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Zolghadr
Tirdad Zolghadr: Softcore
München: Süddeutsche Zeitung, 2010. [Softcore] Johann Christoph Maass, Übs. aus dem Engl. SZ-Bibliothek Metropolen Band 17. Gebunden, 201 Seiten – Tirdad LinksTirdad Literatur
Pop goes to Teheran
Der Ich-Erzähler stellt sich irgendwann als der Autor Tirdad Zolghadr selbst heraus. Er will in Teheran eine Galerie eröffnen und darauf läuft alles zu. Umfangreiche Vorbereitungen auf der ganzen Welt sind anscheinend nötig. Tirdad verfolgt sie aber nicht so konsequent wie sagen wir Babette in Tania Blixen: Babettes Fest. Doch Neil Diamond beispielsweise hätte er schon gerne als Gast zur Eröffnung dabei.
Was Tirdad eigentlich ausstellt blieb mir, bei all seinem pseudo-künsterlerischen Anstrich, unklar (und auch sonst einiges). Er agiert ziemlich chaotisch, angefeuert von der mondänen Stella, die anscheinend auf der ganzen Welt verstreut Wohnungen hat. Zudem ist er recht impulsiv (öfters wirft er was aus dem Fenster) und rastet manchmal regelrecht aus. Ohne erkennbaren Grund, oder doch: einmal wird die orientalische Seele als Grund genannt (S. 131).
Gerade rechtzeitig gerät Tirdad in die Fänge der Staatssicherheit oder eines Geheimdienstes (S. 41ff) und ich war richtig froh: endlich Pepp in dem elitären Geplänkel. Doch schon bald (S. 57) wird er mit seiner Freundin Mehrangiz entlassen. Von dem Zwischenfall bleibt, dass Tirdad, der immer mit dem Taxi fährt, jedesmal an denselben Taxifahrer gerät: den Breschnew-Typ. Doch direkt greift der Geheimdienst (leider) nicht mehr ein.
So verbringt der Ich-Erzähler weiter viel Zeit mit Kleidung und Reisen.
"Ich brauche zehn Minuten, um ein Hemd auszusuchen, das zu dem dreiteiligen Anzug passt, schlüpfe dann in Puma-Laufschuhe und rufe ein Taxi" (S. 138).
Oder er duscht zum dritten Mal am Tage, wählt ein safrangelbes Hemd und eine pinkfarbene fliegenäugige Sonnenbrille usw. (S. 183).
Bei allem Pop, Markennamen und neuester Technik benützen die Leute in Softcore auffalend viele Kassetten, ein Medium, das doch ziemlich passe erscheint.
Ganz am Ende nach der Eröffnung seines Ladens kommt noch ein Kapitel "Schließung", aber was da genau vor sich geht, entzog sich mir.
Die Beschreibung von Softcore fällt ähnlich schwer, wie die Teherans. Es ist, "als wollte man jemandem, der später dazukommt, einen stundenlangen hitzigen Disput während des Abendessens Buchstabe für Buchstabe nacherzählen" (S. 11-12). Ich nahm mit: Teheran ist eine chaotische Mehr-Millionenmetropole in der wohl pro Einwohner die meisten Nasenkorrekturen durchgeführt werden (ähnliches wusste ich schon). Es gibt eine abgeschirmte Oberschicht, die unabhängig von der regierenden, beherrschenden Islamistenschicht ist, aber gegen Verhaftung und Verhörung nicht gefeit ist. Statt Softcore enpfehle ich die Werke von Bellaigue, Ebadi, Gruber und Nafisi.
Vergleichsliteratur
Tirdad Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Portrait des Iran [In the Rose Garden of the Martyrs: A Memoir of Iran]
Tirdad Tania Blixen: Babettes Fest (nur sehr eingeschränkt vergleichbar)
Tirdad Shirin Ebadi, Azadeh Moaveni: Mein Iran. Ein Leben zwischen Revolution und Hoffnung
Tirdad Lilli Gruber: Tschador. Im geteilten Herzen des Iran [Chador. Nel cuore diviso dell'Iran]
Tirdad Christian Kracht: Faserland
Tirdad Azar Nafisi: Reading Lolita in Tehran. A Memoir in Books
Links
ZolghadrOmid Nouripour: "Sex, Drogen und Monotonie", Der Spiegel 6.7.2008
ZolghadrIngo Arend: "Glamorama in Teheran", der Freitag 1.08.2008
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Literatur
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Zolghadr Zolghadr Tirdad Zolghadr: Softcore. München: Süddeutsche Zeitung, 2010. [Softcore] Johann Christoph Maass, Übs. aus dem Engl. SZ-Bibliothek Metropolen Band 17. Gebunden, 201 Seiten Zolghadr
Tirdad Zolghadr: Softcore. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2008. [Softcore] Johann Christoph Maass, Übs. aus dem Engl. Taschenbuch, 224 Seiten Zolghadr
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.10.2010