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Hawthorne
Nathaniel Hawthorne: „The Birthmark”
Aus: The Hawthorne Treasury: Complete Novels and Selected Tales, S. 283-297 – Nathaniel LinksNathaniel Literatur
Die Kurzgeschichte „The Birthmark” erschien im März 1843 im Bostoner Magazin The Pioneer und wurde 1846 in die Sammlung Mosses from an Old Manse aufgenommen. Sie gehört zu den bekanntesten Werken des US-amerikanischen Erzählers Nathaniel Hawthorne (1804 – 1864).
Entgegen der ursprünglichen Absicht, die Kurzgeschichte „The Birthmark” schnell abzuhandeln, zeigte sich, dass es viele Ideen anspricht und eingehendere Beschäftigung verdient.
Hier das Inhaltsverzeichnis dieser Besprechung zur Übersicht und zum schnellen Ansteuern der Abschnitte:
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts suspendiert der Wissenschaftler Aylmer seine Forschungen und heiratet Georgiana. Erst dann wird er gewahr, dass ein Muttermal auf der linken Wange ihr ansonsten makelloses Ausssehen entwertet. Aylmer stuft seine Fähigkeiten hoch ein und fühlt sich befähigt das Mal zu entfernen. Georgiana hat ihr Mal bislang nicht als Makel empfunden (Aylmer offensichtlich auch nicht, denn er hat sie geheiratet; genau das spricht Georgiana ihm gegenüber auch aus) willigt aber ein, um ihrem Gatten zu gefallen.
Aylmer bringt sie in sein Laboratorium, das er seit seiner Heirat seinem Assistenten Aminadab überlassen hatte, und es gelingt ihm das Mal zu entfernen. Allerdings stirbt Georgiana aufgrund Aylmers Eingriff.

Hawthorne stellt in seinen Werken und besonders in „The Birthmark” den unbeschränkten Fortschrittsglauben seiner Zeit, den Machbarkeitswahn und den historischen Positivismus zur Diskussion / in Frage.


(Historischer) Positivismus


Der historische Positivismus ist eine philosophische Richtung des 19. Jhdts., die im 20. Jhdt. im logischen Positivismus und Neopositivismus neu erwachte.
Dieser Positivismus
  • betont die positiven Tatsachen aufgrund von Beobachtungen
  • weist gleichzeitig metaphysische Spekulation (z.B. Ursache - Wirkung, Wesen der Phänomene) zurück
  • verneint die Existenz oder die Verstehbarkeit von Kräften, die über die Tatsachen oder Naturgesetze hinausgehen (das wären metaphysische Spekulationen)
  • bekennt sich zur Idee des Erkenntnisfortschritts, die aus der Aufkärung kommt.
Nach dem Positivismus gehört auch der Bezug auf Ursachen und Zwecke in den Bereich der metaphysische Spekulation. Die Natur zeigt uns nur Ergebnisse, erkennt Aylmer (S. 287) und erkannten auch die Empiristen (Francis Bacon, John Locke). Die Rationalisten erweitert dies: mit den fünf Sinnen und der Vernunft kommen wir zu wissenschaftlichen Erkentnissen (René Descartes, Gottfried Wilhelm Leibniz, Immanuel Kant). Ein zentrales Anliegen der Aufklärung und des Positivismus war die Absage an Aberglauben und Magie.
Der Positivist Auguste Comte formuliert in seiner sechsbändigen Cours de philosophie positive (1826-1842) das Dreistadiengesetz (Nathaniel Links). Die Menschheit durchlaufe drei Stadien des Denkens:
  • theologisches,
  • metaphysisches,
  • positives Stadium.
Im positiven Stadium dominiert die Wissenschaft.
Herbert R. Ganslandt, Martin Carrier: "Positivismus (historisch)". In Mittelstraß 2015, S. 384–386


Während Anfang des 19. Jhdts. noch viele meinten, der menschlichen Erkenntnis seien keine Grenzen gesetzt, änderte sich das im Laufe des Jhdts.
Man lese dazu die berühmten Ignorabimus-Reden "Über die Grenzen des Naturerkennens" und "Die sieben Welträtsel" des Berliner Physiologen Emil Du Bois-Reymond von 1880, siehe »Ignorabimus« (Nathaniel Links).

Folgende Fragen – unter vielen anderen – stellen sich bei der Lektüre:
  • Soll der Mensch in die Natur eingreifen?
  • Sind die menschliche Kategorien von Perfektion und Schönheit auf die Natur anwendbar?
  • Reicht die Wissenschaft zur Erkenntnis über die Welt und deren Beherrschung aus?
  • Wie war das Verhältnis Frau – Mann damals und wie ist es heute?
Dabei steht der Autor den Entwicklungen in der Wissenschaft durchaus positiv gegenüber:
„the comparatively recent discovery of electricity and other kindred mysteries of Nature seemed to open paths into the region of miracle” (S. 283).
Mehr und mehr werden die Geheimnisse der Natur gelüftet, metaphysische Spekulationen und Wunder werden überflüssig. Diese Entwicklung ist dem Erzähler so wichtig, dass er sie zur zeitlichen Einordnung des Urknalls der Erzählung einsetzt.
Urknall der Erzählung
Aylmer stellt fest, dass die Liebe zu einer Frau („spiritual affinity”) verlockender ist als die Liebe zur Wissenschaft („chemical” affinity).
Zum Abschluss der Geschichte wird der Autor aber skeptisch.
Er stellt fest, dass es Aylmer an tiefgründiger Weisheit mangelte (S. 297). Dabei bleibt offen, ob Hawthorne meint, dass dieser höhere Zustand für uns Menschen unerreichbar sei, oder ob, positivistisch gedacht, Aylmer nur noch nicht soweit war.

