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Schirach
Ferdinand von Schirach: Verbrechen. Stories
München: Piper, 2009. Gebunden, 205 Seiten – Ferdinand von LinksFerdinand von Literatur
Nach allem was ich vor der Lektüre wusste, war diese Sammlung schwer einordenbar. Doch der Untertitel "Stories" legt den Anspruch des Autors nahe, dass es keine Sachgeschichten, sondern kurze Erzählungen sind, die auf wirklichen Fallen des Autors beruhen. Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger, Schriftsteller und Enkel des NS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach.
Die Sammlung wurde beim Erscheinen hoch gelobt. Zu Recht, meine ich nach der Lektüre. Wenngleich: die erste Story "Fähner" bestätigte das Lob noch nicht. Sie ist zwar gut, aber ziemlich im Schwarz/Weiß-Schnitt. Doch der Autor steigerte sich.
Die besten Stories waren für mich diejenigen, in denen einiges offen blieb, wie "Tanatas Teeschale", "Notwehr" und "Glück".  Geschickt baut von Schirach überraschende Wendungen ein. Trotzdem das Geschichtenschreiben nicht sein Metier ist kann er sie gut konstruieren und an den richtigen Stellen Überraschungen einbauen.
Alle Geschichten profitieren von der Ungewöhnlichkeit der Tat und der Täter. Das Leben der Täter verlief oft auf der Schattenseite. Der Autor versteht es, beim Leser Empathie für die Täter zu wecken.
Allerdings gewohnt man sich mit der Zeit an die Art der Stories, stilistisch und handwerklich sind sie doch gleichartig. Mit der letzten Geschichte "Der Äthiopier" drückt der Autor nochmals auf die Tränendrüse und setzt einen gelungenen Schlusspunkt einer bemerkenswerten Sammlung.
Allen Geschichten ist zudem gemeinsam, dass sie den Befund über die Polizei- und Ermittlungsarbeit – vom Autor in "Summertime" dargelegt (S. 112) – widerlegen. Allerdings wählte von Schirach selbstverständlich seine Fälle aus den 5 % Nicht-Routine Fällen aus.
Das tätowierte "H-A-S-S" auf den Fingern in "Notwehr" (S. 121) kam schon 1953 in Davis Grubb: The Night of the Hunter (1955 mit Robert Mitchum verfilmt) vor.
Im Vor- und Nachsatz weist der Autor darauf hin, dass man sich alle Sachverhalte genauer ansehen soll.
Das Zitat von Werner Heisenberg lautet vollständig:
„Die Wirklichkeit, von der wir sprechen können, ist nie die Wirklichkeit an sich, sondern eine gewusste Wirklichkeit oder sogar in vielen Fällen eine von uns gestaltete Wirklichkeit.“ (Physik und Philosophie, Stuttgart: Hirtzel, 1959; wieder abgedruckt in Ordnung der Wirklichkeit, München: Piper, 1989, S. 59).
Der belgische Maler René Magritte wiederholte 1964 mit seinem „Ceci n’est pas une pomme“ unterschriebenen Bild eines Apfels den Erfolg mit seinem ähnlichen Abbild einer Pfeife. Es ist ein Spiel mit Sprache, Bedeutung und Auffassung.
Nach dem grossen Erfolg von Verbrechen schickte der Autor mit Schuld ein gleichartiges Buch hinterher. Ihm sei es vergönnt, den Erfolg zu wiederholen. Auf meiner langen Zu-Lesen-Liste steht es zunächst nicht.
Elf Geschichten um ungewöhnliche Kriminalfälle tischt uns der Autor und Anwalt gekonnt auf. In allen fragte man nach der Schuld (konsequenterweise Titel des Folgebandes des Autors) der Täter. Fast alle sind gut konstruiert und im Wesentlichen recht unparteiisch, wenn auch nicht ohne Empathie für die Täter, dargestellt. Manche Stories – und das sind die besten – geben den Lesern Rätsel auf. Mit fortschreitender Lektüre tritt ein Gewohnungseffekt ein.
Zur Lektüre zu empfohlen, wenn man sonderbare oder makabre Kriminalstories mag.
Links
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SchirachIm Gespräch: Ferdinand von Schirach - Verbrechen und andere Kleinigkeiten, FAZ, 18. 8. 2009
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Schirach Schirach Ferdinand von Schirach: Verbrechen. Stories. München: Piper, 2010. Taschenbuch, 205 Seiten Schirach
Ferdinand von Schirach: Verbrechen. Stories. München: Piper, 2009. Gebunden, 205 Seiten Schirach
Ferdinand von Schirach: Verbrechen. Stories. Burghart Klaußner, Sprecher. 3 Audio-CDs. DAV 2009 Schirach Schirach
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