichts denken” gehen soll ist mir schleierhaft. Doch völlig unmöglich wird der Satz durch das „minimal”. Nichts ist nichts, da gibt es kein weniger oder mehr, schon gar kein minimal. Mit der Sprache wird oft schludrig umgegangen wie man an der modischen, unsinnigen Steigerung „in keinster Weise” erkennt. Die Autorin reiht sich in diese Sprachschludrigkeit ein.
Das „Galaxien” im Titel ist reichlich übertrieben, es sind eher Schrebergärten. Erwin, Edgar und Eleonore vegetieren ungestört vor sich hin (wie es in der Verlagsankündigung zutreffend formuliert wird). Wer sich darin wiederfindet und darüber lesen will, greife zu. Allen anderen rate ich ab.
Links
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Wagener WagenerNora Wagener: E. Galaxien. Saarbrücken: Conte, 2015. Gebunden, 146 Seiten
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