In vielen Besprechungen dieser Kurzgeschichte werden Aylmer und Aminadab einander entgegen gestellt. Dabei wird Georgiana vernachlässigt. Ich sehe ein Dreieck der Protagonisten.
Handelnde

Aylmer

Aylmer wird im ersten Satz als Mann der Wissenschaft bezeichnet, in allen Zweigen der „natural philosophy” (S. 283) ausgezeichnet sachkundig.
Seinerzeit umfasste „natural philosophy” alle Naturwissenschaften. Isaac Newton nannte 1686 sein bahnbrechendes Werk Philosophiae naturalis principia mathematica. Aylmer war also im Bereich der Naurwissenschaften Universalgelehrter, ähnlich wie die Autoren, die aus seiner Bibliothek besonders hervorgehoben werden: Albertus Magnus, Cornelius Agrippa und Paracelsus (Nathaniel Aus der Bibliothek).
Aylmer verkörpert die Wissenschaft und vertritt die Haltung des Positivismus (Nathaniel Historischer Positivismus). Er unternimmt es selbstbewusst die Natur zu perfektionieren, üblicherweise nennt man dies Gott spielen.

Georgiana

Während Aylmer als Wissenschaftler eingeführt wird, kommt Georgiana im zweiten Satz als schöne Frau ins Geschehen. Kein Wort zu ihrer Vorgeschichte oder ihren Ansichten abseits von Aylmer und Muttermal. zurecht weist Judith Fetterley darauf hin, dass die Story mit umgekehrten Rollen (Frau will ihren Ehemann perfektionieren) nicht funktionieren würde (Fetterley 1991).
Kurz nach der Einleitung beschreibt der Autor das Muttermal auf Georgianas linken Wange und dessen Akzeptanz in einem langen Absatz.
Georgiana wird reduziert auf Frau und Schönheit und das Muttermal, das die Schönheit zerstört. Das Muttermal ist für Aylmer das Symbol für Sünde, Leid, Verfall und Tod (S. 285).
Dazu passt die Herausforderung und Verführung durch Georgiana:  „You have achieved great wonders. Cannot you remove this little, little mark, which I cover with the tips of two small fingers? Is this beyond your power, for the sake of your own peace, and to save your poor wife from madness?” (S. 286). Sie ist damit Schlange und Eva zugleich (1 Mos 3,6).

Doch Georgiana kann man auch als eigentliche Hauptperson der Erzählung ansehen.
Zwei Gedanken zur Stützung dieser Ansicht.
  • Während Aylmer den Fehler bei Georgiana erkennt und ausmerzen will, sie auf den Fehler reduziert, reagiert Georgiana auf die Fehler ihres Manns völlig andere. In der Bibliothek fälltes ihr wie Schuppen von den Augen: Aylmers wissenschaftlicher Ruhm beruht auf Fehlern. Georgiana verehrt ihren Mann aufgrund/trotz der Fehler umso mehr.
  • Ihre Rede kurz vom Tode ist generös mit einem ganz leisen Vorwurf zum Schluß: „you have aimed loftily; you have done nobly. Do not repent that with so high and pure a feeling, you have rejected the best the earth could offer.” (S. 298)

Aminadab

Eine Gegenfigur zu Aylmer ist Aminadab. Aminadab ist benannt nach einer biblischen Person (Nathaniel Links), ein Vorfahre Jesus. Sein Name läßt im Englischen, wie auch im Deutschen, „animalisch” assozieren.
Als Aylmer von der Liebe zu einer Frau ereilt wird, überläßt er das Labor einem Assistenten.
Hier bleibt noch unklar, ob dieser schon zuvor im Labor agierte oder ob Aylmer ihn jetzt engagiert, da er das Labor verlassen will. Dieser Umstand ist wichtig, wenn man den Verdacht hegt, dass Aminadab eine Laborkreatur sein könnte, siehe Nathaniel Aylmer und Frankenstein. Später wird klargestellt: Aminadab war während Aylmers gesamter wissenschaftlicher Laufbahn sein angestellter Arbeiter (S. 288)

Hawthorne formuliert den Gegensatz Aminadab zu Aylmer explizit:
Aminadab „seemed to represent man's physical nature; while Aylmer's slender figure, and pale, intellectual face, were no less apt a type of the spiritual element.” (S. 288)
(Wenn ich nichts überlesen habe, ist das die erste Beschreibung von Aylmers Aussehen.)
Bemerkenswert: der körperliche Aminadab ist Assistent / Angestellter / Diener des wissenschaftlich geistigen Aylmer.
Im Gegensatz zu Aylmer würde Aminadab das Mal nicht entfernen. Er akzeptiert den vermeintlichen Fehler. Man kann ihn daher als Aylmer moralisch überlegen ansehen.
Als der medizinische Eingriff entgleitet hört Aylmer das heisere Lachen Aminadabs und ganz am Ende hört er es wieder. Die Natur hat über den Intellekt gesiegt.

