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Remnick
David Remnick, Susan Choi, Hg.:
Wonderful Town: New York Stories from The New Yorker

New York: Modern Library, 2000. Broschiert, 508 Seiten – David LinksDavid Literatur
Geschichten aus The New Yorker haben einen Sound (starkes Lektorat!) und oft muss der Leser eigene Arbeit leisten: nicht alle erschließen ihre Blüten beim ersten Lesen. Dafür verblühen sie selten. Hier sind 44 Stories, die in New York spielen. Dabei drängt sich teils New York auf, teils könnte die Story auch in einer anderen Grossstadt spielen (z.B. Laurie Colwin:  „Another Marvellous Thing”). Bis auf wenige Ausnahmen ist die Crème de la Crème der US-amerikanischen Short Story der 2. Hälfte des 20. Jhdts. vertreten. Es fehlt beispielsweise die durch Slang eindeutig New York zugeordnete Story Thomas Wolfe: „Only the Dead Know Brooklyn”. Aber in einer beschränkten Auswahl wird immer jemand eine Story vermissen.
Zur Einstimmung ein gängiges Bonmot:
New York is noisy.
New York is overcrowded.
New York is ugly.
New York is unhealthy.
New York is outrageously expensive.
New York is bitterly cold in winter.
New York is steaming hot in summer.
I wouldn't live outside New York for anything in the world.
Die Sammlung enthält die folgenden Kurzgeschichten:
Story / Autor Audio Audible
The Five-Forty-Eight / John Cheever 4 1.2
Ann Beattie: „Distant Music”
Sailor off the Bremen / Irwin Shaw
Physics / Tama Janowitz
The Whore of Mensa / Woody Allen 2 1.3
Deborah Eisenberg: „What It Was Like, Seeing Chris” 7 1.4
Drawing Room B / John O'Hara
A Sentimental Journey / Peter Taylor 17 2.1
The Balloon / Donald Barthelme
Smart Money / Philip Roth
Laurie Colwin: „Another Marvellous Thing” 5 1.6
The Failure / Jonathan Franzen
Apartment Hotel / Sally Benson
Midair / Frank Conroy 6 1.5
The Catbird Seat / James Thurber 18 1.7
Snowing in Greenwich Village / John Updike
I See You, Bianca / Maeve Brennan
You're Ugly, Too / Lorrie Moore
Symbols and Signs / Vladimir Nabokov 12 2.3
Poor Visitor / Jamaica Kincaid 11 1.1
Hortense Calisher: „In Greenwich, There Are Many Gravelled Walks” 3 1.8
Some Nights When Nothing Happens Are the Best Nights in This Place / John McNulty
Slight Rebellion off Madison / J. D. Salinger
Brownstone / Renata Adler 1 2.2
The Cafeteria / Isaac Bashevis Singer
14 2.5
Partners / Veronica Geng 9 2.6
The Evolution of Knowledge / Niccolo Tucci 19 2.4
The Way We Live Now / Susan Sontag 15 2.12
Do the Windows Open? / Julie Hecht
The Mentocrats / Edward Newhouse
The Treatment / Daniel Menaker
Arrangement in Black and White / Dorothy Parker
13 2.8
Carlyle Tries Polygamy / William Melvin Kelley 10 2.7
Children Are Bored on Sunday / Jean Stafford
Notes from a Bottle / James Stevenson 16 2.11
Man in the Middle of the Ocean / Daniel Fuchs
Mespoulets of the Splendide / Ludwig Bemelmans
Over by the River / William Maxwell
Baster / Jeffrey Eugenides 8 2.9
The Second Tree from the Corner / E. B. White 20 2.10
Rembrandt's Hat / Bernard Malamud
Shot: A New York Story / Elizabeth Hardwick
A Father-to-Be / Saul Bellow
Farewell, My Lovely Appetizer / S. J. Perelman

