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Storm
Theodor Storm: Aquis Submersus
In: Theodor Storm, o.J.: Sämtliche Werke. Essen: Magnus. 1405 Seiten. S. 872-905 – Theodor LinksTheodor Literatur
Der Autor des deutschen Realismus Theodor Storm veröffentlichte Aquis Submersus im Jahr 1876. Es sind die Jahren in denen ihm sein ältester Sohn Hans immer mehr entgleitet. Das schwierige Verhältnis zwischen Vater und Sohn spiegelt sich in  Aquis Submersus wider.
Storm gliedert den Text – wie sowohl bei ihm, als auch in der Gattung Novelle häufig – in eine Rahmen– und eine Binnenerzählung. Dazu gibt es eine lesenswerte detallierte Untersuchung in Feise (1938).
Rahmenerzählung
Der Ich-Erzähler der Rahmengeschichte ist von einem Bild eines Knaben mit der Inschrift C.P.A.S. fasziniert. Erst später findet er das Manuskript des Johannes aus dem 17. Jhdt., das zur Binnengeschichte wird.
Binnenerzählung
Der Kunstmaler kommt im Jahr 1661 von seiner Ausbildung in Amsterdam und erfahrt, dass sein Förderer Gerhardus gestorben ist, verblieben sind der Sohn Junker Wulf und dessen Schwester Katharina. Wulf beauftragt Johannes damit Katharina zu malen. Die beiden verlieben sich. Doch nach Wulfs Plan soll  Katharina einen Adligen heraten, den in der Nähe wohenden Junker Kurt von der Ritsch. Den hänselte Katharina als Kind wegen seiner Nase als "Buhz" (Bussard). Sie will ihn nicht heiraten und will eine entfernt lebende Verwandte zur Hilfe einschalten. Dieser Plan misslingt, Wulf hetzt seine Bluthunde auf Johannes. Dieser kann durchs Fenster in  Katharinas Kammer flüchten. Dort verbringt er die Nacht. Sie schmieden einen weiteren Fluchtplan. Johannes bittet kühn Wulf um die Hand  Katharinas. Doch Wulf schießt Johannes nieder. Der schwer Verletzte braucht Monate zur Genesung. Inzwischen ist Katharina weg. Johannes reist planmäßig nach Amsterdam und zieht später an die Nordsee.
Etwa nach fünf Jahren erhält Johannes den Auftrag ein Lazarus-Bild zu malen und dann auch noch den Auftrag den Prediger im Nachbarort zu porträtieren. Als er dorthin kommt erkennt er in dessen Frau  Katharina wieder. Sie teilt ihm mit, dass der etwa fünfjährige Knabe sein Kind ist. Während ihrer Aussprache und Wiederannäherung achten sie nicht auf das Kind. Es ertrinkt im Teich. Jetzt beauftragt der Prediger Johannes das Kind zu malen. Es entsteht das eingangs die Erzählung auslösende Bild mit der Inschrift C.P.A.S.: „Culpa partis aquis submersus” - Durch die Schuld des Vaters im Wasser ertrunken. Als Johannes fertig ist verabschiedet ihn der Prediger: „Gehet itzo! Aber gehet in Frieden; und möge Gott uns allen gnädig sein!"

Sprache
Die von Storm in der Binnenerzählung eingesetzte Sprache ist selbst für die (unbestimmte) Erzählzeit der Novelle altertümlich. Das Manuskript ist über hundert Jahre alt. Die Namen der Kontrahenten klingen düster: „Wulf” mit seinen „Bluthunden”, „Kurt” (Spitzname "Buhz"), die alte Bas Ursel.