Aylmers Laboratorium
Im Laboratorium hatte Aylmer in seiner Jugend Entdeckungen gemacht, die in ganz Europa Bewunderung erregten und ihn zum Experten in jedem Zweig der Naturwissenschaften machten.
Das Labor ist weitläufig und wird mit fabrikmäßiger bis alchemistischer Ausstattung beschrieben: Rauch aus dem Heizkessel, Säure, Feuer, das den Eindruck erweckt seit langer Zeit zu brennen, Röhren,  Destillationsretorten, Schmelztiegel, ja sogar mit einer elektrischen Maschine.
Einen Teil des Labors hatte Aylmer für Georgiana in ein Boudoir umgebaut oder umbauen lassen. Dort hingen prachtvolle Vorhänge von der Decke bis zum Boden. Im übrigen Labor waren dagegen die Wände nackt und der Boden gepflastert.
Doch Wissenschaft ist seinerzeit und auch in Aylmers Labor mit Magie verbunden. Ein Beispiel: „he was confident in his science, and felt that he could draw a magic circle round her within which no evil might intrude.” (S. 288).
Hawthorne beantwortet kurz bevor Aylmer Georgiana ins Laboratorium bringt, schon die Frage, ob der Mensch in die Natur eingreifen soll, damit:
Die Natur erlaubt es uns zu stören, selten zu verbessern, keinesfalls, wie ein eifersüchtiger Patentbesitzer, zu schöpfen (S. 287).
Eigentlich ist aber die Natur (Sonne, Luft) weitgehend aus Aylmers Laboratorium ausgespart und als er ihr das beschleunigte Wachstum einer Blume vorführt, verwelkt diese rasch (S. 289). Ein böses Vorzeichen für das Leben im Laboratorium.
Aylmer & Erzähler als Wissenschaftler & Philosoph
Aylmer ist von der Wissenschaft besessen (Hawthorne Aylmers Besessenheit und Selbstüberschätzung). Diese Fragen stellen sich mir:
  1. Ist die Dichotomie Liebe zur Wissenschaft versus Liebe einer Frau glaubwürdig?
  2. Welche Einstellungen und Entdeckungen sind es, die Aylmer für Georgiana und die Leserinnen unheimlich werden lassen?
  3. Wie ist Aylmers wissenschaftliches Ansehen – nach allem, was der Autor den Leserinnen dazu preisgibt – einzuschätzen?

Zu 1.

Die Konkurrenz zwischen der Liebe zur Wissenschaft und der Liebe einer Frau wird – denke ich - zu ausschließend dargestellt. Ich sehe nicht, warum sie unvereinbar sein sollen und in „The Birthmark” sind sie es auch nur eingeschränkt. Zwar gibt Aylmer erstaunlicherweise sein Laboratorium auf um Georgiana zu heiraten, aber doch nicht ganz. Er überläßt es seinem Assistenten Aminadab. der es anscheinend am Laufen hält.
Gedanklich kehrt er aber bald ins Labor zurück und in seinem Traum ist er bei Aminadab im Labor und versucht das Muttermal zu entfernen.
Als er dann mit Georgiana ins Laboratorium einzieht ist von seiner Liebe zu Georgiana nicht mehr viel zu spüren, er ist besessen von seinem Vorhaben.
Es bleibt unklar, wie lange er dort im Labor die Operation vorbereitet.
Hawthorne selbst widerruft seine heraufbeschworene Dichotomie:

„He had devoted himself, however, too unreservedly to scientific studies ever to be weaned from them by any second passion. His love for his young wife might prove the stronger of the two; but it could only be by intertwining itself with his love of science, and uniting the strength of the latter to his own.” (S. 283)

Letztlich geht es auch um die intellektuelle Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie mag heikel sein, aber sie ist verwirklichbar. In „The Birthmark” scheitert sie allerdings.

Zu 2.

Folgende Überlegung wirft weitere Fragen auf
  • „We know not whether Aylmer possessed this degree of faith in man's ultimate control over Nature. ” (S. 283)
Die inhaltlichen Frage dieser Überlegung beantworte ich so.
Aylmer hat – ganz im Geiste des Positivismus – einen hohen Grad der Überzeugung, dass die Menschheit auf dem Weg zur Naturbeherrschung weitt fortgeschritten ist und letztlich die Kontrolle über die Natur erlangen wird. Siehe dazu Wissenschaftlicher Fortschritt und sein Kriterium unter Nathaniel Links.
Er hinterfragt das nicht, denn es heißt
»Macht euch die Erde untertan« 1 Mos 1,28.
Aylmer bezeugt mehrfach, dass nicht nur die Menschheit die Natur beherrscht, sondern er als Wissenschaftler dies kann. Das wird sich als Selbstüberschätzung erweisen.

Die oben zitierte Überlegung wirft weitere Fragen auf.
Warum benutzt Hawthorne hier den Pluralis Majestatis?
Ich lese das »wir« als Verbrüderung Hawthornes mit den Leserinnen.
Wieso weiß das der ansonsten allwissende Erzähler nicht?
Ich meine, dass Hawthorne zeigen will, dass wir nicht alles wissen.
Warum benutzt Hawthorne »faith« und nicht »belief«? Die Überzeugung der letzten Kontrolle über die Natur ist für Hawthorne eine Hybris, die zu einer glaubensähnlichen Überzeugung wird, daher »faith« und nicht »belief«.
Warm setzt Hawthorne bei »Nature« durchgehend einen Großbuchstaben? Ich meine, er drückt damit eine besondere Einstellung zur Natur aus. Sie wird durch das »N« – ähnlich wie das »G« in »God« dem Menschen entrückt, also entgegen der letzten Naturverfügung durch den Menschen.
NB. Während »Nature« 14 Mal verwendet wird, kommt »God« nicht vor.
  • „The higher intellect, the imagination, the spirit, and even the heart might all find their congenial aliment in pursuits which, as some of their ardent votaries believed, would ascend from one step of powerful intelligence to another, until the philosopher should lay his hand on the secret of creative force and perhaps make new worlds for himself.” (S. 283)
Vielleicht rekurrierend auf das Dreistadiengesetz von Auguste Comte postuliert der Erzähler (nicht Aylmer) ein Stufenkonzept des Intellekts. Ganz oben legt der Philosoph Hand an und wird zum Schöpfer neuer Welten. Vom Stufenkonzept ist auch Georgiana überzeugt.
  • „his spirit was ever on the march, ever ascending, and each instant required something that was beyond the scope of the instant before.” (S. 294)
Der natürliche Makel