Laurie Colwin: „Another Marvellous Thing” .
The New Yorker, Feb. 1985
Freddie (»Freddie« im New Yorker, »Billy« in Colwin Laurie Colwin: Another Marvellous Thing) und Grey erwarten ein Baby. Wegen zu hohem Blutdruck muss die hochschwangere Freddie vorzeitig in die Klinik. Mit Präzision läuft das gesamte gynäkologische Programm ab.
Nach mehreren Komplikationsstufen verlassen Freddie und Grey mit ihrem William die Klinik. Der Leser sieht von außen auf die Doktor – Patient Situation, eine Situation, die man sonst nur als Betroffener kennt. Laurie Colwin lässt das Prozedere in der Klinik in mehreren geplanten Stufen ablaufen. Dabei gelingt es ihr trotzdem die einfühlsame Beziehung zwischen Freddie und Grey hervorzuheben.
Eine Geburt ist für die Beteiligten aufregend, nacherzählt angeboten stöhnt man abwehrend: Was jene als DAS Ereignis erscheint, ist für den entfernten Leser alltägliches Geschehen.
Dieser Eindruck wird in dieser Story widerlegt.
Laurie Colwin versteht es durch Steigerung der medizinisch notwendigen Massnahmen, die Leser auf Alarm einzustellen. Zur Beruhigung kann man sich den Titel der Story vor Augen führen. Doch selbst dieser wird ja oft eingesetzt um den Leser auf eine falsche Spur zu setzen. Hier nicht. Aber es wird gezeigt, dass „another marvelous thing”
  • nicht vom Himmel fällt, sondern besonders mütterlicherseits grosser Anstrengung bedarf
  • auch ohne bleibende Komplikationen darüber spannend berichtet werden kann
  • nicht ein „marvelous thing” wie Millionen andere ist, sondern für das Elternpaar das „marvelous thing” schlechthin ist.
Neben der Mutter- und Vaterschaft steht die medizinische Versorgung im Mittelpunkt. Der einfühlsamen persönlichen Sphäre steht die nüchterne klinische, auf Effizienz getrimmte gegenüber. Dabei gibt es Überschneidungen:
  • Für das Stillen steht kein separater Raum zur Verfügung. Die Krankenschwester improvisiert und bietet den Geräteraum an (S. 115).
  • Das Uhrwerk der Krankenhausmaschinerie wird durch Riten menschlich. Trotzdem die Ärzte schon die Entlassung beschlossen haben, stellen sie Freddie vor eine Wahl, die keine mehr ist:Dr. Edmunds: „How would you like to take your boring baby home with you?” (S. 116) Nebenbei wird damit dem Freddie und den Lesern klar: mit dem Baby ist alles langweilig normal.
  • Ein Ritual des Krankenhauses ist es, der Mutter am Ausgang das Baby zu übergeben (S. 116)
  • Freddie übt gleich ein eigenes Ritual ein: sie will ganz normal zu Fuß nach Hause kommen (S. 117).
Dabei ergibt sich der Eindruck, dass Freddie mit den Vertretern der klassischen Medizin durchwegs in guten Händen ist. Die erprobten, tausendfach bewährten Verfahren meistern die eskalierende Situation ganz ohne Rückgriff auf „ganzheitliche” oder „alternative” Verfahren. 
Struktur, Sprache und Inhalt sind hervorragend. Nur ein Beispiel: Freddie tritt mit William und Grey aus der Klinik: „She felt she had just robbed a bank and got away with it” (S. 116).
Eine im besten Sinne herzergreifende Geschichte.

Hortense Calisher: „In Greenwich, There Are Many Gravelled Walks”.
The New Yorker, Aug. 1950
Studenten in Greenwich Village vertreiben sich die Zeit. Peter und Robert haben exzentrische Mütter. Peter zieht mit Susan, Roberts Tochter ab.
Diese Story wird hoch gelobt, aber ich habe sie scheinbar nicht kapiert. Gewiss, die Stimmung unter den jungen Leuten – eine reiche Variante der Pariser Bohemien – wird gut geschildert, doch die Story entwickelt sich nicht.

Eine wundervolle Sammlung über eine wundervolle Stadt. 5 Sterne
Links
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RemnickDavid Remnick: „Introduction” (pdf)
RemnickThe New Yorker
RemnickHortense Calisher
Laurie Colwin: ColwinLaurie Colwin.comColwinCooksInfo.comColwinHarperCollins
ColwinLaurie Colwin 1944-1992ColwinWikipedia
Colwin Laurie Colwin: Another Marvellous Thing
Remnick Ausgewählte Links zur Kurzgeschichte – Short Story
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Literatur
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Remnick Remnick David Remnick, Susan Choi, Hg.: Wonderful Town: New York Stories from The New Yorker. New York: Modern Library, 2000. Broschiert, 508 Seiten Remnick
David Remnick, Susan Choi, Hg.: Wonderful Town: New York Stories from The New Yorker. New York: Random, 2000. Gebunden, 496 Seiten Remnick
Remnick RemnickDavid Remnick, Susan Choi, Hg.: Wonderful Town: New York Stories from The New Yorker. Gekürzte Audio-Ausgabe. Random, 2000. Sprecher: Tyne Daly, Maria Tucci, Joe Morton, Timothy Jerome. 9 CDs, 10 Stunden.
Hinweis: gekürzt bedeutet, dass nicht alle 44 Stories auf den 9 CDs enthalten sind (siehe obige Übersicht), sondern 20 ausgewählt wurden; diese werden ungekürzt gelesen.

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 26.1.2013