Interpretation
Die Novelle Aquis Submersus ist weit mehr als die tragische Liebesgeschichte zwischen Johannes und Katharina.
Standeskluft
Storm thematisiert die Kluft zwischen Bürger (Kunstmaler Johannes) und den Adeligen (Wulf, Kurt, Katharina). Sie durch Heirat zu überbrücken misslingt. Bezeichnenderweise ist es Katharina, die sich an der Kluft nicht stört.
Frauenrechte
Tragisch ist, dass die weltoffene Katharina am meisten unter den Konventionen, zu denen auch die Unterwerfung der Frau gehört, leidet. Sie muss sich dem Willen des Bruders unterwerfen. Sie wird – vermutlich – während sich Johannes vom Schuss erholt, eingesperrt. Sie wird nur deshalb mit ihrem Balg vom Prediger geheiratet, weil dem dafür eine Pfarreistelle zugeteilt wird.
Neid des Adels
Junker Wulf hat alles ohne sein Zutun ererbt. Trotzdem scheint er Johannes von Anfang an nicht nachzusehen, dass dieser von seinem Vater gefördert wurde und damit sein Erbe geschmälert wurde: Neid des reichen Adels.
Religion & Gewalt
Als Johannes 1661 aus Amsterdam kommt durch quert er ein vom Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) zerstörtes Land. Dieser Religionskrieg und Machtkampf hat nicht nur das Land verwüstet, sondern auch die Sitten verrohen lassen. Das wird besonders an Junker Wulf deutlich, obwohl nicht klar ist, wieviel davon in seinem Charakter liegt. Wohl kommt dazu noch Wulfs Neid und Missgunst darüber, dass sein Vater Gerhardus der Gönner von Johannes war. Ausführlich kommt in einer Szene auch der Religionswahn in Form der Hexenverfolgung zur Sprache.
Schuld
Der wichtigste perönliche Strang ist die Liebe zwischen Johannes und Katharina. Der Standesunterschied (u.a. Ursachen) macht die Heirat unmöglich. Trotzdem kommt es zu einer Liebesnacht. Das erzwungene (durch Wulf und seine Bluthunde) Fensterl in Holstein gepaart mit Leichtsinn muss sich später rächen. Die Sünde – aus Sicht der Storm suspekten christlichen Kirche – muss gesühnt werden. Sie mündet in den tragischen Kindestot.

Form
Mit der Rahmenhandlung kann Storm die Leser auf Distanz zur düsteren und tragischen Handlung halten. Dazu kommt, dass die Binnenerzählung schon sehr lange zurück liegt. Andrerseits erzeugt Storm durch das rätselhafte Bild und der Inschrift eine angespannte Erwartungshaltung. Diese wir erst ganz am Ende, auf das die gesamte Novelle zuläuft, augelöst.
Symbolik und Vorauszeichen
Symbolik und Vorauszeichen in Aquis Submersus sind ein reichhaltiges Feld für literarische Studien, die ich hier nicht leisten möchte, sondern dem geneigten Leser überlasse.
Aquis submersus gehört nach Immensee und dem Schimmelreiter zu den anerkanntesten Werken Storms” (Grätz 2017, S. 204). Zurecht, denn es ist – wenn man sich an der absichtlich altertümlichen Sprache nicht stört – eine hervorragende Novelle.

Links
StormAquis submersus
Text online StormProjekt Gutenberg SpiegelStormProjekt GutenbergStormZeno
StormLibrivox Hörbuch, gesprochen von Christian Al-Kadi; Stormsehr empfehlenswert
StormTheodor Storm: Aquis submersus (Novelle, 1876) - Inhaltsangaben der Kapitel
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StormSabrina Meurer: Storm, Theodor - Aquis submersus - Interpretation der Novelle mit Bezugnahme auf die Gattungart sowie Epoche
StormZeitreise: Theodor Storms Novelle "Aquis Submersus", NDR 21.05.2017
StormDr. Christian Neumann: „Der Diskurs des Unbewussten in Storms Chroniknovelle »Aquis Submersus«“. Gastvortrag, 24.05.2014
StormTheodor Storm: Vom schwierigen Vater-Sohn-Verhältnis, DLF 19.03.2014
Storm Theodor Storm
Literatur
Arndt, Christiane (2005): „On the Transgression of Frames in Theodor Storm’s Novella »Aquis submersus«”. Monatshefte 97:4, S. 595-614.
Bergengruen, Maximilian (2012): „Etwas in Katharinas Augen. Zur biologischen Vorgeschichte in Storms ‘Aquis submersus’”. In: Johannes F. Lehmann, Roland Borgards, & Maximilian Bergengruen, Hg.: Die biologische Vorgeschichte des Menschen. Zu einem Schnittpunkt von Erzählordnung und Wissenstransformation. Rombach, S. 155-183
Feise, Ernst (1938): „Theodor Storms “Aquis Submersus”: Eine Formanalyse”. Monatshefte für deutschen Unterricht 30:5, S. 246-256.
Grätz, Katharina (2017):  „»Aquis submersus« (1876)”. In:
Christian Demandt, ‎Philipp Theisohn, Hg. (2017): Storm-Handbuch: Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart: Metzler. S. 201 – 205.
Kamla, Thomas A. (2003): „Transitoriness and Christian Transcendence in Storm’s Aquis Submersus”. Forum for Modern Language Studies 39:1, S. 27-52.
Stockinger, Claudia (2009): „Theodor Storm – ›Aquis submersus‹”. In: Heinz Ludwig Arnold, Hg.: Kindlers Literatur Lexikon. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart/Weimar: Metzler.
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Aquis StormTheodor Storm: Aquis Submersus. CreateSpace, 2013. Taschenbuch, 68 Seiten
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