Nach dem Urknall der Erzählung gibt es einen weiteren wichtigen Knall. Vor der Heirat hatte Aylmer das Muttermal kaum bemerkt, nach der Heirat aber erkennt er es als ungeheuren Makel und ist besessen, es zu entfernen. Was ist geschehen? Mit der Heirat gelangt Georgiana in Aylmers Besitz, unter seine Verfügungsgewalt und das verändert seine Einstellung völlig. Pingelige Personen (alles Frauen) störten sich schon zuvor am Muttermal. Aber der Erzähler sieht es nüchtern und vergleicht es mit der Marmorstatue „Eve Tempted” des amerikanischen Bildhauers Hiriam Powers von 1842 (Nathaniel Links), ein Jahr vorm Erscheinen der Erzählung. Wer meint, das Muttermal zerstöre Georgianas Schönheit, der müßte auch meinen, dass ein kleiner blauer Fleck, wie er manchmal im Marmor vorkommt, die Statue „Eve Tempted” zum Monster mache (S. 284).
Die Einstellung zum Muttermal liegt also beim Betrachter: „the birthmark takes on its character from the eye of the beholder” (Fetterley 1991). Das darf freilich nicht misinterpretiert werden als Bestätigung des Beliebigkeitsslogan „die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters”.
  • „It was the fatal flaw of humanity which Nature, in one shape or another, stamps ineffaceably on all her productions, either to imply that they are temporary and finite, or that their perfection must be wrought by toil and pain.” (S. 285)
Das ist nochmals eine Einstellung, die zwar nicht explizit Aylmer zugeschrieben wird, bei der Lektüre fasste ich sie aber ihm zugehörig auf. Die Natur versieht alle ihre Produktionen mit einem Stempel des Mangels, entweder um zu zeigen, dass sie zeitlich begrenzt sind (eine Art Verfallsdatum) oder dass Perfektion mit Mühe und Schmerz erarbeitet (beseitigt?) werden muss. Es erinnerte mich an: »Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen« 1. Mos 3,19.
Wenige Jahre später erschien 1859 On the Origin of Species von Charles Darwin und erklärte, wie sich die Mängel im Laufe der Evolution hatten durchsetzen können.
Siehe dazu: Mark Perakh: Unintelligent Design, unter Hawthorne Ergänzende Literatur.

Folgende Entdeckungen und Andeutungen lassen Aylmer für Georgiana und die Leserinnen unheimlich werden:
  • Aylmer behauptet („more than intimated”, S. 290), dass er ein Elixier vitae oder auch Elixier der Unsterblichkeit brauen könne.
  • Im Labor zeigt Aylmer einige Experimente, die freilich scheitern, aber die unheimliche Richtung seiner Forschungen belegen.
  • Aylmer ist dem künstlichen Leben auf der Spur (Hawthorne Aylmer und Frankenstein)
Georgiana zeigt über all dies Bewunderung und Furcht: „It is terrible to possess such power, or even to dream of possessing it” (S. 290).

Zu 3.

Wie bereits bei der Charakterisierung Aylmers oben ausgeführt, wird dieser im ersten Satz der Geschichte als Mann der Wissenschaft eingeführt, in allen Zweigen der „natural philosophy” (S. 283) ausgezeichnet sachkundig.
(Womit Aylmer wirklich sein Geld verdient kommt nicht zur Sprache.)
Die prominente Hervorhebung des Wissenschaftlers wird später mehrfach gestützt.
Mit seinen Entdeckungen zu den elementaren Kräften der Natur hatte er einst die Bewunderung der wissenschaftlichen Vereinigungen in Europa erregt. Die Royal Society in London wurde 1660 als eine der ersten gegründet. Schriften der Royal Society findet Georgiana auch in Aylmers Bibliothek (Nathaniel Aus der Bibliothek).
Aus dem Labor heraus hatte Aylmer die höchste Region der Wolken und die tiefste der Minen untersucht (Will Hawthorne das spöttisch verstehen? Der Naturwissenschaftler, der aus dem abgeschirmten Labor heraus, die Welt erkundet?). Er lotete auch den Prozess für das Meisterstück der Natur (gemeint ist wohl der Mensch) aus. Da erkannte er aber seine Grenzen und brach dieses Vorhaben ab. Er erkannte in echt positivistischer Manier: die Natur zeigt uns nur Ergebnisse, nicht das dahinter Verborgene (S. 287). Dem Positivismus zufolge gehört der Bezug auf Ursachen und Zwecke in die abzulehnende Metaphysik: sie zeigen sich eben nicht in der Natur; vergleiche dazu meine Seminararbeit: "Keine Funktion ohne Beobachter", siehe Nathaniel Links.
Doch wegen Georgiana nimmt Aylmer seine Unterungen wieder auf. Am gefährlichsten schätzte er seine Forschungen zum Lebenselixier ein; später nennt er es auch Elixier der Unsterblichkeit (S. 290).
Einigemal ergibt sich, dass Aylmer trotz allem zwischen Wissenschaft und Magie steht, vielleicht sogar näher an der Alchemie.
Erhellend dazu ist diese Passage:
„He handled physical details as if there were nothing beyond them; yet spiritualized them all, and redeemed himself from materialism by his strong and eager aspiration towards the infinite. In his grasp the veriest clod of earth assumed a soul.” (S. 292)

Selbst in Aylmers Labor geht es noch magisch zu. Aylmer widerspricht sich selbst: „he was confident in his science, and felt that he could draw a magic circle round her within which no evil might intrude” (S. 288).
Und einmal spricht Aylmer selbst von seinen tödlichen Fehlern (S. 289). Als Georgiana später sein Protokollbuch einsieht stellt sie fest, dass seine großartigen Erfolge fast ausschließlich Fehlschläge waren (S. 292). Wenn das zutrifft (kann Georgiana das beurteilen?) verstärkt es die Hybris Aylmers ins Extreme.


