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Straub
Peter Straub, Hg.: American Fantastic Tales
Bd.1 Terror and the Uncanny from Poe to the Pulps – Bd.2 Terror and the Uncanny from the 1940's to Now
New York: Library of America, 2009. 2 Bde. Gebunden, 1459 Seiten – Peter LinksPeter Literatur

Kurzgeschichtenverzeichnis
Kate Chopin: „Ma'ame Pelagie”
Ralph Adams Cram: „The Dead Valley”
Mary E. Wilkins Freeman: „Luella Miller”
Charlotte Perkins Gilman: „The Yellow Wall Paper”
Henry James: „The Jolly Corner”

Charlotte Perkins Gilman: „The Yellow Wall Paper”
Gleich nach der Entbindung verbannt ein Arzt seine Frau in ein Zimmer mit gelber Tapete. Sie müsse sich ausruhen ist sein "Rezept". Doch die namenlose Frau verfällt in der Einsamkeit. Die Tapete wird ihr lebendig und sie verfällt in den Irrsinn.
Charlotte Perkins Gilman lässt ihre Hauptfigur namenlos: die Plage und Unterdrückung der Frau trifft – zumindest potentiell – für jede Frau zu.
GilmanNamenlose Protagonisten

Kate Chopin: „Ma'ame Pelagie”

Ralph Adams Cram: „The Dead Valley”
Zwei 12-jährige Buben kaufen sich am weit entfernten Markt einen kleinen Hund. Auf dem Rückweg über die Berge verbummeln und verlaufen sie sich und kommen ins Tal des Todes.
Die Story lebt von der atmosphärischen Beschreibung. Zwischendrin erwartete ich Tiefgang (ein kleiner Hund könnte den Beelzebub verkörpern), aber dieser blieb aus: Cram will beim Leser den horror-artigen Schauer erzeugen. Das gelingt ihm grossartig.
Bemerkenswert
  • erscheint dem heutigen Leser, dass die Zwölfjährigen zum Marktgang ihre Gewehre mitnehmen. Sie übernachten am Marktort bei einer Tante und verbummeln den zeitigen Rückweg am nächsten Tag durch eine Besuch an einem Schießstand.
  • Die Story ist in einem Rahmen gebettet. Der Erzähler hat die Geschichte vom Schweden Olof Ehrensvärd, den es nach New England verschlagen hat. Die Erzählsituation wird wie folgt eingeführt: „In the winter evenings we play chess together, he and I, and after some close, fierce battle has been fought to a finish — usually with my own defeat – we fill our pipes again, and Ehrensvärd tells me stories of the far, half-remembered days in the fatherland, before he went to sea”.
Zwei Kinder, die sich beim Gang über die Berge verlaufen erinnert an Adalbert Stifter: Bergkristall von 1845. Crams Geschichte „The Dead Valley” erschien erstmals in der Sammlung Black Spirits and White von 1895.
StraubRalph Adams Cram
Text online: Straub1Straub2Straub3Straub4
StraubBlack Spirits and White A Book of Ghost Stories (Project Gutenberg)
StraubMatt's Book Blog
StraubThe Dead Valley -- Ralph Adams Cram, September 23, 2012
Peter Adalbert Stifter: Bergkristall

