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Herbert Bannert: Homer mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten
Reinbek: Rowohlt, 1979. 146 Seiten. rowohlts monographien rm 50272 – homer Autorhomer Linkshomer Literatur
Der Stand der Forschung, den Bannert nachzeichnet, gipfelt in der Homerischen Frage (homer Homerische Frage). Schon in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. befasste sich Theagenes von Rhegion mit Homers Epen. Die erste grosse Welle der Homer-Philologie brachte das 3. und 2. Jhdt. v. Chr. An der Bibliothek in Alexandria wirkten Zenodotos von Ephesos, Aristophanes von Byzanz und Aristarchos von Samothrake. Noch wurde die Ein-Verfasser-Theorie für Die Ilias und Die Odyssee nicht bezweifelt. Erst die sogenannten Grammatiker Xenon und Hellanikos verwarfen die Annahme eines einzigen Autors zu Beginn des 2. Jhdts. v. Chr (S. 40). Ein Wiederbelebung des Streits gab es durch Petrarca, der Homer Mitte des 14. Jhdts. neu herausgab (S. 40; homer Zitate Francesco Petrarca). Die Homerforscher zerfallen grob in Unitarier (im strengen Sinn: beide Epen sind von einem Autor; heute nur ein Minderheitenstandpunkt) und Analytiker. Sie versuchen die Frage zu beantworten: steht Homer am Anfang, als Schöpfer, oder am Ende, als Bearbeiter und Zusammenfüger?
Aus verschiedenen Gründen nimmt man heute an, dass Ilias und Odyssee von zwei verschiedenen Autoren stammen (S. 42). Dieser Position schließt sich Bannert an, im übrigen auch der Homerforscher Andreas Patzer. Die Odyssee wird dabei oft einem Homerschüler zugesprochen.
So spannend diese Fragen für die Altphilologen sind, der Leser interessiert sich für die Teile der Homerbiografie, auf die Bannert ab S. 50 ausführlich eingeht:
  • Komposition und dichterische Intention
  • Die Götter Homers
  • Die Werke
Zum Abschluss vergleicht Bannert noch die verschiedenen Homerübersetzungen.
Die einheitliche Struktur, die vielen Bezüge zwischen den Gesängen stützen die These, die beiden Epen stammen jeweils aus einer Hand. Bannert gibt dazu vier Belegstellen aus der Ilias (S. 65-68) und einige Verse der Odyssee (S. 68-69). Die wichtigen Kompositionsmittel wie formelhafte Sprache, typische Szenen, Gleichnisse und Wiederholung werden von Bannert gut erklärt. Der Leser wird gezwungen eine Situation mehrfach zu durchdenken, mittels des Vergleichs Analogien herzustellen (S. 81).
Wer die rowohlts monographien kennt, weiß, was ihn erwartet. Auf Selbstzeugnisse darf er freilich nicht hoffen, dafür eine rundherum gelungene Einführung in Homer und die zwei Hauptwerke Die Ilias und Die Odyssee, die ihm zugeschrieben werden.
Homer Anfang
Herbert Bannert
* 1950 Wien, Ao. Prof. am Institut für Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein der Universität Wien; mit den Arbeits- und Forschungsschwerpunkten: Homer und das griechische Epos, griechische Tragödie, Galen und die antike Medizin, Koordination des Forschungsprojekts zu Marsilio Ficino; Mitherausgeber der Wiener Studien. Zeitschrift für Klassische Philologie, Patristik und lateinische Tradition.
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Bannert HomerBannert, Herbert: Homer mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek: Rowohlt, 1992. 146 Seiten. rowohlts monographien rm 50272
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