Aylmers Besessenheit und Selbstüberschätzung

Aylmer ist vorm Beginn der Erzählung eifriger und erfolgreicher Wissenschaftler und wirft dann alles hin um Georgiana zu heiraten, noch blind bezüglich des Muttermals. Doch kurz nach der Heirat nimmt er es als Schandfleck wahr und steigert sich hinein. Er sieht es als Symbol für die Belastung seiner Ehefrau mit Sünde, Leid, Verfall und Tod (S. 285). Es symbolisiert die Ursünde, die durch den Sündenfall Adams und Evas über die Menschheit kam, hier alleine Eva angelastet.
Er wird davon besessen. Schon am Morgen erwacht er und sieht das Zeichen ihrer Unvollkommenheit.
Seine düstere Vorstellungskraft übersteigert die Furcht vor dem Muttermal zum Entsetzen davor, das die Freude an Georgianas Schönheit  übertrifft. Er wird vom Gedanken es zu entfernen besessen: „I even rejoice in this single imperfection, since it will be such a rapture to remove it” (S. 289). Der sprichwörtliche Splitter in ihrem Körper läßt ihn die vielen Balken in seinem Charakter nicht sehen (Mt 7,3).
Motivation
Wenn man freilich im Laufe der Lektüre davon erfahrt, dass Aylmers wissenschftlicher Ruhm auf Sand gebaut ist, keimt die Vermutung auf, dass Aylmer so versessen auf die Entfernung des Muttermals ist, weil er seine wissenschatliche Reputation steigern oder festigen will. Wenn jemand krankhaft besessen ist, ist er oft entschuldig, da schuldunfähig. Wenn die These der Motivation zwecks Ruhmvermehrung richtig ist, gewinnt die Frage nach Aylmers Verantwortung mehr Gewicht.
Aylmer ist nicht nur besessen, sondern überschätzt sich auch gehörig, trotz der zahlreichen wissenschaftlichen Misserfolgen.
Überschätzung bezüglich seines Könnens und Wissens, das seiner positivistischen Grundeinstellung entspricht, und die er gerne gegenüber Georgiana ausdrückt:
  • „I am convinced of the perfect practicability of its removal.” (S. 286)
  • „doubt not my power” (S. 286)
  • „I feel myself fully competent to render this dear cheek as faultless as its fellow”. Dann – wenn er also den Makel korrigiert hat – wird er einen Rausch empfinden, nicht geringer als Pygmalion, als sich essen Figur in eine lebende Frau verwandelt hat (S. 286).
  • Aylmer glaubte, dass das lang gesuchte goldene Prinzip der Alchemie gefunden werden kann (S. 290)
  • Völlig unwissenschaftlich erklärt er den Ausgang seiner Forschung als völlig sicher (S. 292–293)
Gegenüber Aminadab gesteht er erstmals Scheitern ein, vielleicht weil die "menschliche Maschine" für ihn nicht so viel bedeutet:
  • „Now, if there be a thought too much or too little, it is all over” (S. 293)
Dann aber schränkt Aylmer auch gegenüber Georgiana ein, nicht ohne vorher nochmals auf den Putz zu hauen:
  • „I have already administered agents powerful enough to do aught except to change your entire physical system. Only one thing remains to be tried. If that fail us we are ruined.” und gleich darauf mit gesenkter Stimme „there is danger” (S. 294).
Er ist immer noch anmaßend sicher, auch wenn er es schwach einschränkt:
  • Das Gebräu (irgendwann schwenkt Aylmer vom chirurgischen Eingriff zum Zaubertrank über) ist perfekt, außer „all my science has deceived me” (S. 294).
  • „The draught cannot fail” (S. 295).
Dabei wird Aylmers Versagen mehrmals thematisiert.
  • Um Georgiana zu beruhigen und sie von ihren ersten Eindrücken im Labor abzulenken läßt er vor ihren Augen einen Lichtzauber los. Georgiana ahnt zwar die dahinterstehenden optischen Phänomene, trotzdem verstärkt das Lichtspiel ihre Überzeugung, dass ihr Ehemann Herrschaft über die geistige Welt hat. Inmitten des Spektakels lenkt Aylmer ihre Aufmerksamkeit auf ein Gefäß mit Erde aus der eine Pflanze schießt, die ihre Blätter entfaltet: eine perfekte Blume. Sobald Georgiana sie berührt fällt die Blume zusammen.
  • Nach diesem Fehlschlag läßt Aylmer eine eigene Erfindung folgen, eine Art Fotografie. Doch diese Vorführung endet noch erbärmlicher. Aylmer verdrängt die beiden Fehlschläge schnell. (S. 289)
    In den 1830-iger Jahren machte die Fotografie merkliche Fortschritte.
  • Noch niederschmetternder sind für  Georgiana ihre Entdeckungen in der Bibliothek. Sie erkennt Aylmers menschliche Fehlbarkeit, liebt ihn dadurch noch stärker, aber befreit sich etwas von seiner (zweifelhaften) Urteilskraft. Soviel er wissenschftlich auch erreicht hat, seine großartigen Erfolge zeigen sich beim Studium der Bände in der Bibliothek fast alle als Fehlschläge. Seine glänzendsten Diamanten erweisen sich als Kieselsteine. (S. 292)
Am Ende stellt sich die Frage, ob nicht der wissenschaftliche Ruhm Aylmers ganz auf Sand gebaut wurde.