Mary E. Wilkins Freeman: „Luella Miller”
Luella Miller kommt neu ins Dorf als Lehrerin. Doch in Wirklichkeit übernimmt Lottie Henderson ihre Lehrstunden. Bald darauf stirbt Lottie und Luella heiratet Erastus Miller. Dieser stirbt an Tuberkulose. Luella Miller ist extrem hilflos und zieht immer wieder Leute an die ihr helfen. Kaum vergeht ein halbes Jahr stirbt jedes Mal ihr Helfer. Einerseits ist Luella deshalb im Dorf gefürchtet, andrerseits findet sich immer wieder jemand, der ihr hilft. Die letzte ist Lydia Anderson, die Luellas Geschichte Jahre später erzählt. Lydia versorgt Luella als diese selbst daniederliegt, dahinsiecht und schließlich stirbt.
Die Geschichte „Luella Miller” findet man in vielen Vampir-Anthologien. Die Protagonistin wird als weiblicher psychischer Vampir interpretiert.
„Freeman presents a character study of a psychic vampire in »Luella Miller« (1902), about a small-town woman who sucks out the life of everyone who cares for her but may or may not be aware of her own debilitating influence.” (Joshi 2007, S. 626)
Andrerseits kann man auch vermuten, dass Luellas Helfer an Tuberkulose zugrunde gehen, wenn es auch nur ausdrücklich von ihrem Ehemann Erastus berichtet wird und wenn auch bei allen folgenden Helfertoten keine typischen TB-Symptome geschildert werden.
Gegen die TB-Theorie spricht auch der schnelle Tod einer alten Frau, die – Jahre nach Luellas Ableben – deren Haus bewohnt und binnen 7 Tage tot war.
Ob Luella über übernatürliche Fähigkeiten verfügte bleibt offen. Sie hatte zumindest eine unheimliche Kraft Leute in ihren Dienst zu bringen und sie dann sich zu Tode schuften zu lassen. Wer sich in seiner Hilfsbereitschaft aufopfert geht selbst zugrunde.
Die Leser mögen bedenken, dass Lydia Anderson die Geschichte von Luella Miller Jahrzehnte später erzählt. Sie ist die bekannt unzuverlässige Erzählerin. Es wird zudem angedeutet, dass sie selbst in der Jugend auf Erastus Miller, dem späteren Ehemann Luellas, ein Auge geworfen hatte.
Mary Wilkins Freeman stellt zwei Frauencharaktere nebeneinander:
  • Luella Miller ist einerseits zu jeder Tätigkeit zu schwach (sie sagt von sich: „I never made coffee in all my life”), andrerseits verfügt sie über  bemerkenswerte Fähigkeiten und zwingt immer wieder Leute in ihren Dienst. Sie nützt alle anderen aus.
  • Lydia Anderson ist die einzige, die ihren Dienst bei Luella überlebt hat. Zwar half sie auch im Miller-Haushalt, war aber scheinbar gegen die vorherrschenden Kräfte immun. Sie erzählt: „There was somethin’ about Luella Miller seemed to draw the heart right out of you, but she didn’t draw it out of me.”
    Während Luella das Böse verkörpert ist Lydia das Gute, oder das, was man damals in New England für das Gute hielt: Lydia geht immer zur Kirche, egal wie das Wetter ist.
Allerdings sind Luellas Kräfte auch über ihren Tod hinaus und noch Jahrzehnte später wirksam. Als Lydia Anderson 87 Jahre alt war rannte sie (selbstverständlich bei abendlichen Mondenschein) über die Strasse zu Luellas Haus und starb dort an der Türschwelle. Erst dann wurde Luella Millers Haus von der Dorfbevölkerung bis auf den Grund verbrannt.
„Luella Miller” erschien zuerst 1902 in Everybody's Magazine und im Jahr darauf in der Anthologie The Wind in the Rose-Bush and Other Stories of the Supernatural.
Peter Mary E. Wilkins Freeman
Text online: Straub1Straub2Straub3Straub4
StraubLuella Miller @Center for Civic Reflection
StraubHinkle, Lynda L. (2008): „Bloodsucking Structures: American Female Vampires as Class Structure Critique”. MP: An Online Feminist Journal July, 8 Seiten.
StraubJackson, Sarah (2003): "Luella Miller: A Marxist Feminist Vampire Story", Bad Reputation 6.12.
StraubNakagawa, Chiho „Dreadful Yet Irresistible Luella Miller: Horror in the Absence of Self”.

Henry James: „The Jolly Corner”

Die Ausgaben der Library of America sind gut ausgewählt, editorisch für gehobene Ansprüche (zahlreiche Notizen zu den Auotren und Texten) und handwerklich lobenswert (gebunden, guter Druck, Lesebändchen). Diese beiden Bände im Schuber sind keine Ausnahmen. Die ausgewählten Geschichten decken ein weites Feld ab: Vampire, Gespenster, glatter Horror oder lediglich Andeutungen übernatürlicher Sachverhalte sind vertreten.
Wer sich für das Genry Horror und Fantastik im weiten Sinne interessiert wird hier fündig und bestens bedient.
Links
StraubAmerican Fantastic Tales: Terror and the Uncanny from Poe to Now (boxed set) @ LoA
StraubTable of Contents Bd. 1StraubTable of Contents Bd. 2
StraubDennis Drabelle: Book review: 'American Fantastic Tales' edited by Peter Straub, Washington Post, 31. 10. 2009
StraubExcerpt: 'American Fantastic Tales', NPR November 23, 2009
Peter 19th Century Local Color / Regionalism Literature
Straub Kurzgeschichtenanthologien, Kurzgeschichtensammlungen und Besprechungen dazu
Peyton Ausgewählte Links zur Kurzgeschichte – Short Story
Literatur
Joshi, S. T., Hg. (2007): Icons of Horror and the Supernatural: An Encyclopedia of Our Worst Nightmares, Volumes 1 & 2. Westport, Connecticut; London: Greenwood.
Oaks, Susan (1985): „The Haunting Will: The Ghost Stories of Mary Wilkins Freeman”. Colby Library Quarterly 21:4, S. 208-220.
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Phantastik StraubPeter Straub, Hg.: American Fantastic Tales. Bd.1 Terror and the Uncanny from Poe to the Pulps. New York: Library of America, 2009. Gebunden, 746 Seiten Phantastik
Peter Straub, Hg.: American Fantastic Tales. Bd.2 Terror and the Uncanny from the 1940's to Now . New York: Library of America, 2009. 2 Bde. Gebunden, 713 Seiten Straub
Phantastik StraubPeter Straub, Hg.: American Fantastic Tales.
Bd.1 Terror and the Uncanny from Poe to the Pulps – Bd.2 Terror and the Uncanny from the 1940's to Now. Boxed Set.
New York: Library of America, 2009. 2 Bde. Gebunden, 1459 Seiten
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.11.2014