Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Santis
Pablo de Santis: Die Fakultät
[Filosofia y Letras] Zürich: Union, 2002. Claudia Wuttke, Übs. Gebunden, 222 Seiten
Esteban Miró muß sich nach Abschluß seines Studiums eine Arbeit suchen. Über die Bekanntschaft seiner Mutter gerät er an den Literaturprofessor Emiliano Conde, der ihm einen Job im Institut für Nationale Literatur gibt. Sowohl der Job als auch das Gebäude (die Fakultät), in dem Esteban, der Ich-Erzähler, arbeitet sind äußerst ungewöhnlich. Man soll mit Vergleichen bei literarischen Besprechungen sparsam sein, doch hier läßt Franz Kafkas Das Schloß grüßen (Kafka Franz Kafka).
Professor entpuppt sich als Spezialist für den Dichter Homero [sic!] Brocca, der sich um Laufe des Romans immer mehr als mythische Fiktion entpuppt. Um seine Werke (fast alle verschollen) und sein Leben wetteifern einige Literaturspezialisten. Dann passiert der erste Mord ...
Pablo de Santis packt verschiedene Sujets in den kurzen Roman: Kritik am akademischen Literaturbetrieb, kafkaeske Personen und Umstände und Blaubarts Zimmer. So ist das Gebäude der Fakultät in seinen vier Stockwerken in einem unterschiedlichen aber doch durchweg jämmerlichen Zustand. Doch wie es sich gehört, haben sich die "Bewohner" daran gewöhnt.
"Kurz darauf kam ich mit zwei Tassen Nescafé und einigen Tütchen Zucker zurück. Wegen der rostigen Leitungen war das Wasser in letzter Zeit etwas dunkel. Ich hatte mich bereits an den Geschmack gewöhnt." (S. 24)
Zur Klärung des Mordes taucht Gaspar Trejo auf und der Hintergrund zu Homero Brocca wird immer verschwommener. Leider wird es erst im letzten Viertel richtig spannend.
Dabei ist es so, daß auch schon vorher besondere Dialoge – oft mit philosophischem Hintergrund – den Leser stutzig machen oder ergötzen.
»Ist der Nachtwächter sicher nicht da?«, fragte Novario.
»Er ist am Wochenende nie da. Es sei denn, er macht eine Ausnahme.« (S. 63)
Eine wichtige Rolle spielt das Sanatorium Spinoza, "ein Refugium für die brillantesten Köpfe, die die Realität nicht ertragen" (S. 96).
Wer – wie ich – Elias Canettis Die Blendung mag, wird an diesem kürzeren Roman ebenfalls sein Vergnügen haben.
Quizfrage im Text
Jorge frägt beim Klassentreffen: "was mich nicht umbringt, mach mich hart. Wer sagte das doch gleich?" (S. 32). nietzsche Hier ist die Antwort.
Erfreulich ist in der Hardcoverausgabe des Unionsverlags Zürich das Interview am Ende des Romans mit dem Autor und die, wenn auch extrem kurze Biografie der Übersetzerin Claudia Wuttke.
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Pablo de Santis   Pablo de SantisPablo de Santis: Die Fakultät. Zürich: Union, 2003. Broschiert, 188 Seiten. Claudia Wuttke, Übs. Pablo de Santis
Pablo de Santis: Die Fakultät. Zürich: Union, 2002. Claudia Wuttke, Übs. Gebunden, 222 Seiten Pablo de Santis

Pablo de Santis
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 20.7.2004