Aylmer und Frankenstein

Der Wisssenschaftler Aylmer hat mit Frankenstein einiges gemeinsam.
Der Roman Frankenstein von Mary Shelley erschien 1818 wenige Jahre vor „The Birthmark”, das im März 1843 erstmals veröffentlicht wurde.
Aylmers Traum der Perfektion stimmt mit Victor Frankensteins Traum der Herrschaft über die Natur überein. Frankenstein will Leben erzeugen und Aylmer sucht nicht nur nach dem Elixier der Unsterblichkeit. Leicht zu überlesen ist, dass er schon früher versuchte ein weniger perfektes Geschöpf als es Georgiana ist zu erzeugen (S. 286). Er versuchte den Prozess der Natur ihr Meisterstück (gemeint ist der Mensch) zu ergründen. Doch legt er diese Forschung beiseite (hat das Vorhaben also nicht aufgegeben), als er erkannte, dass die Natur nicht alle ihre Geheimnisse preisgibt (S. 287).
Einige Anzeichen ließen mich bei Aminadab an Frankensteins Geschöpf denken. Aylmer spricht ihn als menschliche Maschine und Mensch aus Lehm („thou man of clay”, S. 293) an. Das assoziiert: „O Lord, you are our Father; we are the clay, and you are our potter; we are all the work of your hand.” Jes 64,8. Wir lesen von Aminadabs mechanischer Gewandtheit, während er unfähig ist auch nur ein Naturgesetz ( „principle”, S. 288) zu begreifen. Seine Stimme gleicht mehr dem Knurren eines Viehs als menschlicher Sprache (S. 290).
Elisabetta Marino von der Universität Rom geht zahlreichen Spuren von Mary Shelleys Frankenstein in Texten der USA nach (siehe Nathaniel Literatur). Sie untersucht die folgenden Erzählungen, die alle gemeinsam haben: ein waghalsiger Naturwissenschaftler, der sich über moralische Gesetze oder soziale Konventionen hinwegsetzt und seine Beziehung zu (s)einer Kreatur.
  • Nathaniel Hawthorne: „The Birthmark”
  • Nathaniel Hawthorne: „Rappaccini‘s Daughter”
  • Stephen Crane: The Monster
  • H.P. Lovecraft: „Herbert West: Reanimator”
Wissenschaftler in den Stapfen von Faust sieht Arthur B. Evans, Professor of Modern Languages, University in Greencastle, Indiana, in folgenden Werken (u.a.):
  • E.T.A. Hoffmann (1816): „Der Sandmann”
  • Mary Shelley (1818): Frankenstein, or the Modern Prometheus
  • Honore de Balzac (1822 oder 1824): Le Centenaire ou les deux Beringheld
  • Honore de Balzac (1834): La recherche de l’absolu, (dt. Die Suche nach dem Absoluten)
  • Nathaniel Hawthorne (1843): „The Birthmark”
  • Nathaniel Hawthorne (1846): „Rappaccini‘s Daughter”
  • Robert Louis Stevenson (1886): Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde
  • Robert Cromie (1895): The Crack of Doom
  • H.G. Wells (1896): The Island of Doctor Moreau
  • Jules Verne (1904): Maître du monde, (dt. Der Herr der Welt)
Siehe Evans (2009) (Nathaniel Literatur)
Zeitverlauf
Die Erzählung setzt ein mit einem Knall (siehe Nathaniel Urknall der Erzählung). Die Leserinnen erfahren nicht das Alter von Aylmer und Georgiana.
Aylmers äußert seine Bedenken zum Muttermal sehr bald nach der Heirat. Dann folgen Jahreszeiten des Nagens am Muttermalproblem, deren zeitliche Länge unbestimmt bleibt.
Nach Aylmers Traumerzählung und einer Aussprache trägt Aylmer seine Frau über die Schwelle des Labors in das von ihm eingerichtete Boudoir (siehe Nathaniel Aylmers Laboratorium). Die folgende Phase des Forschens und Experimentierens ist zeitlich nicht benannt. Vermutlich sind es Stunden, denn: „the hours which her husband found it necessary to devote to the processes of combination and analysis ...” (S. 291).
Zwei bemerkenswerte Abschnitte
Die Erzählung wechselt zwischen Handlung und reflektierenden Absätzen. Zwei Abschnitte müßten weiter untersucht werden, da sie mir überaus bemerkenswert erscheinen.
Mir fehlt jetzt leider die Zeit dazu. Hier sind sie für weitere Untersuchung durch die Leserinnen:
[Georgiana] „I might wish to put off this birthmark of mortality by relinquishing mortality itself in preference to any other mode. Life is but a sad possession to those who have attained precisely the degree of moral advancement at which I stand. Were I weaker and blinder it might be happiness. Were I stronger, it might be endured hopefully. But, being what I find myself, methinks I am of all mortals the most fit to die.” (S. 294–295)
Letzter Absatz der Erzählung
„Thus ever does the gross fatality of earth exult in its invariable triumph over the immortal essence which, in this dim sphere of half development, demands the completeness of a higher state. Yet, had Alymer reached a profounder wisdom, he need not thus have flung away the happiness which would have woven his mor- tal life of the selfsame texture with the celestial. The momentary circum- stance was too strong for him; he failed to look beyond the shadowy scope of time, and, living once for all in eternity, to find the perfect fu- ture in the present.” (S. 297)

Stil
Schon der erste Absatz und der folgende Satz zeigen die Könnerschaft Hawthornes.
Er führt den besessenen Wissenschaftler ein, den Assistenten und die schöne Frau. Das sind nicht nur die drei Protagonisten sondern gleich die dazugehörigen Klischees: der Mann als Intellektueller, der dazu eine Art Diener hat und die Frau verkörpert das Schöne. Der Wissenschaftler überredet die schöne Frau seine Ehefrau zuwerden. Er demonstriert seine Gewalt über sie und degradiert sie damit.
„The Birthmark” wird von einem nahezu allwissenden Erzähler vorangetrieben. Nicht immer ist es für die Leserinnen einfach zu trennen zwischen den Ansichten Aylmers und den Reflexionen des Erzählers über Aylmer.
„The Birthmark” erschien mir beim ersten Lesen zu hinhaltend. Ich erkannte schnell, dass Aylmer das Muttermal entfernen wird und dass dies nicht gut ausgehen wird.
Für beides gibt es überbordende Vorzeichen.
Die volle Qualität dieser Story erschloss sich mir erst bei mehrmaligem Lesen.
Insbesondere mit der Beschreibung des Laboratoriums gelingt es Hawthorne eine schaurige, unheimliche Atmosphäre aufzubauen.
Die Erzählung läßt durch überbordende Signale viele Fragen offen. Gerade das prädestiniert sie für mehrmaliges Lesen.


