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hibiscus
Chimamanda Ngozi Adichie: Purple Hibiscus
[Blauer Hibiskus] London: Harper Perennial, 2005. Broschiert, 307 + 17 Seiten – hibiscus Linkshibiscus Literatur
Am Palmsonntag probt Jaja, der ältere Bruder der fünfzehnjährigen Ich-Erzählerin Kambili, den Familienaufstand: er geht nicht zur Kommunion und antwortet seinem Vater, der ihn zur Rede stellt, aufsässig. "Things started to fall apart", so beginnt der Roman mit deutlichem Bezug auf Chinua Achebe: Things Fall Apart (hibiscus Rezension). Vermutlich können diese Eingangsszene nur Ex-Katholiken richtig begreifen; die Leser des Romans Purple Hibiscus lernen sie im weiteren Verlauf, der nun in einem langen Mittelteil die Vorgeschichte erzählt, zu würdigen. Schon bald merkt man, dass mit dem schwerreichen Vater einiges nicht stimmt: er ist dogmatisch erzkatholisch, wird gegenüber den Familienmitgliedern handgreiflich, ist borniert und intolerant. Eine typische Begegenheit: die Mutter begrüßte einen einheimischen König mit dem traditionellen Bückling. Der Vater tadelt sie dafür: es sei sündhaft, sich vor einem Menschen zu verbeugen. Wenige Tage später, als die Familie einen Bischof besucht ist Kambili gelehrsam: sie kniet nicht nieder, sie küßt nicht den Ring. Im Auto gibt es eine körperliche Züchtigung (S. 93-94). Dieser Vater könnte aus "Mama Look a Booboo" sein:
"John!" "Yes, pa!" "Come here for a moment,
Bring de belt, you're much too impudent."
John says it's James who started first
James tells the story in reverse
I drag me belt from off me waist
You should hear dem screaming all round de place.
"Mama, look-a boo boo," dey shout
Harry Belafonte: Mama Look-A Boo Boo (Lord Melody), RCA 1957; siehe hibiscus booboo
Die beiden Kinder reagieren wie abgerichtete Automaten: sie sind psychisch defekt. Eine Wende erhält die Weltsicht der Kinder als sie von ihrer Tante Ifeoma aufs Land eingeladen werden. Ab hier gewann der Roman für mich an Fahrt. Kambili und Jaja lernen Tante Ifeomae relativ ungezwungene Kinder kennen. Sie schauen TV und lesen Bücher. Kambili greift sich The Interesting Narrative of the Life of Olaudah Equiano (S. 143; hibiscus Rezension) aus der häuslichen Bibliothek. Kein Wunder, dass nun der Stachel der Auflehnung in Jaja sitzt. Trotzdem Kambili noch mehr unter ihrem Vater zu leiden hat, ist sie anscheinend altersmässig noch nicht zum Aufstand bereit.
Vor dem Hintergrund des korrupten Nigerias beschreibt Chimamanda Ngozi Adichie die Gesellschaft im Umbruch innerhalb und außerhalb des Familienverbands. Zwischen den Zeilen rechnet die junge Autorin (*1977, Abba, Nigeria) mit der Verwestlichung des Landes und ihrer Einwohner ab. Der Vater lehnt ja die heimische Sprache und die traditionelle Religion ab. Adichie zeigt, dass beides keinesfalls schlechter als der Ersatz dafür ist.
Symbolisch nimmt Jaja von Tante Ifeoma blauen Hibiskus (im Original ist er "purple") mit und pflanzt ihn zuhause ein. Adichie bringt ihre Themen, dazu auch Kindsein, erste Liebe und Umbruch zum Erwachsensein, behutsam in das Geschehen ein. Nichts wirkt überladen oder herbeigeholt. Sie pflegt eine einfache Sprache. Zu Beginn jedes Abschnitts wird eine Traumsequenz geschildert. Diese Regelmässigkeit wirkt aufgesetzt; hier merkt man den Abschluß der Autorin in Creative Writing. Das ändert keine Deut an diesem großartigen Roman.
Die Würdigungen für Adichies ersten Roman sind gerechtfertigt:
Shortlist des Orange Prize 2004 (hibiscusOrange Prize for FictionhibiscusShortlist 2004)
The Commonwealth Writers' Prize: First Best Book (hibiscusThe Commonwealth Writers' Prize Winner of prize for best first book 2005)
Links
adichieThe Chimamanda Ngozi Adichie Website
Chimamanda Ngozi Adichie: adichieAuthor SpotlightgrantaGrantaadichieRandom House
adichieTim Neshitov: Nigerianische Erzählungen - Fast ein Gefühl wie Geborgenheit, SZ 29.05.2012
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Literatur
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Chimamanda Ngozi Adichie: Purple Hibiscus. London: Harper Perennial, 2005. Broschiert, 307 + 17 Seiten adichie
Adichie hibiscusChimamanda Ngozi Adichie: Blauer Hibiskus. Luchterhand 2005. Gebunden
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