Aus der Bibliothek in Aylmers Laboratorium
(S. 291)

Die drei namentlich genannten Autoren in der Bibliothek in Aylmers Laboratorium
  • Albertus Magnus,
  • Cornelius Agrippa,
  • Paracelsus
stehen mit einem Bein in der Wissenschaft mit dem anderen noch in Alchemie, Magie und Astrologie. Alle drei waren bedeutende Gelehrte ihrer Zeit, Naturphilosophen und Okkultisten.

Albertus Magnus

* um 1200 in Lauingen an der Donau, † 1280 in Köln
Albertus Magnus wurden schon bald nach seinem langen Leben magische Kräfte zugeschrieben. Nach diesen Gerüchten verfügte er über zauberische Kräfte und besaß den Stein der Weisen.
Er war Universalgelehrter, vertrat einen empirischen Ansatz ohne religiöse Vorbehalte, war aber auch in religiösen Voraussetzungen gefangen. So hielt er die aristotelische Philosophie mit dem christlichen Glauben vereinbar.
Hans-Rüdiger Schwab: "Albertus Magnus". In Lutz 1995, S. 13–14.

Agrippa von Nettesheim

* 1486 in Köln; † 1535 in Grenoble
Agrippa trat für die Beschuldigten in Hexenprozessen ein, tadelte die Intoleranz und Tyrannei kirchlicher Würdenträger. Er wurde unter Papst Julius II. exkommuniziert, von Papst Leo X. rehabilitiert, geriet aber später wieder in Konflikt mit der Kirche. In seiner Schrift De incertitudine et vanitate scientiarum (Über die Unsicherheit und Eitelkeit der Wissenschaften) widerrief er einige seiner Lehren. Er argumentierte gegen Magie, Alchemie und Aberglauben, aber auch gegen die weltlichen Wissenschaften.
Christian Thiel: "Agrippa von Nettesheim". In Mittelstraß 2005, S. 50–51

Paracelsus

* 1493 oder 1494 in Egg, Kanton Schwyz; † 1541 in Salzburg
Schweizer Arzt, Naturphilosoph, Alchemist, Astrologe; starb vermutlich an einer Quecksilbervergiftung. Paracelsus galt als Fachmann für Quecksilbertherapie.
Paracelsus ist der Schöpfer einer Philosophenmedizin. Alle Heilkunst hat ihren Grund in der Erfahrung.
Christian Thiel: "Paracelsus". In Mittelstraß 2015, S. 86–89

Mönch, der den "Brazen Head" schuf

vermutlich Roger Bacon, * um 1220, nahe Ilchester in Somerset; † kurz nach 1292 in Oxford.
Franziskaner und Naturphilosoph, genannt Doctor mirabilis.
Roger Bacon war Befürworter empirischer und experimenteller Methoden, die magische Methoden mit einschlossen. Er lehrte zur selben Zeit wie Albertus Magnus in Paris.
Der bronzene Kopf gilt als Symbol gefährlichen Wissens. Er war fähig, an ihn gestellte Fragen, korrekt zu beantworten.
Jürgen Mittelstraß: "Roger Bacon". In Mittelstraß 2005, S. 343–345

Royal Society

Akademie der Wissenschaften des Vereinigten Königreiches für die Naturwissenschaften, gegründet 1660.
Die erste vergleichbare Akademie in den USA ist die American Academy of Arts and Sciences. Sie wurde 1780 gegründet, und hat ihren Sitz in Cambridge, Massachusetts.
Diese Gesellschaften waren für den Fortschritt der Wissenschaften wichtig:
„The pillars of the scientific community were the societies–where research could be debated and published–and the research facilities such as museums, surveys, and university departments.”
Peter J. Bowler: Evolution: The History of an Idea, Third Edition, Completely Revised and Expanded. Berkeley: University of California Press, 2003, S. 106.


Fazit
Wie die Besprechung zeigt, stecken in „The Birthmark” viele Fragen. Antworten werden den Leserinnen überlassen, ähnlich wie das Schicksal Aylmers nach Georgianas Tod.
Schon in der Einleitung gibt der Erzähler eine Zusammenfassung der Kurzgeschichte in einem kurzen Satz:
„Such a union accordingly took place, and was attended with truly remarkable consequences and a deeply impressive moral” (S. 283)
Die beeindruckende Moral von der Geschichte muss jede Leserin für sich selbst ziehen.
Zum Schluß der Handlung wird es ironisch. Aylmer: „My peerless bride, it is successful! You are perfect!” Kurz darauf stirbt Georgiana. Eingriff gelungen, Patient tot. Oder: „how to murder your wife and get away with it” (Fetterley 1991). Die Frau wurde zum Opfer der Perfektionssucht des Mannes. Nur eine tote Frau ist perfekt oder umgekehrt.
„The Birthmark” enthält mehr als ich beim erstenmal Lesen vermeinte. Es ist Hawthornes Faust.

Bezüge auf Bibelstellen


Realismus und Naturalismus

Auf Hawthorne"Realism and Naturalism" werden folgende vier Stories als exemplarisch herausgestellt:
Realismus
Naturalismus
Weitere Vergleichsliteratur
Edgar Allan Poe: „The Oval Portrait”
Links
HawthorneThe Birthmark (Wikipedia)
HawthorneThe Birthmark by Nathaniel Hawthorne - Study Guide – Birthmark
HawthorneThe Birth-Mark by Nathaniel Hawthorne - Study Guide (Gradesaver) – Birthmark
Text online: HawthorneColumbia.eduHawthorneFeedbooks

HawthorneAgrippa von Nettesheim
HawthorneAlbertus Magnus
HawthorneAmerican Academy of Arts and Sciences
HawthorneAmminadab
HawthorneAylmer’s Motivation in Nathaniel Hawthorne’s “The Birthmark”
HawthorneRoger Bacon
Nathaniel Honoré de Balzac
HawthorneBrazen head
HawthorneAuguste Comte
HawthorneDreistadiengesetz
Hawthorne E.T.A. Hoffmann
HawthorneEve Tempted
Hawthorne»Ignorabimus«
Nathaniel Keine Funktion ohne Beobachter
HawthorneKontrolle über die Natur
HawthorneParacelsus
HawthorneUlrich Wille: Positivismus
HawthornePygmalion
HawthorneRealism and Naturalism
HawthorneRoyal SocietyHawthorneRoyal Society (Wikipedia)
Nathaniel Robert Louis Stevenson
HawthorneWissenschaftlicher Fortschritt und sein Kriterium
Hawthorne Nathaniel Hawthorne
Hawthorne Nathaniel Hawthorne: Kurzgeschichten
HawthorneAusgewählte Links zur Kurzgeschichte – Short Story

Literatur
Evans, Arthur B. (2009): „Nineteenth-Century SF”. In: Mark Bould, Andrew M. Butler, Adam Roberts, Sherryl Vint, Hg.: The Routledge Companion to Science Fiction, London: Routledge, 2009.  S. 13–22.
Fetterley, Judith (1991): „Women Beware Science: »The Birthmark«”. In: Albert von Frank, Hg.: Critical Essays on Hawthorne's Short Stories. Boston: Hall. S. 164–173.
Haitos, Alexander Nicholas (2015): „Pitfalls of Perfection: Rethinking Hawthorne’s Treatment of Science and the Danger of Extremes in »The Artist of the Beautiful« and »The Birthmark«”. Master of Arts. A & M University, College Station, Texas. – online verfügbar
Kalač, N. Individuality as a Force for Destruction in Nathaniel Hawthorne‘s “The Ambitious Guest”. International Burch University. 16 Seiten
Lutz, Bernd, Hg. (1995): Metzler Philosophen Lexikon. Von den Vorsokratikern bis zu den Neuen Philosophen. Stuttgart, Weimar: Metzler.
Marino, Elisabetta (2020): „Frankenstein and Its American Progeny”. In: Maria Parrino, Alessandro Scarsella, Michela Vanon Alliata, Hg.: Mary Shelley’s Frankenstein, 1818-2018. Cambridge, 2020. S. 93 – 103.
Mittelstraß, Jürgen, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Stuttgart: Metzler.  Bd. I (2005) – Bd. VI (2015)
Resetarits, C. R. (2012): „Experiments in Sex, Science, Gender, and Genre: Hawthorne’s “Dr. Heidegger’s Experiment,” “The Birthmark,” and “Rappaccini’s Daughter””. Literary Imagination 14:2, S. 178-193.
Rosenberg, Liz. (1993): „’The Best That Earth Could Offer’: ‘The Birth-Mark,’ A Newlywed’s Story”. Studies in Short Fiction 30:2, S. 145-151.
Shelton, Olivia. (2020): „Hawthorne’s Beautiful Women and Hideous Men: Ecofeminism in “The Birthmark” and “Rappaccini’s Daughter””. Scholars Week 2, 11 Seiten
Yu, Joseph. (2010): „ Alchemy, Imagination, and Hawthorne’s “The Birth-mark””. Tamkang Review 40:2, S. 1-17.
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Hawthorne Hawthorne Nathaniel Hawthorne: Mosses From an Old Manse and Other Stories Annotated. Independently 2021. Paperback, 245 Seiten
Hawthorne HawthorneNathaniel Hawthorne: Mosses From an Old Manse. Independently, 2020. Paperback, 236 Seiten
Hawthorne HawthorneA Study Guide for Nathaniel Hawthorne's "The Birthmark". Gale, 2017. Taschenbuch, 48 Seiten
Hawthorne
HawthorneThe Birthmark: Includes MLA Style Citations for Scholarly Secondary Sources, Peer-Reviewed Journal Articles and Critical Essays. CreateSpace, 2016. Taschenbuch, 58 Seiten
Hawthorne HawthorneNathaniel Hawthorne: Short Stories. Dux, 2020. Taschenbuch, 245 Seiten
Hawthorne HawthorneNathaniel Hawthorne: Collected Tales. Independently, 2020. Taschenbuch, 620 Seiten
Hawthorne HawthorneNathaniel Hawthorne: The Short Stories.  Independently, 2020. Taschenbuch, 245 Seiten
Gothic HawthorneThe Greatest Gothic Classics: Frankenstein, The Castle of Otranto, St. Irvyne, The Tell-Tale Heart, The Phantom Ship,  The Birth Mark, The Headless Horseman, u.v.a.
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Ergänzende Literatur

Newman HawthorneWilliam R. Newman: Promethean Ambitions: Alchemy and the Quest to Perfect Nature. University of Chicago Press, 2004. Gebunden, 333 Seiten
Parrino HawthorneMaria Parrino, Alessandro Scarsella, Michela Vanon Alliata, Hg.: Mary Shelley’s Frankenstein, 1818-2018. Cambridge, 2020. Gebunden, 264 Seiten
Perakh HawthorneMark Perakh: Unintelligent Design. Amherst: Prometheus, 2003. 459 Seiten
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